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Die Formulierungen des Lehrers besser verstehen
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Zeugnisformulierungen besser verstehen

Den Code der Formulierungen durchschauen

Bestimmt überlegen Sie bei der einen oder anderen Zeugnisformulierung auf dem Schulzeugnis Ihres Grundschulkindes, was sie bedeutet. Der folgende Artikel soll Ihnen helfen, sich im Wirrwarr der Formulierungen besser zurechtzufinden, um das Schulzeugnis und den Zeugnisbericht Ihres Kindes richtig zu verstehen. 

Expertenrat von 
Annette Holl, Grundschullehrerin

Zeugnisformulierungen: Was wollen die Eltern?

Einer Untersuchung des Bayerischen Elternverbandes zufolge wünschen Grundschuleltern sich Zeugnisse, die den Leistungsstand der Kinder, ihre Sozialkompetenz und ihr Arbeitsverhalten in verständlichen Zeugnisformulierungen beschreiben. Sie freuen sich außerdem über konkrete Tipps, wie sie ihrem Kind zu Hause helfen können. Allerdings entsprechen viele Zeugnisse mit ihren schwer verständlichen Formulierungen nicht diesen Erwartungen. Damit Sie in Zukunft nicht mehr rätseln müssen, was eigentlich als Benotung gemeint ist, erhalten Sie wertvolle Übersetzungshilfen für die Zeugnissformulierungen bei Ihrem Kind.

Schulzeugnis schreiben: Wie machen Lehrer das?

Als Grundschullehrerin verbringe ich in den letzten Schulwochen pro Schüler mehrere Stunden damit, einen zutreffenden persönlichen Zeugnisbericht zu schreiben, der exakte Aussagen über die Leistung des Kindes macht. Hier nehme ich meine Schülerbeobachtungen zu Hilfe. Das sind zum einen Gelegenheitsbeobachtungen, die ich regelmäßig nach oder während des Unterrichts aufschreibe. Zum anderen sind es geplante Beobachtungen. Hierzu verwende ich Beobachtungsraster, in denen gezielt einzelne Kompetenzen überprüft werden. Außerdem lese ich die Protokolle von Elterngesprächen und Elternsprechtagen durch.

Diese enthalten wichtige Informationen über Stärken oder Schwächen der Kinder, die ich während des Schuljahres mit deren Eltern besprochen habe. Nicht zu vergessen sind natürlich sämtliche Arbeitsproben der Kinder, ihre Tests, abgelieferte Wochenpläne, erstellte Referate, freiwillig gemachte Zusatzaufgaben, aber auch die Schulhefte und Ordner. Aus diesen gesammelten Beobachtungen wird nun ein zusammenhängender Text für das Schulzeugnis. Dieser wird an vielen Schulen mit Hilfe eines Zeugnisprogramms erstellt. Darin finden Lehrer Formulierungshilfen zu den jeweiligen Lernbereichen in den einzelnen Klassenstufen ausgehend vom gültigen Lehrplan.

An meiner Schule arbeiten wir für das Schulzeugnis mit dem Programm „1PLUS“ vom Süddeutschen Pädagogischen Verlag. Außerdem stellt zum Beispiel das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München Bausteine für Zeugnisformulierungen zur Verfügung. In Niedersachsen gibt es sogar fest vorgeschriebene Zeugnisformulierungen für den Zeugnisbericht. Viele Kollegien setzen für ihre Schulen geltende Standards für Stil (z. B. Du- oder Er-Form), Länge und Inhalt der Zeugnisse in der Grundschule fest. An einigen Schulen gibt es sogar Listen mit gängigen Zeugnisformulierungen, damit die Zeugnisse unabhängig vom jeweiligen Lehrer vergleichbarer werden. Aber natürlich steckt trotz alledem in jedem Zeugnis auch der persönliche Schreibstil des jeweiligen Lehrers. 

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Kommentare zu "Zeugnisformulierungen besser verstehen"

  • buelent schreibt am 30.07.2016

    Ich finde es gut wenn Lehrerin und Lehrer bei der Formulierung fair und ehrlich den Schülerinnen und Schüler beurteilen. Leider habe ich als Vorsitzender einer türkischen Gemeinde sehr oft die Meinung dass wenige sich nicht daran halten.
  • Alexander schreibt am 23.02.2016

    Die Zeugnisformulierungen sind überflüßig meine meinung nach. Die sind lediglich dazu da um es zu missbrauchen. Das heist, die Kinder werden damit diskriminirt. Vor allem die, die in der Klasse unerwünscht sind. Ob es rassistischen, ausländerfeindlichen, oder einfach aussehen des Kindes hintergrund hat. Meine Meinung nach, soll es komplet abgeschaft werden. Den, um zu wiesen wie es um meinem Kind in der Schule steht, brauche ich keine Formulierungen im Zuegnis. Da für gibt es "Elternsprächtage" !!!
  • petra schreibt am 30.01.2015

    neue Lerninhalte erfasst der schüler und kann sie nach einiger Übung sicher anwenden.
    Arbeitsanweisungen werden zielgerecht umgesetzt. Dabei benötigt er nur noch sehr selten die Vergewisserung durch die Lehrkraft.

    Wie soll man das deuten?
  • Marlies schreibt am 07.08.2014

    Als "Omi " finde ich den Gebrauch von Formulierungen, die "den Kindern nicht schaden" nicht unbedingt hilfreich auf dem Zeugnis, den Kindern bestimmte Ziele vor Augen zu halten. Wenn alle mit den Formulierungen einverstanden sind, glaubt das junge Menschlein, auch seinen Anforderungen gerecht geworden zu sein - hilft es ihm damit, später im Leben wirklich zurecht zu kommen? Wird es damit den "Besonderheiten" des Lebens gewachsen sein? Tatsächlich wird es dann überaus gefordert sein und versteht womöglich dann die Welt nicht mehr, wenn kein Arbeitgeber mit den Gegebenheiten mehr zufrieden sein wird...
  • Anonym schreibt am 12.08.2008

    Der Ansatz des Artikels geht m.E. in die falsche Richtung. Richtig wäre die Forderung nach klaren und eineindeutigen Zeugnissformulierungen.

    Man sollte von Eltern unbedingt eine gewisses Maß an \"Zeugnisformulierungen\", die in der - Arbeitswelt - gebträuchlich sind, erwarten. Alleine schon, weil Eltern in der Lage sein sollten, so etwas an ihre Kinder weitergeben zu können.

    Aber die liebe Lehrerschaft wird von uns nicht dafür (sehr gut) bezahlt, dass sie Zeit damit verbringen, sich kryptische Formulierungen auszudenken.

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