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Beleidigende Kinder müssen nicht zum Problem werden.

Auf Beleidigungen und Schimpfworte richtig reagieren

Schimpfworte hinterfragen!

Meistens geht es im Kindergarten schon los und setzt sich in der Schule dann lustig fort: der Gebrauch von Schimpfwörtern bei Freunden und in der Familie. Obwohl manchmal sehr kreativ, finden die wenigsten Eltern diese verbalen Ausfälle ihrer Kinder lobenswert. Klare Grenzen und deutliche Verbote helfen dabei, den Gebrauch von Schimpfwörtern einzugrenzen. Lesen Sie hier, wie Sie am besten auf verbotene Wörter reagieren. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Seien wir doch mal ehrlich, das eine oder andere Schimpfwort ist sicherlich jedem Elternteil, auch vor dem eigenen Kind, schon mal „rausgerutscht“. Wenn irgendetwas gründlich schief geht, wenn das Essen anbrennt oder trotz Zeitdruck der Autoschlüssel einfach nicht zu finden ist, dann kann auch dem geduldigsten Menschen schon mal der Kragen platzen. Schimpfwörter sind eine legitime Art, aufgestauten Druck abzulassen und Ärger zu äußern. Das sollten Sie auch Ihrem Kind zugestehen. Dabei kommt es allerdings sehr auf die Art der gewählten Ausdrücke an und ob sich die Äußerung gegen eine Person oder gegen einen Zustand richtet.

Du oder es – ein wichtiger Unterschied bei Schimpfwörtern

Wenn Ihr Kind sein Mathe-Buch nicht finden kann, verzweifelt eine bereits erledigte Hausaufgabe sucht oder ihm sein sorgfältig sortiertes Kartendeck herunterfällt, ist eine spontane Wut verständlich. Kein Problem, wenn es dann genervt aufstampft und „So ein verdammter Misttag!“ ausruft. Anders sieht es allerdings aus, wenn es seinen Ärger auf eine (vermutlich auch noch unschuldige) Person richtet und „Du blöder Scheißkerl!“ brüllt. Zwischen einer persönlichen Beleidigung und einem allgemeinen Ausdruck von Wut und Ärger besteht ein großer Unterschied, den Sie Ihrem Kind immer wieder klar machen sollten. Persönliche Beleidigungen sollten Sie niemals dulden und konsequent bei jedem Gebrauch einschreiten.

Spiele mit Schimpfwörtern

Helfen die vorgestellten Reaktionen noch nicht immer, probieren Sie doch einmal den folgenden Umgang mit verbotenen Schimpfwörtern aus:

  • Alle verbotenen Wörter werden aufgeschrieben und kommen in eine verschließbare Dose, einen Schrank oder werden zerrissen und im Klo runtergespült. Kinder lieben es auch, die aufgeschriebenen Wörter zu verbrennen, allerdings sollte das immer unter Aufsicht eines Erwachsenen geschehen.
  • Für die Verwendung eines verbotenen Wortes wird eine Strafe fällig, zum Beispiel den Tisch alleine abdecken (weil niemand mit dem Schimpfwortbenutzer arbeiten will) oder nur eine ganz kurze Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen bekommen.
  • Ein bereits bekanntes Schimpfwort wird mit großen Druckbuchstaben aufgeschrieben, dann werden die Buchstaben einzeln ausgeschnitten und zu neuen, positiven Wörtern zusammengesetzt. Diese Wörter werden Wohlfühlwörter genannt. Dieser humorvolle Umgang mit Schimpfwörtern ist ein spielerischer Weg, gute und schlechte Ausdrücke zu unterscheiden. Das Spiel kann auch als Wettbewerb gestaltet werden. Dann bekommt jeder Mitspieler die gesamten Buchstaben des Schimpfwortes (mehrfach aufschreiben und ausschneiden) und versucht, so viele neue Wohlfühlwörter wie möglich daraus zu entwickeln. Das sieht dann zum Beispiel so aus:
    HOSENSCHEISSER -> R O S E N
Sinnvolle Reaktionen auf Schimpfwörter
SituationReaktion
1. Schritt:
nachfragen
Ihrem Kind fällt seine Eistüte auf die Straße, die leckere Erfrischung ist verdorben. Es ist wütend und faucht Sie an: „Du blöde Kuh, jetzt ist mein Eis weg!“  „Das ist schade für dich. Aber warum sagst du das jetzt zu mir? Das Eis ist doch dir heruntergefallen? Jetzt bin ich traurig und kaufe dir kein neues.“ 
2. Schritt:
erklären lassen 
Ihr Kind kommt aus der Schule und hat ein neues Schimpfwort gelernt. Es probiert seine Wirkung gleich mal beim Mittagessen aus, weil es nicht früher als die anderen aufstehen darf: „Du blöde   Pissnelke!“  Gehen Sie nicht auf die Beleidigung ein, sondern wechseln Sie zu einer anderen Ebene und lassen Sie sich das Wort erklären. „Was bedeutet denn das Wort?“ 
3. Schritt:
Folgen verdeutlichen  
Ihr Kind möchte weiter fernsehen, aber seine erlaubte Zeit ist abgelaufen. Es schimpft wütend: „Ich hasse dich, du blöde Zicke!“  Halten Sie inne und schauen Sie Ihrem Kind ernst in die Augen: „Kannst du dir vorstellen, dass mich das jetzt sehr verletzt?“ 
4. Schritt:
Regel formulieren 
Ihr Kind streitet sich mit seinem jüngeren Bruder/ seiner jüngeren Schwester: „Du dummes Blödgesicht!“  Schreiten Sie konsequent ein und machen Sie klar: „Dieses Wort möchte ich nicht mehr hören, hier ist niemand blöd!“ 
5. Schritt: konsequent sein  Ihr Kind will nicht aufhören zu streiten und ruft erst recht: „Blödgesicht, Blödgesicht, Blödgesicht …“  Schicken Sie Ihr Kind in sein Zimmer und brechen Sie den Kontakt kurz ab: „Solange du das Wort weiter benutzt, reden wir nicht mit dir.“  

