Was tun, wenn der Stuhlgang nur mit Windel klappt?

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Hallo, Frau Dr. Schmelz,

unser Sohn Tom ist drei Jahre und sieben Monate alt und geht seit seinem dritten Geburtstag in den Kindergarten. Wir haben sechs Wochen davor die Windel tagsüber weggelassen, und nach ein paar Tagen hat es auch wunderbar geklappt. Zum Wasserlassen setzt sich Tom ohne Probleme auf die Toilette, aber zum Stuhlgang nicht – dafür braucht er unbedingt seine Windel. Weder gutes Zureden, Bücher zu diesem Thema oder Belohnungen brachten Erfolg. Wie kann ich ihn ohne Zwang dazu bringen, denn ich befürchte, dass er ansonsten seinen Stuhlgang einfach unterdrückt.

von Karen S.

Antwort von: Dr. med. Andrea Schmelz

Liebe Karen,

dass Kinder für den Stuhlgang noch eine Windel brauchen, obwohl sie problemlos für das „kleine Geschäft“ auf die Toilette gehen, kommt relativ häufig vor. Welche Unterstützung Ihr Kind braucht, hängt von der Ursache des Stuhlgang- Problems ab. Dazu folgende Fragen:

  1. Weigert Tom sich prinzipiell, für den Stuhlgang auf den Topf oder das Klo (mit Kinder-Toilettensitz) zu gehen oder klappt es einfach nicht?
  2. Haben Sie ihn schon einmal gefragt, warum er nicht auf den Topf oder die Toilette gehen will? Was gibt er als Grund an?
  3. Neigt er zu Verstopfung, isst und trinkt er normal?
  4. Kann er nur in einer bestimmten Körperposition in die Windel machen und „geht“ es im Sitzen nicht?
  5. Will Tom den Stuhlgang sofort weggemacht haben oder stört er ihn gar nicht?
  6. Haben Sie den Eindruck, es hat sich hier ein Machtkampf entwickelt und Tom blockt alles ab, was mit „Stuhlgang nicht in die Windel“ zu tun hat?

Vielleicht braucht Ihr Sohn nur noch etwas Zeit, bis es klappt. Folgendes können Sie ausprobieren: Ich würde es noch einmal mit einer attraktiven Belohnung versuchen und die Sitzung auf der Toilette/dem Topf so angenehm wie möglich gestalten (gut geheiztes Klo, kuscheliger Badevorleger unter dem Topf, Bilderbücher oder Kassettenrekorder und Lieblingskassette bereitlegen), sodass er auch ein Weilchen sitzen bleiben mag. Denn bis er sich daran gewöhnt hat, wird es mit dem Stuhlgang dort sicher immer etwas dauern. Bringen Sie Tom mit anderen Kindern (von Bekannten oder Verwandten) zusammen, die ihr großes Geschäft in die Toilette oder ins Töpfchen machen (er sollte direkt dabei sein dürfen!). Dann kann er sehen, dass das tatsächlich auch dort geht. Vielleicht können Sie ihn mitgehen lassen, wenn Sie selbst zur Toilette gehen? Haben Sie schon einen Klositz mit integrierter Stufe, auf der er die Beine abstellen kann, ausprobiert? Damit können Kinder beim Stuhlgang besser pressen. Will Tom die volle Windel sofort loswerden, dürfen Sie mit dem Windelwechsel ruhig etwas „trödeln“, sodass es mit der vollen Windel etwas unangenehm wird (Achtung: nicht geeignet, wenn der Po schnell wund wird!). Sie können das nächste Paket Windeln in einer kleineren Größe nehmen, sodass sie etwas kneifen. Erklären Sie Tom, dass er nun schon so groß geworden ist, dass die Windeln wohl bald nicht mehr passen werden. Vielleicht bringt ihn das dazu, es doch mal auf der Toilette zu probieren. Ich hoffe, dass Sie die „Windelphase“ bald überwunden haben werden!

Herzliche Grüße

Ihre Andrea Schmelz