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Allein unterwegs: Was Sie Ihrem Kind zutrauen können

Mehr Mut zum Loslassen: Was Kinder schon allein können

Gerade noch haben Sie Ihrer kleinen Prinzessin einen rosa Rucksack gekauft und sie sanft in den Kindergarten begleitet, und plötzlich steht die selbstbewusste 10-jährige Lena vor Ihnen, die unbedingt mit ein paar Freunden allein das Konzert von Tokio Hotel besuchen will. Sollen Sie das erlauben und Ihrer Tochter den sehnlichen Wunsch erfüllen? Keine leichte Frage. Kinder entwickeln sich rasant, und nicht immer fällt es ihren Eltern leicht „mitzuwachsen“. Der folgende Beitrag hilft dabei zu entscheiden, was Ihr Kind allein machen kann und wie Sie es Stück für Stück loslassen. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Je älter Kinder werden, desto weiter wird der Radius, in dem sie sich bewegen wollen. Schon im Kindergarten beginnen die kleinen Persönlichkeiten sich mit Freunden zu verabreden und immer mehr eigene Ideen und Wünsche zu äußern. Doch bis zum Schuleintritt sind Mama oder Papa eigentlich meistens mit von der Partie und haben alles unter Kontrolle. Ab dem Schuleintritt werden die meisten Kinder dann mutiger und wollen nicht zuletzt durch den Einfluss ihrer Mitschüler und Freunde immer mehr allein machen. Für viele Aktivitäten, wie Kino, Radfahren oder Einkaufen, gibt es gesetzliche Bestimmungen, die Eltern die Entscheidung leichter machen.

Kann mein Kind allein mit der U-Bahn fahren?

 Wesentlich schwieriger wird es jedoch, wenn es um Fragen geht, die von Kind zu Kind individuell entschieden werden müssen, wie zum Beispiel einen Urlaub mit einer befreundeten Familie verbringen, allein in die Stadt gehen, mit dem Fahrrad einen Freund besuchen oder eben auf das ersehnte Rockkonzert gehen. Hier kommt es sehr darauf an, wie selbstbewusst und erfahren Kinder sind. Gerade im Grundschulalter gibt es große Unterschiede zwischen den Gleichaltrigen. Manche Achtjährige können bereits alleine etwas kochen, fahren sicher mit Bus und Bahn, lesen ganze Bücher und übernehmen gerne Verantwortung in der Familie. Andere sind da noch nicht so weit. Sie möchten nicht woanders übernachten, lassen sich noch gerne in die Schule bringen und von den Eltern rundum verwöhnen.

„Mein Freund darf aber auch allein…“ - zählt nicht!

 Zur Beantwortung der Frage, was dem eigenen Kind zuzutrauen ist, sind Vergleiche mit Gleichaltrigen nicht immer hilfreich. Zu unterschiedlich sind die kleinen Persönlichkeiten, um das Verhalten anderer auf alle zu übertragen. Gerade Kinder mit älteren Geschwistern sind häufig schon viel selbstständiger als Einzelkinder. Auch Kinder berufstätiger Eltern, die früh lernen, alleine Entscheidungen zu treffen und sich mit fremden Betreuungspersonen auseinanderzusetzen, sind reifer als „rundumbehütete“ Kinder.
Ob der beste Freund bereits alleine Bus fährt oder die Tochter der Nachbarn schon ein Handy hat, sollte Ihre Entscheidung nur begrenzt beeinflussen. Vielmehr sollten Sie sich fragen, wie weit Ihr eigenes Kind in den verschiedenen Bereichen bereits ist. Anhand der folgenden Tabelle können Sie sich einen ersten Überblick verschaffen.

Alleine lassen heißt auch loszulassen!

