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Fahrradanhänger Baby
© Andrey Bandurenko - Fotolia.com

Fahrradkindersitz oder Anhänger: Das brauchen Sie für Ihr Baby!

Kindersitz und Anhänger für die Fahrradtor

Jetzt zieht es uns wieder hinaus ins Grüne, und am umweltfreundlichsten kommt man mit dem Fahrrad dorthin. Doch ab wann können Sie Ihr Baby mitnehmen, und in welchem Kindersitz oder Fahrradanhänger sitzt Ihr Baby am sichersten? 

Expertenrat von 

Schon für Babys und kleine Kinder ist Bewegung an der frischen Luft sehr wichtig. Aus diesem Grund entscheiden sich viele für eine kleine Fahrradtour. Bevor Sie jedoch das erste Mal mit Ihrem Baby zu einer Fahrradtour aufbrechen können, steht eine entscheidende Frage an: Wo und wie soll Ihr Kleines mitfahren? Lieber auf dem Kinderfahrradsitz oder im Fahrradanhänger? Eine Entscheidungshilfe gibt Ihnen unsere Übersicht.

Fahrradkindersitze für die Montage hinter dem Sattel lassen sich länger nutzen

Bei den Fahrradkindersitzen gibt es drei verschiedene Möglichkeiten für die Montage:

  • vorne entgegen der Fahrtrichtung (vor dem Lenker): für Kinder bis maximal 15 kg (entspricht einem Alter des Kindes von drei bis vier Jahren). Achtung: Das Fahrverhalten des Rades kann sich dadurch verschlechtern! Außerdem muss der Fahrer immer über das Kind hinwegschauen, um im Straßenverkehr nichts zu verpassen;
  • vorne in Fahrtrichtung (zwischen Lenker und Fahrer): für Kinder bis maximal 15 kg. Achtung: Hier müssen Mama oder Papa meist sehr breitbeinig radeln, was auf Dauer unbequem ist;
  • hinten in Fahrtrichtung (hinter dem Fahrer): je nach Modell für 22 bis 25 kg schwere Kinder. Vorteile: Kind sitzt sicherer, ist vor Wind und Regen etwas geschützt, der Fahrer hat mehr Bewegungsfreiheit.

Experten sind sich einig, dass ein Kindersitz, der hinter dem Sattel montiert wird, die sicherste Variante ist. Hier ist Ihr Baby bei einem Unfall weniger verletzungsgefährdet als in einem vorne montierten Sitz. Sitzt Ihr Kind vorne, hat es dafür eine interessantere Aussicht, Sie können sich besser mit ihm unterhalten oder haben sogar Blickkontakt (bei Montage vor dem Lenker). Sitzt Ihr Kind hingegen hinter Ihnen, ist eine Unterhaltung gerade im Straßenverkehr nur laut schreiend möglich (dasselbe Problem – nur noch ausgeprägter – haben Sie aber auch mit einem Fahrradanhänger!) und Ihr Kind hat nur Ihren Rücken im Blick.

Themenwoche: Sichtbar im Straßenverkehr!

Die Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ wurde 2008 vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ins Leben gerufen wurde, startet zum Beginn der dunklen Jahreszeit führt ein Aktionsbündnis in Kooperation mit dem Deutschen Familienverband (DFV) für mehr Sichtbarkeit im Straßenverkehr. 

Passend dazu begleitet Euch Elternwissen vom 13.10. - 22.10.2014 mit hilfreichen Tipps, rund um das Thema Sichtbarkeit im Straßenverkehr auf unserer Facebook-Seite. Dort habt Ihr die Chance eins von drei Sichtbarkeitspaketen von „Runter vom Gas“ zu gewinnen. Mitmachen lohnt sich!

So erkennen Sie einen guten Fahrradkindersitz

Wichtig ist zunächst einmal, dass der Fahrradsitz der Größe und dem Gewicht Ihres Kindes entspricht. Für die Sicherheit Ihres Kindes muss er aber darüber hinaus einige Voraussetzungen erfüllen: Die Sitzfläche sollte im Schrittbereich einen Höcker aufweisen, der in Verbindung mit einem Dreipunkt- oder Hosenträgergurt gewährleistet, dass Ihr Baby bei scharfem Bremsen oder gar einem Aufprall im Sitz gehalten wird. Die Füße Ihres Kindes dürfen nicht in die Speichen geraten. Deshalb müssen Fußstützen und -riemen vorhanden sein, die das verhindern. Der Sitz sollte zudem getestet sein und die Norm DIN EN 14344 erfüllen (großflächiger Speichenschutz).

