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Lesen als Strafe

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Verfasst am: 17.03.2009 [16:53]
trilian
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 17.03.2009
Beiträge: 2
Letzte Woche hat die Lehrerin meines Sohnes das Lesen eines Buches, also von einer Seite des Buches, als Strafe gesetzt, weil er, durch ihre Wörter, sich "wild" während der Pause verhalten hat.

Mein Sohn liest ununterbrochen seit er 5 Jahren alt ist und er ist buchstäblich ein 'Buchfresser'. Er liebt das Lesen und ist immer irgendwie beim Lesen. Sogar beim Frühstück, während ich die Zeitung durchblättere, liest er eins seiner Lieblingsbücher. Und kann jetzt, nachdem er 7 geworden ist, schon in 3 Sprachen lesen. Er wächst zweisprachig und lernt dabei Englisch auch. Er ist sprachbegabt und hat eine gigantische Phantasie. Leider habe ich das Gefühl, dass die Lehrerin ihn nicht so akzeptiert, wie er ist.

Er ist auch anders geworden irgendwie und da ich keine emotionale Bindung zwischen den beiden feststellen kann, vermute ich, dass mein Sohn mit dieser Lehrerin schwierigkeiten hat und sie mit ihm auch, ganz gewiss. Aber sie schiebt die ganze Sache so, als ob nur er ein Problem wäre! Das finde ich ungerecht und dadurch ist diese blöde Strafe entstanden, was ich abscheulich finde.

So viele Kinder leiden unter Leseprobleme! Und wenn sie ein Kind in der Klasse hat, dass viel voraus ist, nutzt sie diese Möglichkeit nicht und sieht es auch nicht als Bereicherung, sondern schon als Problem. Sie scheint mir mit ihm völlig überfordert zu sein und nicht das Gegenteil.

Mir würde auch die Meinung der deutschen Eltern im Forum interessieren, da ich nicht Deutsch bin und sowas niemals während meiner Schulzeit erlebt habe. Lesen wurde, zumindest in meiner Schule, niemals als Strafe für Verhaltensstörungen missbraucht. Ganz im Gegenteil, es war eine Belohnung, ein Geschenk und manchmal heilig! Wenn ich eine Regel nicht respektiert habe oder so wurde ich bestraft, ohne Frage. Aber niemals musste ich ein Buch oder eine Seite davon lesen, wenn ich ohne Pause bleiben musste.

Ist das Sinnvoll? Ist das nicht "klein machen"?

Ich bedanke mich schon im Voraus für Ihre Antwort.
Antworten Profil
Verfasst am: 19.03.2009 [03:18]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1610
Liebe trilian,
ich halte Lesen als Strafe für absolut unsinnig. Ich sehe das so wie Sie, dass Lesen etwas Schönes, Positives sein sollte, das man den Kindern keinesfalls verleiden sollte. Lesen als Strafe ist genauso unsinnig wie ein ungezogenes Kind zur Strafe ins Bett zu stecken - und sich nachher womöglich zu wundern, warum das Kind abends nicht mehr ins Bett will...

Der einzige Zusammenhang, in dem ich mir Lesen als Strafe überhaupt vorstellen könnte, wäre z.B., Schulregeln, gegen die ein Kind verstoßen hat, mehrmals laut vorlesen zu lassen - sozusagen als "Gedächtnis-Auffrischung". In solchen Fällen geben Lehrer das aber eher als Strafarbeit zum Abschreiben auf.

Glücklicherweise liest Ihr Sohn ja sehr gerne, sodass die Strafe, eine Seite im Buch zu lesen, ihm sicherlich gar nichts ausgemacht hat.

Nur eine kleine Frage am Rande: Ist Ihr Sohn mal auf eine Hochbegabung getestet worden? Das hört sich schon sehr danach an. Vielleicht wollen Sie sich hier im Forum mal informieren (sehr ausführlich und interessant!): www.elternwissen.com/forum/beitraege/schule-und-lerntipps/hochbegabt.html

Herzliche Grürße
Ihre
Andrea Schmelz



Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 19.03.2009 [23:10]
stepfihepfi
Junior
Dabei seit: 18.03.2009
Beiträge: 7
War auch mein Gedanke beim Lesen. Wenn Kinder im Standardsystem "nerven", sind sie in der "normalen" Schule falsch aufgehoben...Wir haben mehr hochbegabte Kinder als wir glauben und viel zu wenig wird davon ausgeschöpft. Machen sie ihr Kind glücklich und schicken sie es in eine Schule, die besondere Fähigkeiten fördert. icon_biggrin.gif
Antworten Profil
Verfasst am: 20.03.2009 [21:41]
trilian
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 17.03.2009
Beiträge: 2
Liebe Leute

ich freue mich über die Antworte und bedanke mich bei euch herzlich.

SuperNanny, gegen das laut vorlesen der Regel in einer Schule hätte ich eigentlich nichts und würde so eine Situation sogar verstehen aber die Lehrerin hat das Buch, so sagte sie uns, als "Beschäftigung" benutzt. Damit er während der Pause, in der er nicht zum Schulhof gehen dürfte, etwas zu tun hätte... Also das ist nach nach meiner Meinung ein bißchen Faulheit oder Ahnungslosigkeit (Hilfslosigkeit?) im Umgang mit kleinen Menschen. Entschuldigung aber ich sehe es so. Und sie hat ihn dort allein gelassen und nicht mit ihm über sein Verhalten gesprochen. Ich verstehe das nicht.