 Verantwortungsbewusste, mutige und selbstständige Achtjährige können durchaus schon vieles alleine bewältigen und entscheiden. Immerhin geht es im gesamten Erziehungsprozess ja darum, das eigene Kind zu einem selbstständigen und unabhängigem Menschen zu machen. Da gehört mit zunehmendem Lebensalter auch immer mehr das Loslassen dazu. Eltern sollten also auch ihre eigenen Motive hinterfragen, wenn sie ihrem Kind etwas verbieten oder untersagen. Handelt es sich dabei um gerechtfertigte, schützende Grenzen oder um die Angst, das Kind an seine Selbstständigkeit zu verlieren?

Was sollten Kinder schon allein machen?

  Bei den folgenden Punkten müssen Eltern daher abwägen, ob Sie Ihrem Kind diese Dinge zutrauen, um es langsam, aber sicher auf den Weg zur Eigenverantwortlichkeit zu unterstützen:

  1. Allein mit dem Bus oder der Bahn fahren.
  2. Einen Freund allein besuchen und zu einer vereinbarten Uhrzeit wieder zu Hause sein.
  3. Mit dem Fahrrad, Roller, den Inlinern oder dem Skateboard mit Freunden in der Umgebung spielen (nicht auf der Straße fahren!).
  4. Alleine in die nahe Stadt zum Einkaufen fahren.
  5. Die Ferien mit der Familie eines Freundes/einer Freundin verbringen.
  6. Eine Mahlzeit alleine zubereiten.
  7. Die Verwendung seines Taschengeldes alleine
    bestimmen.
  8. Mehrere Stunden lang allein zu Hause bleiben können (Vereinbarung über Bildschirmzeiten einhalten).
  9. Mit dem Sportverein über Nacht wegbleiben, zum
    Beispiel bei einem Wettkampf.
  10. Sich selber für ein Hobby entscheiden, auch wenn die Eltern es nicht gut finden (Skaten, Football, Ballett etc.).
  11. Ohrlöcher stechen lassen, nach einer ausreichenden Aufklärung über den Schmerz, die Risiken und die möglichen Folgen.

Wichtig für die ersten Schritte allein: Der Notfallplan

 Überlegen Sie unbedingt, welchen Problemen sich Ihr Kind in einem Notfall gegenübersehen kann, und entwickeln Sie gemeinsam einen Notfallplan.

Der Notfallplan kann so aussehen:
ProblemLösungsmöglichkeit
Schlüssel vergessen, Tür ist zuSchlüssel beim Nachbarn hinterlegen
Bus verpasstBusfahrplan lesen können, auf den nächsten warten und zu Hause Bescheid geben
in der Stadt verlaufenTelefonhäuschen oder Handy benutzen und mindestens drei Kontaktpersonen zur Auswahl haben
starkes Heimweh beim ÜbernachtenKuscheltier oder Mutpüppchen gegen Heimweh bereithalten
Essen brennt an, Suppe kocht überKochablauf intensiv üben, besonders das Abschlaten der Hitzequellen
Unfall beim Skaten, Radfahren, Inlineskatennie alleine fahren, Freund muss Hilfe holen, Passanten ansprechen (vorrangig Frauen)

Kinder können schon oft mehr allein machen, als Ihre Eltern vermuten

 Wenn der 8-jährige Jan beim Einkaufen daran denkt, dass Milch für die Cornflakes fehlt, und sich beim nächsten Ferienziel vehement für Griechenland einsetzt, zeugt das von seinem Interesse für das Familienleben. Er versucht sich einzubringen und lässt sich nicht mehr jede Entscheidung von seinen Eltern abnehmen. Ebenso selbstständig ist es aber auch, wenn er im Internet herausfindet, dass eine berühmte Reptilienshow in die Stadt kommt und auch gleich online Karten für sich und seinen Freund ordern will. Selbstständige Kinder wollen nämlich nicht nur vieles allein machen, sondern auch vieles selbst entscheiden. Hier ist das Einfühlungsvermögen der Eltern gefragt, die immer wieder aufs Neue entscheiden müssen, welche Freiräume sie ihrem Kind zugestehen können.

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