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Wurde gemobbt, jetzt mobbt er selber

Autor Nachricht
Verfasst am: 01.09.2009 [09:37]
Martina38
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 01.09.2009
Beiträge: 1
Hallo,
ich bin ein wenig am verzweifeln.
Mein Sohn, 10 Jahre, ist seit einer Woche auf einer neuen Schule (5. Klasse). Kleine Vorgeschichte: Er ist ein unsicherer Typ. War in der Grundschule teilweise auffällig, indem er halt den Klassenclown gemacht hat. War mal schlechter dann wieder besser. Haben ja auch mit der Lehrerin zusammengearbeitet. Anschluss hat er nie richtig gefunden. Am Ende der Grundschulzeit hat er sich mit zwei Kindern regelmäßig getroffen, was uns als Eltern auch gut getan hat. In der Schule wurde er beschimpft, im Unterricht mit Bleistiften beworfen, mit Tinte bespritzt, was mit Sicherheit auch an seinem Verhalten gelegen hat bzw. die Mitschüler die Unsicherheit ausgenutzt haben. Täglich habe ich ihn gefragt wie es in der Schule war. Er hat uns nie was gesagt. Von der Lehrerin haben wir im 4. Schuljahr eigentlich auch nichts mehr erfahren. Für uns war alles gut.
Nun hatte er ja einen Neustart. Aus seiner Klasse sind gerade mal zwei Mädels auf die neue Schule mitgegangen. Sie fahren morgens mit dem Bus. Mit den Mädels hat er weiter nichts zu tun. Er kann sie halt nicht leiden. Wir haben mit unserem Sohn vor Schulbeginn gesprochen und auch gesagt, dass es für ihn ein Neustart ist. Weder Lehrer, noch Mitschüler kennen ihn.
Er hat auch gleich Anschluss gefunden. Kinder, die zufällig die selben Interessen und auch Hobbies haben. Gestern hat der Vater der Mädchen bei uns gesessen, weil unser Sohn sie im Bus beschimpft hat und in der Schule von schlechten Noten, die das eine Mädchen in der Vergangenheit geschrieben hat, erzählt hat. Er hat andere Mitschüler gegen sie aufgehetzt. Bei einem Mitschüler, der auch gerne Kinder ärgert, fühlt er sich wohl. Zu zweit ist man halt stärker. Warum macht er das. Wir und auch sein Opa, vor dem er eigentlich viel Respekt hat, haben schon oft mit ihm gesprochen.
Auch nun haben wir gesagt, dass er so nicht weiterkommt. Er kann froh sein, dass der Vater der Mädchen (wir kennen ihn persönlich) bei uns und nicht bei der Lehrerin gesessen hat. Er möchte sich bitte von dem einen Kumpel fern halten. Das tut ihm nicht gut. Er möchte sich doch lieber an die neuen Freunde halten mit den gleichen Interessen. Sollten wir nun nochmal was hören, wird er erstmal Hausarest bekommen.
Weiß nicht, ob das alles wirklich fruchtet.
Er möchte sich heute entschuldigen und hat versprochen, nichts mehr zu machen.
Er ist halt, wie gesagt, ein sehr unsicherer Typ und möchte immer gerne auf sich aufmerksam machen.
Können Sie uns einen Rat geben?
Antworten Profil
Verfasst am: 01.09.2009 [19:27]
AnnetteHoll
Quelle der Weisheit
Dabei seit: 26.06.2008
Beiträge: 52
Sehr geehrte Martina,

ich kann Ihre Sorgen gut verstehen. Sie wünschen Ihrem Sohn natürlich nichts sehnlicher als eine gelungenen Neustart ohne Probleme und Streitereien mit Mitschülern so wie in der Grundschule.
Ich denke, das Erlebte hat er nicht verarbeitet. Es sitzt sehr tief in ihm. Er wurde von anderen Kindern gedemütigt.Seine Unsicherheit ist vielleicht eine Erklärung dafür, aber auf jeden Fall keine Entschuldigung. Nun hat er die Möglichkeit, selbst andere Kindern zu ärgern, was ihm wahrscheinlich ein gutes GEfühl vermittelt, ein starkes Gefühl der Macht.
Wir als Erwachsene, Sie als Eltern können das nicht verstehen. Wir denken, er müsste doch eigentlich wissen wie es den anderen Kindern geht, wenn er über sie herzieht und lacht. Aber diese Transferleistung vom eigenen Erlebten auf andere Personen ist für Ihren Sohn wohl (noch) nicht möglich.
Sie sind auf jeden Fall auf einem gutem Weg, wenn Sie immer wieder mit ihm sprechen und mit ihm über sein Verhalten reflektieren. Aber Sie können ihn (leider) nicht davon abhalten, was er außerhalb Ihres Sichtfeldes in der Schule oder im Bus unternimmt.
Unterstützen Sie ihn auf jeden Fall darin, neue Freunde zu finden. Erlauben Sie Ihrem Sohn, sie zu besuchen und auch zu sich einzuladen. Problematisch ist es, wenn Sie versuchen, ihm den Kontakt zu einem Kind zu verbieten, weil es Ihrer Meinung nach einen schlechten Einfluss auf ihn hat. Denn indirekt erlauben Sie ihm ja so doch keinen individuellen Neustart. Schwierig, denn ich kann gut nachvollziehen, dass Sie ihn vor erneutem Ärger schützen wollen.
Geben Sie Ihrem Sohn noch ein paar Wochen Zeit, sich an der neuen Schule und in der neuen Situation zurechtzufinden. Er ist wahrscheinlich gerade dabei, seinen Standort in der neuen Klassengemeinschaft zu finden und auszuloten, wen er mag und wen nicht. Vielleicht lösen sich manche Dinge ganz von selbst, wenn Sie ihnen jetzt nicht zu viel Bedeutung zumessen.

Alles Gute für Sie,
Annette Holl

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