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lächelnde Teenager
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7 typische Verhaltensweisen von Teenagern und ihre Funktionen

Was Sie von Ihrem Teenager erwarten können – und was nicht

Räumst du bitte den Tisch ab?“ – „Wieso immer ich?“ – „Kannst du deine Schuhe bitte aus dem Weg stellen?“ – „Keinen Bock. Geh doch drum rum!“ Ist Ihr Teenager auch manchmal widerspenstig? Oder weigert er sich standhaft, im Alltag die banalsten Aufgaben zu erledigen? Haben auch Sie das Gefühl, dass Ihr Kind nicht richtig hinhört oder Ihre Anweisungen gar ignoriert? Dann sind Sie nicht allein.  

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Viele Teenagereltern sind verunsichert, weil ihre Kinder jetzt alles in Frage stellen und sich gerne aus der Affäre ziehen, wenn es um Pflichten, Regeln oder andere Anforderungen geht. Lesen Sie hier, welche Erwartungen Sie realistischerweise an Ihr pubertierendes Kind stellen können und mit welchen Sie es möglicherweise überfordern.

Mein Kind war früher immer so hilfsbereit, jetzt krümmt es freiwillig keinen Finger mehr!“ – „Oskar diskutiert mit mir über jede Formulierung, über jeden Satz, den ich sage. Ich habe schon überhaupt keine Lust mehr, ihn um etwas zu bitten!“ – „Luise vergisst ständig, ihre Sachen im Bad wegzuräumen, das macht mich noch wahnsinnig! Will sie mich ärgern?“

Teenager können manchmal wirklich anstrengend sein. Doch warum verhalten sie sich eigentlich so merkwürdig? Haben die Eltern etwas falsch gemacht, und die Teenager wollen ihnen jetzt eins auswischen? Nein, natürlich nicht. Eltern von Teenagern sollten sich zunächst unbedingt klar machen, dass ihr Nachwuchs sich nicht so merkwürdig verhält, weil er seine Eltern bewusst ärgern oder gar quälen will. Doch wozu ist es dann sonst gut?

7 typische Verhaltensweisen von Teenagern und ihre Funktionen

1. Teenager versuchen oft, sich den lästigen Alltagspflichten zu entziehen, oder erledigen nur das Nötigste. Warum das so ist und welche Funktion es hat: Das kann zum einen natürlich Bequemlichkeit sein, ist aber oft eher ein (unbewusster) Protest gegen die familiären Regeln und elterlichen Werte („Ordnung wird voll überbewertet/ist spießig/ist uncool ...“).Das Gewohnte wird in Frage gestellt oder unterlaufen. Das sorgt für Spannungen innerhalb der Familie. Und führt dazu, dass Eltern ihre bisherigen Familienmuster und -regeln überdenken und gegebenenfalls modifizieren. Der „Protest“ des Jugendlichen führt also bestenfalls dazu, dass Eltern mit ihren Teenagern Teenager in einen neuen, offenen Dialog eintreten und die Eltern den Jugendlichen etwas „loslassen“.

2. Teenager stellen gerne alles in Frage: „Wieso muss die Kanne denn hier stehen? Sie kann genauso gut da drüben stehen!“ – „Hausaufgaben sind total überflüssig!“ Warum das so ist und welche Funktion es hat: Solche Aussagen zeigen, dass Teenager nun kognitiv in der Lage sind, Sachverhalte kritisch zu reflektieren und Handlungsalternativen zu entwickeln. Teenager schulen damit eine wichtige Fähigkeit, die auch beruflich nützlich sein kann.

