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Schluckimpfung schützt Babys vor Durchfall

Schluckimpfung: Rotarix® und RotaTeq® gegen Rotaviren

Schwere Durchfälle bei Säuglingen und Kleinkindern werden häufig von Rotaviren verursacht. Inzwischen gibt es zwei Schluckimpfstoffe, die dagegen schützen. Allerdings müssen Sie die Impfung häufig selbst bezahlen, und es gibt gewisse Sicherheitsbedenken. 

Expertenrat von 

Etwa zwei Drittel aller Brechdurchfälle im Winter gehen auf das Konto von Rotaviren. Besonders betroffen sind Kinder im Alter zwischen sechs und 24 Monaten. Nach der Ansteckung setzen die Krankheitssymptome innerhalb von eineinhalb bis drei Tagen ein. Los geht es mit heftigem Erbrechen, dem dann kurz darauf schleimig-wässriger, häufig grünlicher und stinkender Durchfall folgt. Die kleinen Patienten können bis zu 20-mal pro Tag erbrechen und Durchfall haben, was sie sehr mitnimmt. In der Hälfte der Fälle fiebern sie zusätzlich. Weil sie so viel Flüssigkeit verlieren und kaum etwas bei sich behalten, besteht immer die Gefahr einer Austrocknung.

Die Durchfälle halten meist nur wenige Tage an. Doch kann die Infektion die Darmschleimhaut so stark schädigen, dass die Kinder über Wochen Verdauungsprobleme haben.

Impfung nur in den ersten Lebensmonaten

Weil ein Brechdurchfall durch Rotaviren die Kinder sehr belastet, ist die Rotaviren-Impfung prinzipiell sinnvoll, auch wenn sie nicht von der STIKO empfohlen wird. Es stehen dafür zwei Impfstoffe zur Schluckimpfung bereit: Rotarix® und RotaTeq® (weitere Informationen siehe Übersichtstabelle). Neue Erkenntnisse legen jedoch vorerst eine abwartende Haltung nahe. Zudem wird die Impfung nicht von allen Kassen übernommen. Eine Liste, welche Krankenkassen die Impfung bezahlen, finden Sie im Internet unter http://www.impfkontrolle.de/content.asp?audience=1&topic=2&vaccination=4&page=1.

Achtung
Die Schluckimpfung schützt ausschließlich vor Brechdurchfällen durch Rotaviren, nicht jedoch gegen andere Erreger! Außerdem ist der Schutz nicht 100-prozentig: Leichtere Verlaufsformen können trotzdem auftreten. 

Beide Impfstoffe sind relativ gut verträglich. Als häufigste Nebenwirkungen wurden Fieber, Durchfall und Erbrechen berichtet, wobei viele Kinder gleichzeitig die übliche Sechsfachimpfung erhalten hatten.

Die beiden Impfstoffe wurden in umfangreichen klinischen Studien an über 63.000 bzw. 68.000 Kindern geprüft. Ähnlich große Zulassungsstudien für Impfstoffe gab es bisher kaum! Grund dafür ist, dass 1998 in den USA schon einmal ein Rotavirus- Impfstoff zugelassen war, der aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen 1999 wieder zurückgezogen werden musste. Der damalige Impfstoff, der Babys bis zum ersten Geburtstag gegeben wurde, verursachte bei einem von 10.000 geimpften Babys eine Invagination.Dabei schiebt sich ein Stück des Darms in den anschließenden, tiefer liegenden Darmabschnitt hinein.

Bei Rotarix® und RotaTeq® wurde sehr intensiv geprüft, wie häufig Darm-Invaginationen auftreten. Beide Impfstoffe galten als sicher: Es zeigte sich kein erhöhtes Risiko für eine Darm-Invagination. So trat z. B. unter Rotarix® bei 12 Kindern innerhalb eines Jahres nach der ersten Impfung eine Invagination auf, während in der gleich großen Kontrollgruppe nach dem Placebo-Impfstoff 15 Kinder erkrankten.

Da von dem 1998 zugelassenen Impfstoff insbesondere Babys im zweiten Lebenshalbjahr eine Invagination bekamen, dürfen die jetzigen Impfstoffe nur im ersten Lebenshalbjahr gegeben werden. Beide Impfstoffe sind auch für Frühgeborene, die ab der 26. Schwangerschaftswoche geboren wurden, geeignet.

Verunreinigungen im Impfstoff und neue Daten zum Invaginationsrisiko

Obwohl vor der Zulassung der Rotavirus-Impfstoffe kein erhöhtes Invaginationsrisiko beobachtet werden konnte, gibt es inzwischen Hinweise darauf aus Studien und Spontanberichten. Unter Rotarix® treten etwa ein bis zwei zusätzliche Darm-Invaginationen pro 100.000 geimpfte Babys auf (bei einer allgemeinen Häufigkeit von 34 bis 72 Fällen pro 100.000 Kinder unter einem Jahr). Eine australische Studie fand ein um das 3,5-Fache erhöhtes Invaginationsrisiko unter Rotarix® und ein signifikant um den Faktor 5,3 erhöhtes Risiko unter RotaTeq®. Das höchste Risiko besteht  innerhalb der ersten Woche nach der ersten Impfdosis. In Deutschland wurden bis Dezember 2010 27 Fälle von Invagination im zeitlichen Zusammenhang mit der Rotavirus-Impfung berichtet, davon 9 Fälle unter Rotarix® und 5 Fälle unter RotaTeq® innerhalb 7 Tagen nach der ersten Dosis.

Als wäre das nicht genug, wurden 2010 in beiden Impfstoffen Verunreinigungen durch Schweineviren entdeckt. Vermutlich rühren diese von Verunreinigungen der Zellkulturen her, auf denen die Impfstoffe gezüchtet werden, weil den Kulturen ein Verdauungsenzym (Trypsin) aus der Bauchspeicheldrüse des Schweins zugesetzt wird. In beiden Impfstoffen wurde porcines Circovirus 1 (PCV-1) gefunden sowie zusätzlich in RotaTeq® porcines Circovirus 2 (PCV-2). Bei den Verunreinigungen handelt es sich um genetisches Material, aber nicht um vermehrungsfähige Viren. Zudem sind die betreffenden Viren für den Menschen harmlos und werden z. B. in Wurstwaren aus rohem Schweinefleisch (etwa Mett, Teewurst) mitverspeist, ohne dass eine Infektion auftritt. Bislang sind auch keine Komplikationen bei der Impfung durch diese Viren bekannt geworden. Unbestritten ist jedoch, dass solche Verunreinigungen in Impfstoffen nichts zu suchen haben!

Mein Tipp: 
Falls Sie schon mit der Rotavirus-Schluckimpfung begonnen haben, würde ich sie zu Ende führen, damit Ihr Kind auch wirklich von der Schutzwirkung profitiert, zumal das Invaginationsrisiko nach der zweiten und gegebenenfalls dritten Impfdosis nicht erhöht zu sein scheint. Ob Sie allerdings neu mit der Schluckimpfung beginnen wollen, sollten Sie sich gut überlegen, zumal eine Infektion mit Rotaviren bei uns keine tödliche Bedrohung darstellt. 
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