Achten Sie darauf, dass sich sowohl die Fußriemen als auch der Sicherheitsgurt leicht mit einer Hand öffnen und schließen lassen! Ihr Kind sollte bequem sitzen. Deshalb muss die Sitzschale anatomisch richtig geformt und ausreichend stabil sein. Gurte und Fußstützen sollten sich an die Größe Ihres Kindes anpassen lassen. Dann lässt sich der Sitz länger nutzen. Damit Ihr Kind sich bei einer Sitzposition hinter Ihnen nicht die Finger in den Sattelfedern einklemmt, müssen diese durch eine Abdeckung gesichert sein. Der Haltebügel, der die Sitzschale trägt, muss in der Sitzhalterung gesichert sein, sodass er auf holprigen Straßen nicht herausspringen kann.

Mein Tipp: Kindersitze mit verstellbarer Rückenlehne für Ihr Baby!
Da die Kleinen bei längeren Fahrten gerne auf dem Rad einschlafen, ist ein Fahrradsitz mit verstellbarer Rückenlehne am bequemsten für Ihr Baby. Sie können den Kopf Ihres Babys zusätzlich durch ein Nackenhörnchen (im Fahrrad- oder Autoteilezubehörhandel erhältlich) stabilisieren, damit er nicht wegkippen kann.

Fahrradsitz-Testsieger bei Stiftung Warentest, die im April 2007 15 Kinderfahrradsitze getestet hat, waren die Modelle

  • Römer Jockey Relax mit Note 2,2 (Preis 99 €) und
  • Römer Jockey Comfort mit Note 2,3 (Preis 109 €)

Beide Sitze werden hinter dem Fahrer am Sattelrohr montiert und lassen sich durch Verstellen der Lehne in Schlafposition bringen.

Mein Tipp: Probesitzen im Fahrradkindersitz!
Nehmen Sie zum Kauf eines Fahrradsitzes in jedem Fall Ihr Baby und Ihr Fahrrad mit! Nicht in jedem Modell wird Ihr Kind gut sitzen, und nicht jeder Sitz passt auch an Ihr Fahrrad.

Aufgerüttelt: Fahrten im Fahrradanhänger sind eine hohe Belastung für den Rücken von Kindern

Eine Studie an der Universität Wuppertal untersuchte, welchen Belastungen Kleinkinder beim Transport in einem handelsüblichen, ungefederten Fahrradanhänger ausgesetzt sind. Es zeigte sich, dass die vertikalen Beschleunigungswerte je nach Bodenbeschaffenheit und Fahrgeschwindigkeit zum Teil bedenklich hoch sind. Es wurden Werte von bis zu 10 g gemessen – dem Zehnfachen der Erdbeschleunigung! Diese Belastungen entsprechen dem Mehrfachen des Körpergewichts und werden an den Körper des Kindes weitergegeben. Je höher das Tempo, desto höher waren die Werte. Den größten Einfluss hatte die Bodenbeschaffenheit: Selbst kleinste Unebenheiten auf einer Pflasterstraße schlugen sich in hohen Vertikalbeschleunigungen nieder. Besonders fatal: Die Kleinen im Wagen sehen die Hindernisse nicht kommen, sodass die Stöße sie völlig unvorbereitet treffen. Außerdem wirkt sich auch die unvorteilhafte Sitzhaltung im Anhänger negativ aus. Denn in dieser Position sind die Wirbelsäulenkrümmung und damit die natürlichen Dämpfungseigenschaften zum Teil aufgehoben. Ob die Rütteltour im Fahrradanhänger tatsächlich zu Rückenschäden führt, wissen die Forscher jedoch noch nicht. Vorbeugend sollten Sie in jedem Fall: Ihr Babynicht zu früh in den Anhänger setzen (lieber erst im Alter von zwölf Monaten), sehr vorsichtig fahren, möglichst einen gefederten Fahrradanhänger benutzen, holprige Strecken vermeiden (Waldwege, Kopfsteinpflaster) – geteerte Radwege sind für den Kinderrücken besser, an Bordsteinkanten oder Bodenschwellen absteigen und das Gespann behutsam über das Hindernis schieben.

