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Welche Förderung brauchen leseschwache Kinder?

Autor Nachricht
Verfasst am: 14.12.2009 [15:33]
sternchen110
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 14.12.2009
Beiträge: 1
Hallo,

auch wir haben ein Problem in der Grundschule und brauchen euren Tipp oder Rat, was wir tun können.

Unser Sohn ist 7 Jahre und in der 2. Klasse. Er kann noch nicht gut lesen und stockt oder rät die Wörter, verschlingt Endungen, erfindet Wörter beim Lesen. Er liest fremde Wörter noch sehr schlecht und auch gängige Wörter, wie z.B. Mutter nicht in einem Zug, sondern als Mut - ter.

Obwohl die Lehrerin der 1. Klasse uns u. a. auch im Zeugnis bestätigt hat, dass er gut lesen kann, ist dem nicht so. Und jetzt merken wir dies auch in anderen Fächern, denn er braucht z.B. zu lange, um die Aufgabenstellung in den Matheaufgaben zu erfassen oder bald auch Textaufgaben zu lösen.

Jetzt brauchen wir dringend Hilfe, um das Defizit aufzuholen. Da unser Sohn - typisch Junge - nichts zusätzlich machen will, streiten wir oft mittags bei den Hausaufgaben, sodass ich eine externe Hilfe bevorzugen würde.

Allerdings weiß ich nicht, was besser ist - die normale Nachhilfe oder doch gleich eine Lese/Rechtschreibschwäche-Therapie?

In den bisherigen 2 Diktaten hatte er 0 Fehler, aber durch mangelndes Lesen hat er in weiteren Deutschtests Sätze falsch, bei denen man nur den Anfangsbuchstaben einsetzen muss und die Hälfte des Mathetestes nicht, da er keine Zeit mehr hatte.

In der 1. Klasse hatte unser Sohn aufgrund von Krankheiten, Schwangerschaft, Fortbildung, Landschulheimaufenthalten bereits 7!!! verschiedene Lehrerinnen und so wurde das Lesen recht vernachlässigt. Wir selbst lesen zu Hause ca. 15 Minuten mit ihm.

Was meint Ihr?
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Verfasst am: 15.12.2009 [18:11]
UtaReimannHöhn
Profi
Dabei seit: 18.04.2008
Beiträge: 43
Hallo liebes Sternchen,

nach den Rahmenrichtlinien der Schulen wird erst am Ende der zweiten Klasse erwartet wird, flüssig zu lesen. Leider nimmt die Erwartungshaltung von Eltern und Lehrern durch die ganzen negativen Meldungen und den wachsenden Leistungsdruck so zu, dass das oftmals ganz in Vergessenheit gerät.

Ein Kind, das zu Beginn des 2. Schuljahres noch stockend liest, ist ganz normal!

Soweit die Grundaussagen - trotzdem hinkt Ihr Sohn den Anforderungen der Klasse hinterher, was als Junge und u.a. mit dieser Lehrer-Karriere wahrscheinlich ein Motivationsproblem ist. Von einer Lese-Therapie sind Sie noch ganz weit weg.Ihr Sohn liest "nur" zu langsam.

Er kennt alle Buchstaben?
Er kann alle (technisch) zusammenziehen?
Er kann Texte erlesen, auch wenn es etwas länger dauert? Dann sollten Sie sich keine Sorgen machen. Alle Grundlagen sind vorhanden.

Jetzt hilft einzig und alleine Lesen - Lesen - Lesen. Schließen Sie mit Ihrem Sohn einen klaren Vertrag ab. Ein Vorschlag: Er liest täglich seine 15 Minuten (ohne Murren), darf aber jeden zweiten Tag selber aussuchen, was er liest. Und dafür gibt es zunächst bis Weihnachten täglich eine Belohnung, zum Beispiel in Form eines Punktes. Für die Punkte kann er Preise bekommen - Sie wissen selber, was er mag.

Natürlich können Sie dieses Üben auch auslagern, wenn es zuviel emotionalen Stress gibt. Werten Sie das Lesen doch auch dadurch auf, dass es ein Mann (Ihr Mann?) mit Ihrem Sohn macht. Jungen brauchen auch männliche Vorbilder.

Die Art des Lesestoffs ist ziemlich egal - alles, was Ihrem Sohn Spaß macht ist erlaubt. Auch Comics oder die Tageszeitung.