3. Teenager diskutieren gerne jedes Detail – und sei es noch so unwichtig: „Du hast aber gesagt ‚gleich‘ – und ‚gleich‘ heißt nicht ‚sofort‘. Also muss ich es nicht jetzt sofort machen, sondern später!“ Warum das so ist und welche Funktion das hat: Solche Diskussionen um vermeintliche Kleinigkeiten können Eltern schnell auf die Palme bringen. Teenagerzwingen sie damit dazu, sich klar und konkret zu äußern, sich selbst zu reflektieren, sich als fehlbar und menschlich zu zeigen. Je stärker sich Mutter und Vater bisher hinter ihren Elternrollen versteckt haben, desto stärker wird der Teenager sie auf diese Weise herausfordern.

4. Teenager interpretieren Aussagen gerne zu ihren Gunsten um: „Du hast gesagt, ich soll ‚nicht so spät‘ kommen. ‚Nicht so spät kommen‘ ist nicht dasselbe wie‚ früh kommen‘! Und außerdem ist 23 Uhr nicht spät!“ – „Du hast mich doch gefragt, ob ich den Mülleimer rausbringe! Und auf eine Frage darf man ja wohl mit ‚Nein‘ antworten!“ Warum das so ist und welche Funktion es hat: Wenn es darum geht, Vorteile für sich herauszuschlagen, sind Teenager erfinderisch. Das ist eine wichtige Fähigkeit, wenngleich manchmal etwas anstrengend für das Umfeld. Auch auf diese Weise zwingen Teenager ihre Eltern dazu, klar und konkret zu werden und sich deutlich zu positionieren.

5. Teenager führen gerne elterliche Argumente ad absurdum, das heißt, sie demonstrieren den Eltern genüsslich deren eigene Widersprüche: „Eben hast du noch gesagt, dass man nicht schreien soll, und jetzt schreist du selbst!“ – „Du glotzt doch selber dauernd auf dein Smartphone, warum soll ich das dann nicht machen?“ Warum das so ist und welche Funktion das hat: Solche Retourkutschen manövrieren Eltern oft in nahezu ausweglose Situationen. Teenager drehen den Spieß um und bringen ihre Eltern damit in Verlegenheit – besonders dann, wenn sie sie in ihrer Vorbildfunktion kritisieren. Es gelingt den Teenagern auf diese Weise, die Aufmerksamkeit von sich weg auf etwas anderes zu richten: ein prima Ablenkungsmanöver, das Eltern oft schachmatt setzt. Das eigene Fremdbestimmungs- bzw. Ohnmachtsgefühl („Ich muss mir sagen lassen, was ich tun muss“) ist gegen ein (vorübergehendes) Gefühl der (Eigen-)Macht ersetzt worden („Ich weise meine Mutter auf ihre eigenen Fehler hin“).

6. Teenager unterminieren gerne Verbote. Ob er die Kindersicherung des Computers knackt oder ein Disco-Verbot unterläuft, indem er angeblich bei einer Freundin/einem Freund schläft – auch im Unterminieren von Verboten sind Jugendliche höchst ideenreich. Warum das so ist und welche Funktion das hat: Dieses Verhalten hat die Funktion, sich den elterlichen Vorgaben zu entziehen. Es dient insofern der Verselbstständigung des Teenagers. Je mehr Eigenverantwortung er übernimmt und übernehmen darf, umso weniger wird er auf diese subversive Art aktiv werden müssen.

7. Jugendliche können aber elterliche Forderungen auch einfach gut ignorieren oder zurückweisen. Warum das so ist und welche Funktion das hat: Jugendliche konfrontieren ihre Eltern damit, dass sie keine volle Kontrolle mehr über sie haben. Das wiederum hat eine Art Aufforderungscharakter: „Nimm zur Kenntnis, dass ich groß werde und nicht mehr alles so mache, wie du das möchtest. Ich will selbstständig werden!“

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das mitunter als lästig und problematisch erlebte Verhalten des Teenagers ein wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit und damit zu seinem Erwachsenwerden ist. Es handelt sich also um entwicklungspsychologisch bedingte Verhaltensweisen, die Eltern (möglichst) nicht allzu sehr als persönlichen Angriff verstehen sondern eher als erzieherische Herausforderung sollten, die sie meistern werden.

 

 

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