Fahrradkindersitz oder Anhänger: Pro und Contra

Fahrradkindersitz PRO

  • ab 9 bis 10 Monaten geeignet, sobald das Baby selbst sitzen kann
  • wenig Platzbedarf, leicht zu verstauen oder mitzunehmen
  • einfache Handhabung
  • wenig zusätzliches Gewicht
  • gut geeignet für Kurzstrecken und Stadtverkehr
  • wendig auch auf engen Wegen

Fahrradkindersitz CONTRA

  • meist nur bis zu einem Höchstgewicht von maximal 22 kg (abhängig vom Modell) geeignet, also für Kinder bis etwa 5 Jahren
  • ungünstig für die Fahreigenschaften des Fahrrads
  • hohe Verletzungsgefahr fürs Kind beim Sturz
  • kein Wetterschutz

Fahrradanhänger PRO

  • ab 10 bis 12 Monaten geeignet, Baby muss stabil sitzen können
  • Mitnahme von zwei Kindern möglich
  • Stauraum für Gepäck
  • ideal für längere Fahrten (Ausflüge)
  • Kinder können entspannt sitzen und haben mehr Platz
  • länger nutzbar als ein Kindersitz (bis zum Alter von 7 Jahren)
  • Schutz vor Wind und Wetter sowie vor Insekten
  • hohe Sicherheit, da der Anhänger beim Auf- und Absteigen nicht kippen kann
  • geringes Verletzungsrisiko, da der Rahmen bei Unfällen den Aufprall dämpft

Fahrradanhänger CONTRA

  • hoher bis sehr hoher Preis, gute Modelle kosten meist ab 500 €
  • hoher Platzbedarf (wo soll der Anhänger aufbewahrt werden?)
  • weniger wendig
  • ungefederte Modelle können durch Stöße dieWirbelsäule des
  • Kindes belasten
  • zusätzliches Gewicht, das beim Treten Mehrarbeit erfordert (Anhänger mit Bodenwanne wiegen zwischen 12 und 15 kg, Kindersitze nur 3,5 bis 5,5 kg)
  • Kind befindet sich genau in Auspuffhöhe (ungünstig bei Stadtfahrten)

Niemals „oben ohne“: Ihr Kind braucht immer einen Fahrradhelm!

Das oberste Gebot ist und bleibt die Sicherheit des Kindes: Auch im Anhäger oder Kindersitz muss der Kopf Ihres Kindes deshalb durch einen gut passenden und richtig eingestellten Helm geschützt werden. Den Helm bitte nie „auf Zuwachs“ und nur nach Anprobe kaufen (Kind zum Kauf mitnehmen!), damit er auch wirklich richtig passt! Damit Ihr Kind zuverlässig geschützt ist, sollten Sie keinen Helm kaufen, der älter ist als ein Jahr. Grund: Das Helmmaterial altert allmählich und dämpft weniger gut. Achten Sie auf das Produktionsdatum innen im Helm. Nach einem Unfall oder ernsthaften Sturz sollten Sie den Helm durch einen neuen ersetzen, auch wenn Sie keine Schäden sehen. Der Fahrradhelm muss so angepasst werden, dass er Stirn, Hinterkopf und Schläfen schützt. Der Helm sitzt richtig, wenn er beim Kopfschütteln nicht wackelt, und wenn Ihr Kind den Mund öffnet, muss es den Helm mit herunterziehen.

Warnung!
Ein Fahrradhelm schützt Ihr Kind beim Radfahren, kann aber beim Spielen zur tödlichen Falle werden. Es sind Fälle bekannt geworden, in denen Kinder an Klettergerüsten hängen geblieben sind und sich tödliche Verletzungen zugezogen haben. Ihr Kind sollte den Helm also nur zum Radfahren tragen! 
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