Wo war das Dialog? Das Warum und Aber? Hat sie mit ihm ein Gespräch geführt, also seriös mit ihm gesprochen? Nicht aus einem Podest aber von Mensch zu Mensch? Bis ich weiss nicht. Sie war "ausser sich", hat sie uns gesagt. Aha. Kinder müssen sofort die Konsequenz ihrer Handlungen, guten und schlechten, erleben und solche blöde Strafen gehören nicht dazu, oder? Das Denken und Nachdenken wird auf keinen Fall auf diese Weise statt finden.

Dabei lernt er dort sich "wild" zu verhalten, weil die grossen Jungs in der Klasse sich so benehmen und so in dieser Art mit ihm umgehen. Und über dieses Problem, dass er von manche Kinder gehasst, gespottet, geschimpft und richtig ausgelacht wird, will die Lehrerin nicht reden... Als ich ein Gespräch suchte, wollte sie nicht mit uns reden, sie hatte dafür keine Zeit. Jetzt da die Sachen sich verschlimmert haben und mein Sohn solche Hilfe-Signale gibt, will sie immer nocht nicht über das Ganze reflektieren aber nur auf meinen Sohn fokussieren, als ob nur er ein Problem wäre. Bitte.

Und ja, wir hatten diese Vermutung, dass unser Sohn hochbegabt sein könnte aber dazu auch das Gefühl gehabt, dass wir zuerst ihn in der Schule beobachten sollten. Also mal gucken wie es geht und so. Eigentlich sehen wir Hochbegabung nicht als etwas nur Gutes, sondern auch als Last. So ein Kind braucht spezielle Fördergung, was hier in Deutschland noch sehr karg ist. Solche spezielle Schulen (und Lehrkräfte!) existieren nicht in jeder Ecke, ganz im Gegenteil, die sind sehr schwer zu finden und Tests und alles drum und dran kosten eine menge Geld. Es ist ein Geschäft geworden.

Ich habe mich erkundigt, über Hochbegabung gelesen und tatsächlich könnte es schon wohl sein. Mein Sohn ist sehr empfindlich und Wörter können ihn sehr beeindrucken und verletzen, was bei anderen Jungs nicht der Fall ist. Er ist extrem neugierig und kreativ. Er hat ein gigantisches Gedächtnis, könnte mit 5 Schiller zitieren oder eine Geschichte weiter erzählen ohne irgendwelche Schwierigkeit. Dazu die musikalische Fähigkeit. Wie der Lehrer sagt, "Er kann es vom Blatt" und so weiter und so fort. Aber was nutzt das alles in einer ganz normalen Schule? Gar nichts! Im Gegenteil, solche Kinder leiden darunter. Sie sind wie Aliens aus einem anderen Planeten.

Das Problem sind nicht hochbegabte Kinder, die mehr gibt als man denkt, oder die Kinder überhaupt aber das ganze System. Die heutige Kinder sind anders, als Kinder vor 60 Jahren, das ist wohl klar aber die Erziehungsmethoden scheinen mir genau zu sein wie sie noch vor 60 Jahren waren. Dazu diese Unfähigkeit mancher Lehrer eine emotionale Bindung mit den Kinder zu schaffen. Diese emotionale Bindung fehlt und ist heutzutage wichtiger als sonst nach meiner Auffassung.

Ich bin immer noch der Meinung, dass Lesen als Strafe ungerecht ist und nicht in der Schule gehört. Wir sind nicht mehr im Mittelalter, sondern sind unsere Kinder DIE Kinder der Aufklärung. Sie leben in einer neuen Welt, eine die wir für sie geschaffen haben, in der fast alles möglich ist. Diese Kinder, die mit 4 oder 5 schon lesen können, die fern sehen und Lexikons kennen seit sie 2 sind uswusf. Kinder, die, wenn sie zur Schule gehen, manchmal mehr über die Welt wissen, als die Lehrer, die da zum Lehren sind. Kinder, die mit Denken und Selbstdenken gewöhnt sind und plötzlich das Nicht-Denken in der Schule lernen müssen.

Ich bin sehr enttäuscht und traurig über alles, was passiert ist und besorgt, weil ich nicht weiss, was ich noch machen soll. Ich bin sehr aber sehr enttäuscht mit dem deutschen Schulsystem und finde es mehr und mehr ungerecht, jurassic und benachteiligend, besonders für multikulturele Kinder. Es kann einfach nicht sein! Das reichste Land der Welt schafft nicht mal eine einfache und gesunde Harmonie zwischen Menschen in den Schulen. Überall gibt's solche Problem wie meins und das ist erschrekend.
Antworten Profil
Verfasst am: 20.03.2009 [22:46]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1610
Liebe trilian,
nur noch eine kurze Anmerkung zum Thema Hochbegabung: Für die Testung müssen Sie nichts bezahlen, wenn es der Schulpsychologe macht oder eine Erziehungsberatungsstelle (siehe unter www.bke.de). Dort kann man Ihnen dann auch sagen, welche Fördermöglichkeiten es in Ihrer Nähe gibt.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

Antworten ProfilWWW


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