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Sexuelle Aufklärung
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10 Tipps für die sexuelle Aufklärung Ihres Kindes

Mit dem eigenen Kind über Sexualität sprechen

Sicher ist es nicht einfach, Ihr Kind – egal ob Junge oder Mädchen – in den stürmischen Zeiten der ersten großen Liebe und des ersten Liebeskummers richtig zu unterstützen. Über Sexualität zu sprechen, fällt oft schwer. Mit den folgenden 10 Tipps gelingt der Austausch mit Ihrem Kind. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Wie Sie sich richtig verhalten

Da das Thema "Sexualität" in der Pubertät mit Schamgefühlen beim Kind verbunden ist, wird es gar nicht empfänglich sein, für Ihre gut gemeinten Zuwendungen. Am besten gehen Sie bei diesem schwierigen Thema so vor: Nehmen Sie (fast) nichts persönlich, rechnen Sie mit Rückschlägen und beherzigen Sie die folgenden Tipps.

Tipp 1: Versuchen Sie, sich in Ihr Kind hineinzuversetzen, und übernehmen Sie Verantwortung!

Versuchen Sie, die starken Gefühle aus der Perspektive Ihres Kindes zu begreifen. Verständnis bedeutet allerdings nicht, dass Sie auf Ihre elterliche Erziehungsverantwortung verzichten. Vielmehr ist nun Ihre Verantwortung gefragt: Schützen Sie Ihr Kind vor „kopflosen“ Handlungen. Klären Sie Ihr Kind auf, setzen Sie Ihm Grenzen dort, wo die Grenzen es schützen.

Tipp 2: Begeben Sie sich auf biographische Spurensuche!

Es kann sinnvoll sein, wenn Sie sich selbst einmal zurückerinnern und -erfühlen, wann Sie „große erste Glücksgefühle“ erlebt und Kummer durchlitten haben. Dabei geht es nicht um ein So-war-es-immer-schon, wichtiger ist die Perspektive: Was hat mir einst geholfen? Oder: Was war damals kontraproduktiv? An das, was einst unterstützend war, können Sie vielleicht als Vater oder Mutter anknüpfen – ganz nach dem Motto: Tue mehr da - von, was funktioniert (hat). Und umgekehrt: Wiederhole nicht die Fehler von einst.

Tipp 3: Hören Sie Ihrem Kind zu!

Oft können Sie als Vater oder Mutter in diesen turbulenten Zeiten nur zuhören. Etwas anderes wünscht oder erwartet Ihr Kind meist gar nicht von Ihnen. Bieten Sie Ihrem Kind einfach ein offenes Ohr und zwanglose Gespräche an. Wenn es Sie um Rat fragt, etwas wissen will, dann können Sie Ihm auch einen Rat erteilen. Sonst ist aktives Zuhören das Gebot der Stunde – und gerade nicht ungebetene oder noch so gut gemeinte Ratschläge.

Tipp 4: Reagieren Sie nicht beleidigt!

Nicht selten sind Gleichaltrige oder ältere Geschwister für Ihr Kind die „passenderen“ Ansprechpartner bei Liebeskummer. Diese Wahl richtet sich nicht gegen Sie, sondern Ihr Kind fühlt sich von anderen Heranwachsenden in dieser Zeit eher verstanden, und es fällt ihm vielleicht leichter, sich zu öffnen. Deshalb: Seien Sie nicht beleidigt, wenn Ihr Kind sein Herz nicht Ihnen, sondern der besten Freundin ausschüttet. Üben Sie auch keinen Druck in dieser Hinsicht aus. Seien Sie einfach da und empfangsbereit, wenn Ihr Kind Sie braucht. Zu einem anderen Zeitpunkt oder bei einem anderen Thema sind dann auch wieder Sie der bevorzugte Gesprächspartner.

Tipp 5: Zeigen Sie Mitgefühl, aber leiden Sie nicht mit Ihrem Kind!

Mitleid hilft Ihrem Kind bei Liebeskummer nicht. Marcel, der Junge aus dem Fallbeispiel, sagt deutlich, dass er das Mitleid seiner Mutter am „wenigsten gebraucht“ habe. Wenn Sie mit Ihrem liebeskranken Kind mitleiden, dann schwächen Sie es noch weiter, ziehen es emotional noch weiter runter. Zeigen Sie stattdessen Mitgefühl, das Ihrem Kind sagt: „Du kannst jederzeit zu mir/zu uns kommen.“ Ehrliches Mitgefühl zeigt Ihrem Kind, dass Sie seine Gefühle verstehen und akzeptieren, dass Sie ihm den Halt geben, der ihm gerade verloren gegangen ist.