Welche Schimpfwörter sind erlaubt?

Hat Ihr Kind verstanden, dass es niemanden persönlich angreifen soll, muss in jeder Familie individuell die Frage der erlaubten Schimpfwörter geklärt werden. Das kann von Fall zu Fall ganz unterschiedlich aussehen. Sehr kreative, lustige Schimpfwörter können durchaus auch zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Wichtig ist, dass sich alle Familienmitglieder an die Vereinbarung halten. Achten Sie daher unbedingt auch auf Ihre eigene Verwendung von Schimpfwörtern, denn Kinder sind Profis im Nachmachen!

Beispiel für Schimpfwörterregelung
Erlaubte (allgemeine) SchimpfwörterVerbotene (persönliche) Schimpfwörter
Was ein riesiger Mist!Du doofe Kuh!
Blöder Penn-Tag!Du blöde Ziege!
Doofe Hausaufgaben!Du stinkiger Saftsack!
So ein quatsch-heul-quietsch Nachmittag!Du schwuler Mistkäfer!
Grüne Algengrütze!Du alter Fettsack!
Wabbeliges Rosinenbrötchen!  Du bist doch behindert. Spasti!   

Generell müssen Kinder lernen, welche Ausdrücke erlaubt und welche verboten sind. Das gelingt ganz sicher nicht sofort, so dass ein wenig Geduld und Verständnis von Seiten der Eltern durchaus sinnvoll sind. Immerhin gibt es eine große Vielfalt von Schimpfwörtern, die Ihr Kind erst nach und nach kennen lernen wird. Auf verbotene Schimpfwörter sollten Sie aber wirklich jedes Mal reagieren, wenn auch nur mit einem Seitenblick oder beredtem Schweigen. Ihr Kind muss merken, dass es etwas Nicht-Akzeptiertes gesagt hat, und sein Verhalten überdenken.

Mein Tipp
Wenn Ihr Kind zu Hause verstärkt Schimpfwörter benutzt, was gerade bei Grundschülern mit schöner Regelmäßigkeit vorkommt, gehört das Thema auf den nächsten Elternabend, denn mit großer Wahrscheinlichkeit lernt das Kind diese Ausdrücke in der Schule. Wenden Sie sich daher ruhig an die Klassenleitung oder an den Elternsprecher und bitten Sie um Aufnahme des Themas „Umgang mit Schimpfwörtern“ auf den nächsten Elterntreff. Sie werden sehen, dass dieses Problem in fast allen Familien (sporadisch) auftritt.    
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Kommentare zu "Auf Beleidigungen und Schimpfworte richtig reagieren"

  • Anonym schreibt am 06.07.2012

    Wenn mir jemand in höchster Erregung zuruft, ich sei DOOF, sagt er damit doch nichts über mich aus sondern nur eine ganze Menge über seine eigene Unfähigkeit, sich selbst zu verstehen und mit seinen Geisteskräften be-dacht umzugehen.
    Wenn es nicht immer die Erwachsenen den Kindern verkehrt vormachen würden, verstünden Kinder das sofort. Und sie würden, statt sich in einen Konflikt hineinziehen zu lassen, mit Hochgenuss die Lenkung - und Sanierung - der Kräfter des hilflosen Betroffenen übernehmen. Ich habe es für die Ich-kann-Schule ausprobiert, schon mit ganz kleinen Kindern, in ganz großen Schwierigkeiten, mit bestem Erfolg.
    Es geht ja gar nicht um die Schimpfwörter bei den Schimpfwörtern. Die sind nur ein Test, ob und wie weit du schon mit deinen eigenen geistigen Kräften umgehen kannst. Schimpfwörter & Co. sind ein Mittel der Ohnmächtigen, wenigstens mal effizientn zurückschlagen zu können, und ein Mittel für die Raffinierten, die spüren, dass man damit Unbedarfte und Unreife ganz leicht ganz tief treffen kann.
    Dem Unreifen zur Reife zu verhelfen, ist eine echte Lösung. Den Provokateur des Unreifen nur mit Repressalien zu bremsen, hindert beide Beteiligte daran, sich intelligent zu entwickeln.
    Schimpfwörter stellen eine SPRACHGEWALT dar, die eine intelligente Entwicklung aus der Unterentwicklung heraus provoziert - aber nicht in den Konflikt hinein sondern auf ein höheres, über dem Konflikt stehendes Niveau.
    Das einzig wichtige an Schimpfwörtern ist doch,dass wir uns nicht auf ihrem niederen Niveau festbeißen. So freue ich mich auf alle Eure Erfolge.
    Franz Josef Neffe
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