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trauriger Schuljunge sitzt im Flur
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Ausgrenzung innerhalb der Klasse: Wie verhalte ich mich und wie helfe ich meinem Kind dauerhaft?

Starke Eltern – starkes Kind

Leider kommt es nicht so selten vor, dass auf dem Schulhof geschubst wird oder ein Kind nicht mitspielen darf. In einem gewissen Rahmen ist das normal. Bleibt einer in den Pausen allerdings ständig allein, führt das bei ihm oder ihr zu Frust, Niedergeschlagenheit und Selbstzweifeln. In vielen Fällen bleibt auch die Lust am Lernen auf der Strecke. Meine Tipps zeigen Ihnen, wie Sie Ihrem Kind einen Weg (zurück) in die Gruppe bahnen können. 

Expertenrat von 
Annette Holl, Grundschullehrerin

Bloß nicht oder auf jeden Fall?! Geht es um Streitereien unter Kindern, teilt sich die Elternschaft in zwei Lager: Die einen meinen, dass Kinder das unter sich ausmachen sollen, die anderen greifen sofort zum Telefonhörer und knöpfen sich die entsprechenden Kinder oder deren Eltern vor. Meiner Erfahrung nach ist es dringend nötig, dass Sie wachsam sind, wenn Ihr Kind von häufigen Hänseleien oder Ausgrenzungen erzählt. Mischen Sie sich aber zunächst nicht ein! Es ist auch nicht Ihre Aufgabe, für Ihr Kind Treffen mit Klassenkameraden zu vereinbaren oder gemeinsame Ausflüge mit anderen Familien zu planen. Versuchen Sie es stattdessen mit meinen folgenden Tipps.

1. Demonstrieren Sie Familienmacht!

So gern Sie es möchten: Sie können Ihr Kind nicht vor allem beschützen. Dennoch ist es nie allein, weil seine Familie hinter ihm steht. Zeigen Sie ihm das, indem Sie sich gemeinsam (mit Ihrem Partner) hinter ihm vor einen Spiegel stellen. Vielleicht setzt sich das Geschwisterkind noch auf Papas Schultern? Legen Sie Ihrem Kind jetzt die Hände auf die Schultern. Lassen Sie den Moment auf sich wirken. Machen Sie ein Foto, das Ihr Kind immer bei sich tragen kann und das ihm in brenzligen Situationen sicherlich Kraft gibt.

2. Vereinbaren Sie eine feste Mecker-Zeit!

Selbstverständlich soll Ihr Kind zu Hause von den Geschehnissen in der Schule erzählen und sich auch mal über Klassenkameraden beklagen dürfen. Vereinbaren Sie hierfür eine feste Viertelstunde am Tag ohne Schimpfwort Zensur, während der Ihr Kind auch laut werden darf. Fragen Sie gezielt:

  • Was ist heute gut gewesen?
  • Was ist nicht so gelaufen?
  • Hast du eine Ahnung, warum das so war?
  • Ist das schon häufiger vorgekommen?

3. Etablieren Sie eine Familien-Lobrunde

Erinnern Sie Ihr Kind daran, dass es ihm zwar derzeit nicht so gut geht, es aber dennoch Dinge kann oder besitzt, auf die es stolz sein kann. Hierzu kommen alle Familienmitglieder zusammen und sprechen einander reihum ein Lob für etwas aus, das man besonders gut kann oder das man in der letzten Zeit neu gelernt hat.

4. Schreiben Sie eine LiebesListe

„Keiner mag mich!“ Gehört dieser Satz ins Standardrepertoire Ihres Kindes? Dann geben Sie ihm ein Blatt Papier mit einer zweispaltigen Tabelle. In die eine Spalte kommen alle Personen, die es (angeblich) nicht leiden können, in die andere alle, die es mögen (Mama, Papa, Oma, Opa, Tante Ines usw.). Bestimmt wird es erstaunt sein, dass es gar nicht so klein und unbedeutend ist, wie es meint, weil es ein sehr sicheres Umfeld hat.

5. Die gute alte Zeit?!

Berichten Sie (und die Großeltern, Patentante etc.) Ihrem Kind immer wieder von Ihrer Schulzeit, die bestimmt auch nicht immer rosig war.

  • Mit wem waren Sie befreundet, als Sie im Alter Ihres Kindes waren?
  • Was haben Sie am liebsten zusammen gemacht?
  • Was hat Ihnen besonders an Ihrem Freund/Ihrer Freundin gefallen?
  • Waren Sie nur mit Mädchen, nur mit Jungen oder mit beiden befreundet? Warum?
  • Haben Sie sich auch mal ganz schlimm gestritten? Wenn ja, worum ging es dabei?

Bestimmt erkennt Ihr Kind, dass es gerade nichts Schönes erlebt, dass es aber auch nichts Außergewöhnliches ist, weil es jedem im Leben ab und zu so ergeht und es irgendwann überstanden sein wird.

6. Post für dich!

Wie wäre es mit einer Brieffreundschaft, um die Kontaktfreudigkeit Ihres Kindes zu steigern? Hierbei lernt es, sich im geschützten heimischen Rahmen auf jemanden einzulassen, ihm Fragen zu stellen und Fragen zu beantworten oder von sich zu erzählen. Obendrein hat es regelmäßig ein besonderes Erlebnis im Alltag, wenn ein Brief des Freundes im Postkasten liegt. Vielleicht kennt in Ihrem Bekanntenkreis jemand ein gleichaltriges Kind, das eine Brieffreundschaft pflegen möchte? Schauen Sie alternativ auf entsprechenden Suchseiten in Kinderzeitschriften (z. B. Geolino, Bimbo) oder im Internet

7. Führen Sie ein Gespräch mit dem Lehrer

Leidet Ihr Kind sehr unter der Situation, kann es hilfreich sein, den Lehrer nach seinen Beobachtungen zu fragen. Versuchen Sie, sachlich zu bleiben und seinen Schilderungen vorbehaltlos zuzuhören, und fragen Sie ganz konkret nach Tipps (z. B. die Teilnahme an einer AG, eine Therapie).

  • Wie beliebt ist Ihr Kind seiner Meinung nach bei einem Großteil seiner Klassenkameraden?
  • Neben wem sitzt es? Wie versteht es sich mit dem Mitschüler?
  • Könnte der Lehrer Ihr Kind neben einen Banknachbarn setzen, von dem er denkt, dass sich die beiden gut verstehen?
  • Mit wem verbringt es die Pausen?
  • Wie verhält sich Ihr Kind anderen gegenüber? Ist es aggressiv, oder verhält es sich sonst in einer Art, die auf Ablehnung stößt?

 

 

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