Tipp 6: Bagatellisieren Sie nicht!

Mit Bagatellisierungen wie: „Das vergeht doch!“, „Ist doch nicht so schlimm!“ oder „Davon geht die Welt nicht unter!“ nehmen Sie Ihr Kind nicht ernst. Halten Sie sich auch mit klugen Weisheiten zurück wie zum Beispiel: „Du wirst dich noch oft verlieben“ oder „Irgendwann kommt schon noch der Richtige“. Sicher versucht man durch solche Bemerkungen, das übergroße Problem Liebeskummer so ein wenig kleiner und harmloser zu machen, aber in der Regel funktioniert das nicht. Ihr Kind wird nur wütend oder ist von Ihnen enttäuscht. Akzeptieren Sie einfach, dass Ihr Kind trauert bzw. leidet und dafür auch Zeit benötigt. Zu Ihrer Beruhigung: Fast immer ist auch der Liebeskummer „nur“ eine Phase, die irgendwann vorübergeht.

Tipp 7: Erzählen Sie von Ihren eigenen Erfahrungen!

Statt trösten oder vertrösten erzählen Sie besser einfach einmal von sich selbst, von Ihrer ersten Liebe, von der ersten Enttäuschung. Erfinden Sie dabei nicht irgendwelche tollen Geschichten, sondern bleiben Sie ganz schnörkellos bei der Wahrheit. Ihr Sohn oder Ihre Tochter hören Ihnen mit Sicherheit interessiert zu.

Tipp 8: Setzen Sie dem Liebeskummer und Ihrem Kind Grenzen!

Auch wenn Liebeskummer schlimm ist und Sie Ihrem Kind in dieser Zeit so manches nachsehen sollten, so ist er doch kein Freibrief für völlig unkontrolliertes Verhalten. Legen Sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage, verletzende verbale Entgleisungen müssen Sie jedoch nicht hinnehmen. Sagen Sie Ihrem Kind das deutlich. Auch wenn andere Bereiche des alltäglichen Lebens, vor allem die Schule, zu sehr unter dem Liebeskummer leiden, müssen Sie ernsthaft mit Ihrem Kind reden. Eine schlechte Note wegen Liebeskummer kann mal passieren, viele schlechte Noten, ungemachte Hausaufgaben und mangelnde Mitarbeit im Unterricht dürfen hingegen nicht sein.

Tipp 9: Schaffen Sie Normalität!

Sorgen Sie für Ablenkung, indem Sie Ihr Kind anhalten, seine schulischen und häuslichen Pflichten ernst zu nehmen. Regelmäßiges Lernen für die Schule lenkt ab, und wenn die Noten stimmen, hebt das ganz allgemein die Stimmung. Ob Mithilfe beim Kochen oder im Garten: Wird Ihr Kind an seine gewöhnlichen Pflichten erinnert, versinkt es nicht haltlos in Selbstmitleid, und es kehrt schneller wieder Normalität ein. Drängen oder zwingen Sie Ihr Kind nicht, Sie können ihm jedoch auch Angebote für gemeinsame Aktivitäten machen. Ein Wochenende paddeln oder klettern – und schon sieht das Leben viel bunter aus.

Tipp 10: Bleiben Sie gelassen, aber aufmerksam!

Ihre elterliche Gelassenheit kann in Zeiten schwieriger Gefühlslagen für Ihr Kind wie ein Kompass wirken. Nehmen Sie Ihr Kind ernst, zeigen Sie Mitgefühl, aber versetzen Sie nicht Ihre gesamte Familie in einen Ausnahmezustand. Je unaufgeregter Sie diese „Phase“ Ihres Kindes durchstehen, umso besser kann sich auch Ihr Kind davon erholen. Bleiben Sie jedoch wachsam, denn Liebeskummer in der Pubertät bedeutet auch, dass Ihr Kind heftige Gefühle bewältigen muss in einer Zeit, in der es sich emotional sowieso in einem Ausnahmezustand befindet. Dauert der Liebeskummer zu lange an, wirkt Ihr Kind depressiv, aggressiv oder zieht es sich völlig zurück, isst es längere Zeit zu wenig oder gar nichts mehr oder macht es übertrieben viel Sport, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen.

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