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Etagenwechsel bei Allergien

unterschätze Allergien

Ihr Kind hat ständig eine laufende Nase, reagiert auf sämtliche Gräser und reibt sich ohne Unterbrechung die tränenden Augen? Heuschnupfen ist eine lästige Erscheinung, die jetzt im beginnenden Frühjahr wieder viele Menschen quälen wird. Vielleicht denken Sie: Augen zu und durch. Doch sollten Sie allergische Reaktionen keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. 

Expertenrat von 
Ingrid Neufeld, Erzieherin

Wenn eine Erkrankung der oberen Atemwege auf die unteren übergreift, spricht der Arzt von einem „Etagenwechsel“. Doch was bedeutet das bei Allergikern?

 Denn wenn die roten Augen und der ständige Niesreiz zum allgegenwärtigen Dauerbrenner werden, kann der ungebetene Gast „Heuschnupfen“ ungeahnte Folgen entwickeln. Sie sollten unbedingt einen Arzt aufsuchen und die Symptome qualifiziert behandeln lassen. Ein unbehandelter Heuschnupfen kann weitere Beschwerden hervorrufen und letztlich „wechselt er irgendwann die Etage“ und verursacht Asthma.

Asthma statt Heuschnupfen

In diesem Fall fängt ihr Kind an, nach Luft zu schnappen, es rasselt beim Atmen, denn die Luftwege verkrampfen sich.  Gleichzeitig kommt es zu einem Anschwellen der Schleimhäute. Sehr zäher Schleim wird produziert. Mit asthmatischen Anfällen ist nicht zu spaßen, sie können sogar tödlich verlaufen.  Durch die Entzündung wird das Schleimhautgewebe geschädigt und die Lungenfunktion wird beeinträchtigt. Bei starken Schädigungen kann das Asthma chronisch werden. Von einem allergischen Asthma sind ungefähr 30 bis 40 Prozent der Heuschnupfengeplagten betroffen.

Erbfaktoren spielen eine Rolle

Die Anlage zum Heuschnupfen ist  schon in den Genen verankert. Haben Vater und, oder Mutter Probleme mit Allergien, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind auch eine Allergie entwickelt bei ungefähr 60 Prozent.  Zusätzlich beeinflussen Umweltfaktoren die Entstehung. Schadstoffbelastungen führen zu Allergien. Da Kinder zum gesunden Aufwachsen ein gewisses Quantum an Schmutz benötigen, sollten Sie nicht übertrieben auf Hygiene achten. Lassen Sie Ihren Nachwuchs ruhig im Matsch spielen und in der Erde wühlen. Sogar wenn Ihr Kind davon krank wird, ist das nicht zu seinem Schaden, sondern im Gegenteil: Die Krankheit stärkt seine Abwehrkräfte und damit auch die Abwehr gegen mögliche Allergien.

Neurodermitis und Asthma:

Auch Kinder, die an Neurodermitis erkrankt sind, stehen in Gefahr allergisches Asthma zu bekommen. In der Berliner Charité wurde dazu eine Langzeitstudie mit 2000 Kindern durchgeführt. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Hälfte der im Baby- oder Kleinkindalter von Neurodermitis betroffenen Kinder später allergisch bedingtes Asthma entwickelte. Daraus  schlussfolgerten die Mediziner, dass zwischen Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma ein Zusammenhang besteht. Bei einer Studie der Washington University School of Medicine stellten die Wissenschaftler fest, dass beim Etagenwechsel  bei Neurodermitis eine Signalsubstanz verantwortlich ist, die durch die Hauterkrankung ausgeschüttet wird. Sie führten dazu einen Tierversuch an Mäusen durch. Die kranke Haut der Tiere leitete das Molekül TSLP (thymic stromal lymphopoietin) ins Blut, wodurch die bronchiale Hyperreagibilität ausgelöst wurde. Eine Verhinderung der Ausschüttung von TSLP verhinderte auch den Etagenwechsel. Wenn sich der Tierversuch auch auf den Menschen übertragen lässt, gibt es möglicherweise berechtigte neue Hoffnungen für wirksame Behandlungen.

Symptome für einen Etagenwechsel rechtzeitig erkennen:

Da viele dazu neigen, Heuschnupfen als harmlose Krankheit anzusehen, die schon von selber wieder verschwindet, werden die Anzeichen für einen Etagenwechsel gar nicht wahrgenommen. Denn zunächst zeigt sich dieser nur durch eine erhöhte bronchiale Hyperreaktivität. Wenn Ihr Kind immer wieder durch einen trockenen Husten auffällt, kann das ein Symptom für eine Verlagerung des Heuschnupfens sein. Die Bronchien reagieren überempfindlich und das Kind verspürt einen trockenen Hustenreiz.

Wirksame Hilfe

Wichtig ist eine frühzeitige Therapie. Am Wirkungsvollsten ist natürlich das Vermeiden des Allergieauslösers. Doch nicht immer kann dieser Tipp befolgt werden, zumal wenn der Auslöser in Gräsern zu suchen ist, die von Mai bis August überall blühen.  Alternativ dazu empfiehlt sich eine spezifische Immuntherapie (SIT, Hypo- und Desensibilisierung) und ergänzend Medikamente. Dadurch lässt sich eine Allergie häufig erfolgreich behandeln und ein Etagenwechsel kann möglicherweise vermieden werden.

Pollen fliegen immer früher

Bestimmt haben Sie schon festgestellt, dass immer mehr Menschen von Allergien betroffen sind und es sicherlich auch in Ihrer Umgebung viele Kinder mit Heuschnupfen gibt. Das liegt unter anderem daran, dass  die Pflanzen, die an der Pollenverbreitung beteiligt sind wie Erle, Hasel und Birke immer früher blühen. Allein die Birke blüht um 30 bis 40 Tage früher als noch vor zehn Jahren. Doch auch Roggen fängt jedes Jahr einen Tag früher mit dem Austrieb an und die Haselnuss blüht zwei Tage eher. Da die Pollensaison damit eher anfängt und länger andauert, sind Allergien auf dem Vormarsch. Die Pollen-Meßstation in Basel misst jährlich die Pollenmenge in der Luft und stellte einen ständigen Anstieg in den Jahren 1969 bis 1996 fest. Damit wird deutlich, dass wir immer mehr Pollen ausgesetzt sind und dass sich damit auch das Risiko für eine Heuschnupfenallergie jährlich vergrößert.

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