Viel Erfolg wünscht
Uta REimann-Höhn

Chefredakteurin von "Lernen und Fördern mit Spaß!"
Antworten Profil
Verfasst am: 17.12.2009 [08:54]
Verena
Junior
Dabei seit: 09.05.2008
Beiträge: 5
Hallo,

bei diesem Problem haben Sie die Möglichkeit, die Lesefähigkeit Ihres Sohnes durch Spiele zu fördern. Sie können natürlich auch regelmäßig lesen, das würde ich aber nur tun, wenn es ihm Spaß macht! Wenn nicht, würde ich auf regelmäßiges Vorlesen umsteigen (wenn Sie das nicht ohnehin schon tun...)

Wenn Sie beim Lesen bleiben, besorgen Sie sich am besten die Silbenlesebücher aus dem Mildenberger Verlag ("Lesen in Silben": für Erstklässler; "ABC der Tiere 1": für Zweitklässler; "ABC der Tiere 2": für Dritt- und Viertklässler.) Was den Kindern hier Spaß macht, ist, die (zweifarbig gedruckten) Silben abwechselnd zu lesen - also Sie eine Silbe, er die nächste, Sie die übernächste usw.; unabhängig davon, ob ein Wort zu Ende ist oder nicht. Klingt zwar etwas abgehackt, ist aber lustig und fördert den Sinn für die Wortdurchgliederung. Außerdem trainiert es die Blicksprünge, die bei schwachen Lesern oft unangemessen groß sind (und daher viele Rücksprünge verursachen).

Zu den Buchstabenspielen: Sie brauchen Spiele, bei denen nichts gelesen werden muss, sondern nur Einzelbuchstaben Verwendung finden. Bei vielen schwachen Lesern ist die Verbindung zwischen dem Zeichen (= Buchstabe) und dem dazugehörigen Laut noch so schwach ausgeprägt, dass das Kind "Reaktionszeiten" von ca. einer halben Sekunde hat (oder noch länger!!), ehe es zu einem Buchstaben den richtigen Laut weiß. Bei einem nur vierbuchstabigen Wort braucht so ein Kind also glatte 2 (!!!) Sekunden, ehe es am Ende angelangt ist - da hat es den Anfang schon wieder vergessen! Von längeren Wörtern wollen wir mal gar nicht reden.
Außerdem haben viele Kinder zu den Buchstaben den FALSCHEN Laut gespeichert - nämlich den NAMEN des Buchstaben! Der ist aber völlig egal; ich muss zum Lesen nämlich gar nicht wissen, dass der Buchstabe "Zett" heißt; ich MUSS aber unbedingt wissen, wie ich ihn lese: nämlich "zzz". Daher sprechen Sie bei ALLEN Buchstaben, die Sie bei den Spielen verwenden, immer wieder den LAUT aus (NIE den Namen des Buchstaben). Ganz sicher macht Ihr Kind hierbei immer wieder Fehler - bestehen Sie auf der Aussprache des Lautes, indem Sie auf den Buchstaben zeigen und fragen: "Liest man...??" Und natürlich sprechen Sie jeden Buchstaben, bei dem SIE an der Reihe sind, mit dem richtigen Laut aus. Ziel des ganzen ist eine Automatisierung der Laut-Buchstabe-Verknüpfung und deutliche Erhöhung der Abrufgeschwindigkeit. Erst wenn Ihr Sohn nicht mehr so lange und angestrengt über jeden einzelnen Buchstaben nachdenken muss, kann er flüssiger lesen.

Hier nun einige empfehlenswerte Spiele: Buchstabix von HABA (ein schönes Memory mit Groß- und Kleinbuchstaben - jeden Buchstaben aussprechen, sobald er aufgedeckt wird); Wortritter von HABA: Kärtchen mit Großbuchstaben und Bildern in einer Blechdose mit 2 - 3 schönen Spielideen; Zauberdomino von HABA: Dominospiel mit Großbuchstaben und Bildern, die es anzulegen gilt; ABC-Zocken vom TimeTex-Verlag: Kartenspiel mit Groß- und Kleinbuchstaben, das nebenbei die Unterscheidung von Selbstlauten / Mitlauten / Umlauten sowie die Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet trainiert; Junior Scrabble: schöne Spielidee für alle, die noch zu jung fürs Scrabblespielen sind.

Bei den Spielen haben Sie die Möglichkeit, die Lesefähigkeit Ihres Sohnes zu trainieren, ohne mit ihm zu lesen. Erfahrungsgemäß greifen die Kinder irgendwann selbst zum Buch; nämlich dann, wenn das Lesen nicht mehr so anstrengend ist und wenn sie durch Vorlesen erfahren haben, wie spannend Bücher sind.

Viel Erfolg hierbei und alles Gute,
Verena
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