Zecken gehören zu den Spinnentieren, weltweit gibt es über 800 Arten. In Europa ist jedoch hauptsächlich der Holzbock (Ixodes ricinus) als Überträger verschiedener Erkrankungen von Bedeutung. Auch wenn allgemein immer von Zeckenbissen gesprochen wird, handelt es sich in Wirklichkeit um Zeckenstiche. Daher wird im folgenden Text der korrekte Ausdruck verwendet.
Die 6 häufigsten Irrtümer über Zecken und durch sie übertragene Erkrankungen
1. Zecken lassen sich von Bäumen fallen. Das ist falsch. Zecken lauern im hohen Gras, im Unterholz oder auch in Büschen in maximal 1 bis 1,5 Metern Höhe auf ihre Opfer.
2. Forstarbeiter und Jäger sind am meisten durch FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) gefährdet. Über 90 Prozent aller Infektionen betreffen Personen, die sich zu Freizeitaktivitäten im Wald, in Gärten oder Parkanlagen aufhalten.
3. FSME kommt – wie der Name schon sagt – nur im Frühsommer vor. Zecken sind zwar in den Monaten April bis Juli und noch einmal im September besonders aktiv, die „Zeckensaison“ dauert jedoch insgesamt von März bis Oktober an, da Zecken Temperaturen über 10 °C genügen.
4. Außerhalb bestimmter Risikogebiete besteht in Deutschland keine Gefahr durch Zeckenstiche. Auch wenn in diesen Gebieten keine Gefahr durch FSME besteht, können Zecken in ganz Deutschland die durch Borrelien ausgelöste Lyme-Borreliose hervorrufen.
5. Das rechtzeitige Entfernen der Zecke reicht aus, um eine Krankheitsübertragung zu verhindern. Die richtige Technik (siehe „Zecken richtig entfernen“) ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Aber selbst eine frühzeitige Entfernung kann die Übertragung von Krankheitserregern nicht sicher verhindern. Die FSME-Viren sitzen in den Speicheldrüsen der Zecke und werden vermutlich schon beim Stich übertragen. Borrelien hingegen sitzen im Mitteldarm und werden erst später im Laufe des Saugaktes übertragen.
6. Durch gründliches Absuchen des Körpers lassen sich Zecken gut entdecken. Das mag für erwachsene Tiere zutreffen, doch gibt es auch frühe Entwicklungsstadien im Leben einer Zecke, in denen die Tiere wesentlich kleiner sind und deshalb oft übersehen werden. Larven sind nur einen halben Millimeter groß, während die Tiere nach der ersten Häutung im so genannten Nymphenstadium etwa 1,5 Millimeter lang sind.
So beugen Sie einem Zeckenbefall vor
Die Wahrscheinlichkeit, sich eine Zecke „einzufangen“, ist besonders hoch an Waldrändern, Waldlichtungen, Wegrändern und kleinen „Trampelpfaden“, im hohen Gras sowie in Büschen. Es ist daher sinnvoll, auf etwas breiteren Waldwegen zu bleiben und keine Abstecher in das Unterholz oder ins hohe Gras zu unternehmen. Auch geeignete Bekleidung schützt niemals hundertprozentig gegen Zecken! Günstig sind lange Hosen, Strümpfe und geschlossene Schuhe. Die Hosenbeine sollten in die Strümpfe bzw. Stiefel gesteckt werden. Wählen Sie einfarbige, helle Kleidungsstücke, da hierauf wandernde Zecken, die nach einer günstigen Einstichstelle suchen, am einfachsten zu entdecken sind. Schützen Sie den Kinderwagen mit einem Mückennetz. Insektenabweisende Mittel (Repellentien) schützen unbedeckte Hautstellen gegen Zeckenbefall.Manche Produkte (z. B. mit dem Inhaltsstoff DEET) sind gerade für Kinder nicht ungefährlich. Unschädlich und bis zu sechs Stunden gegen Zecken wirksam ist z. B. die Zanzarin® Bio-Hautschutz- Lotion (Wirkstoff Kokosfettsäuren, schützt nicht gegen Mückenstiche!). Kinder über zwei Jahren sind mit Autan® Active oder Family (Wirkstoff Bayrepel) gegen Zecken und Mücken geschützt. Machen Sie bei einem Waldspaziergang alle zwei Stunden einen „Zecken-Check“. Suchen Sie den gesamten Körper nach dem Spaziergang gründlich ab. Zecken sitzen bevorzugt an gut durchbluteten, warmen und feuchten Hautstellen. Suchen Sie besonders in den Leistenbeugen, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken, im Genitalbereich sowie am Gesäß. Bei Kindern sitzen Zecken häufig am Haaransatz, sodass auch Kopf und Nacken abgesucht werden sollten.
Zecken richtig entfernen
Entfernen Sie jede entdeckte Zecke sofort, das reduziert insbesondere das Risiko einer Lyme-Borreliose, senkt aber auch die Gefahr einer FSME-Infektion. Die Entfernung gelingt am einfachsten mit einer speziellen Zeckenzange (erhältlich z. B. in Apotheken), es geht aber auch mit einer gut schließenden Pinzette. Fassen Sie die Zecke direkt über der Haut, ohne den Körper der Zecke zu quetschen (Gefahr der vermehrten Abgabe von Erregern!). Halten Sie die Zecke dann für etwa 60 Sekunden unter leichtem Zug (dabei aber nicht abreißen!). Das führt dazu, dass die Zecke meist von selbst loslässt und komplett entfernt werden kann. Das immer wieder empfohlene Herausdrehen (die Richtung ist dabei übrigens gleichgültig) ist weniger effektiv. Versuchen Sie keinesfalls, die Zecke mit Öl, Klebstoff oder Ähnlichem zu „ersticken“. Das schadet mehr, als es nützt. Es führt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass die Zecke im „Todeskampf“ erst recht Erreger in die Wunde abgibt.
Mein Tipp bei Zecken: Falls Sie ein Kältespray gegen Verletzungen in Ihrer Erste-Hilfe-Ausrüstung haben, können Sie die Zecke vor dem Herausziehen damit einsprühen und so betäuben. Desinfizieren Sie nach dem Entfernen Hände und Stichwunde mit 70-prozentigem Alkohol oder einem handelsüblichen Desinfektionsmittel (z. B. Polysept® Lösung). Ggf. in der Haut verbliebene Mundwerkzeuge werden meist innerhalb weniger Tage problemlos „abgestoßen“. Trauen Sie sich die Entfernung der Zecke nicht zu oder ist ein Teil der Zecke in der Haut verblieben und hat sich entzündet, suchen Sie bitte einen Arzt auf.








