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Antibiotikum

Wann sind Antibiotika bei Kindern wirklich nötig?

Antibiotika für Kinder

Eltern sind selten begeistert, wenn ihr Kind ein Antibiotika benötigt. Sie befürchten Nebenwirkungen, ungünstige Einflüsse auf Darmflora und Immunsystem, und zudem haben sie von der zunehmenden Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika gehört. Unsere Übersichtstabelle bringt Klarheit, wann und warum ein Antibiotikum bei Kindern erforderlich ist. 

Expertenrat von 

Antibiotika sind eigentlich ein Segen, da sie bakterielle Infektionen, die früher nicht selten zum Tode führten, behandelbar machen. Die meisten Mediziner gehen sehr verantwortungsvoll mit der Verschreibung um. Ärzte, die wenig Erfahrung mit Kindern haben, und Notärzte geben aus Sicherheitsgründen allerdings eher ein Antibiotikum.

Pro und contra Antibiotika bei Kindern

Heilen Erkrankungen nicht auch ohne Antibiotikum, und ist das nicht besser für das Immunsystem? Leider sind bei unbehandelten Infektionen Komplikationen nicht selten (siehe Tabelle). Das Immunsystem wird – entgegen einer verbreiteten Irrmeinung – nicht dauerhaft geschwächt, Ihr Kind wird deshalb nicht infektanfälliger.Auch jede Infektion schwächt den Körper Ihres Kindes! Eine aktuelle Studie liefert allerdings Hinweise, dass Antibiotika in den ersten Lebensmonaten zu einem erhöhten Allergie- und Asthmarisiko führen können (siehe Seite 12).

Mein Tipp:
 Haben Sie schwere Bedenken gegen den Einsatz eines Antibiotikums bei Ihrem Kind, sollten Sie Ihren Arzt bitten, es für zunächst 12 bis 24 Stunden ohne Antibiotikum zu versuchen. Dann muss eine Kontrolluntersuchung beim Arzt zeigen, ob es ohne Antibiotikum geht oder ob dieses aufgrund der Schwere der Erkrankung unumgänglich ist. Diese Strategie hat sich bei Mittelohrentzündungen bereits bewährt. Bei dieser Erkrankung lässt sich die Krankheitsdauer mit Antibiotikum meist nur um einen Tag verkürzen. Schwere Verläufe oder Komplikationen sind trotz Antibiotikum nicht mit 100-prozentiger Sicherheit zu verhindern

Leider beeinträchtigen Antibiotika zumindest vorübergehend die Darmflora und führen bei einem Teil der Behandelten zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall, seltener zu Erbrechen. Hier kann die Gabe probiotischer Produkte wie z. B. Joghurts helfen (siehe Heft 11/03, Seite 8), die aber nie mit dem Antibiotikum, sondern erst mindestens eine Stunde später gegeben werden sollten. Der gehäufte unkritische Einsatz von Antibiotika führt zur Entwicklung widerstandsfähiger (= resistenter) Bakterien. Dies ist besonders bei Infektionen, die im Krankenhaus erworben wurden, ein Problem. Die Resistenzsituation in Deutsch-land ist dank der verantwortungsvollen Anwendung bei den üblichen Infekten noch recht günstig. So sind bei uns nur ein Prozent der Pneumokokken (Erreger von Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Hirnhautentzündung) antibiotikaresistent, während es in Spanien bereits 30 Prozent sind!

Wichtig bei Antibiotika: Bei Erkrankungen im Säuglingsalter sollten Sie mit Ihrem Kind immer zum Arzt gehen. Auch bei ungefährlich erscheinenden Krankheitszeichen kann eine schwere Erkrankung vorliegen und ein Antibiotikum nötig sein! So ist z. B. ein Baby in den ersten Lebensmonaten, das mehr als eine Mahlzeit auslässt,mit großer Wahrscheinlichkeit krank.

Antibiotika bei Kindern richtig anwenden

Viele Antibiotika werden als Trockensäfte hergestellt und müssen vor Gebrauch mit Wasser angemischt werden. Bitte halten Sie sich genau an die Packungsbeilage, damit durch die richtige Dosierung der Behandlungserfolg gewährleistet ist und eine Überdosierung vermieden wird. Bewahren Sie das fertig angemischte Antibiotikum im Kühlschrank auf, sofern laut Packungsbeilage nicht ausdrücklich die Lagerung bei Zimmertemperatur erlaubt ist. Hat Ihr Arzt keine andere Dosierung empfohlen, dosieren Sie laut Packungsbeilage entsprechend dem Gewicht Ihres Kindes. Dies ist genauer als die Dosierung nach dem Alter, wobei in der Regel die Angaben jedoch übereinstimmen. Beachten Sie auch, ob das Antibiotikum vor (bedeutet 30 Minuten vorher!), zum oder nach dem Essen eingenommen werden muss. Geben Sie das Antibiotikum nie mit einem normalen Teelöffel, denn Haushaltslöffel sind nicht genormt. Verwenden Sie ausschließlich den Messlöffel aus der Packung.Am einfachsten und genauesten ist die Gabe mit einer Pipette oder einer Spritze (natürlich ohne Nadel!) direkt in den Mund. Diese liegen teilweise dem Antibiotikum bereits bei, jedoch können Sie eine Spritze passender Größe auch von Ihrem Kinderarzt erhalten. Fragen Sie Ihren Arzt danach! Antibiotikum bitte nicht unters Essen oder in die Milch geben. Lässt Ihr Kind etwas übrig, stimmt die Dosierung nicht mehr! Hat Ihr Kind den Messlöffel mit dem Antibiotikum nicht vollständig geleert und weigert es sich, den Rest abzulecken, können Sie diesen in etwas gesüßtem Tee oder Saft (niemals mit Grapefruitsaft!) auflösen und als Getränk anbieten. Spuckt Ihr Kind einen Großteil des Antibiotikums wieder aus oder erbricht es innerhalb der ersten Stunde nach der Einnahme, muss die Gabe wiederholt werden. Treten Ausspucken oder Erbrechen häufiger als zweimal auf, wenden Sie sich bitte an den Kinderarzt. Muss Ihr Kind mehrere Medikamente einnehmen, fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker, ob Sie bestimmte Zeitabstände zwischen den verschiedenen Arzneimitteln ein-halten müssen. Antibiotika (z. B. das bei Kindern gängige Erythromycin) und Mittel gegen Allergien, aber auch Theophyllin zur Asthmabehandlung werden von der Leber abgebaut, und bei gleichzeitiger Gabe kann es zu Überdosierungserscheinungen kommen. Auch Grapefruitsaft hemmt die abbauenden Leberenzyme und darf während der Behandlungsdauer nicht getrunken werden!Halten Sie die vorgeschriebene Behandlungsdauer von fünf bis sieben, bei Streptokokkeninfekten wie Mandelentzündung (Scharlach) sogar zehn Tagen ein, selbst wenn es Ihrem Kind schon nach wenigen Tagen besser geht. Eine zu geringe Dosierung und/oder zu kurze Behandlungsdauer führen zu Therapieversagen und fördern das Wachstum resistenter Bakterien.

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