So geht spielerisches Lernen heute: Die zunehmende Bedeutung von pädagogisch durchdachtem Spielzeug
In unserem heutigen digitalen Zeitalter steht das klassische Kinderspielzeug für mehr als bloße Unterhaltung und zahlreiche Eltern sind darum bemüht, die Entwicklung ihrer Kinder mit Spielen und Materialien zu unterstützen. Lernspielzeug bietet Kindern eine Abwechslung zum Bildschirm und vermittelt gleichzeitig Wissen.
Kinder lernen durch Beobachtung, Wiederholungen und das Anfassen von Dingen. Sie nähern sich der Umwelt auf eine spielerische Art und Weise. Das Spielen an sich ist für Kinder in der frühen Entwicklungsphase nicht als Pause vom Lernen anzusehen, sondern als eine wichtige Grundlage. Motorische Fähigkeiten, das Verständnis für Zusammenhänge und die Sprache wird zu einem großem Teil mit über das Spielen erlernt.
Spielerische Erfahrungen, die in den ersten Jahren des Lebens gemacht werden, wirken sich auf lange Sicht auf die Entwicklung aus. Klassische Lernprozesse lassen sich perfekt von pädagoisch sinnvollem Spielzeug begleiten. Kinder haben somit die Möglichkeit, auf eigene Faust Dinge zu entdecken und Lösungswege zu finden.
Das Spielen als wichtige Grundlage der Entwicklung
Aus entwicklungspsychologischer Sicht gilt Spielen als eine der wichtigsten Lernformen. Die Weltgesundheitsorganisation hebt in ihren Leitlinien zur frühkindlichen Entwicklung aus dem Jahr 2020 hervor, dass kognitive, motorische und soziale Fähigkeiten besonders nachhaltig über spielerische Aktivitäten gefördert werden. Das Spielen wird dort ausdrücklich als ein zentrales Element der frühen Lernprozesse genannt.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verweist in ihren Informationsmaterialien zur frühen Kindheit aus dem Jahr 2021 darauf, dass freies Spiel die Sprachentwicklung, Feinmotorik und soziale Kompetenzen unterstützt. Das Lernen an sich erfolgt dabei vor allem durch die eigenständige Erfahrung, Wiederholung und Interaktion mit anderen Kindern.
Im Kinder und Jugendbericht aus dem Jahr 2022 beschreibt das Deutsche Jugendinstitut (DJI), dass Kinder im Vorschulalter einen erheblichen Teil der Zeit im Alltag spielend verbringen. Spielen wird als eine zentrale Form des Lernens eingeordnet. Es sorgt dafür, dass die grundlegenden sozialen und kognitiven Fähigkeiten erworben werden.
So fügt sich Lernspielzeug in den Alltag von Familien ein
Lernspielzeug wird in Deutschland immer beliebter, was sich auch an den Verkaufszahlen zeigt. Laut offiziellen Angaben von Statista gaben deutsche Haushalte bereits im Jahr 2023 circa € 7,5 Milliarden für Spielwaren aus. Vor allem Spielzeuge mit pädagogischem Anspruch werden laut Marktanalysen immer häufiger gekauft.
Doch was genau bewegt die Eltern zum Kauf von Lernspielzeug? Laut dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) achtet eine deutliche Mehrheit der befragten Eltern beim Kauf von Spielzeug auf den Entwicklungsaspekt. Diese Ergebnisse werden als Branchentrend eingeordnet und nicht als repräsentative Bevölkerungsstatistik ausgewiesen.
Zugleich verändert sich die Nutzung von Spielzeug im Familienalltag. Das Deutsche Jugendinstitut stellt in Analysen aus dem Jahr 2022 fest, dass langlebige und vielseitig nutzbare Spielmaterialien häufiger über längere Zeiträume hinweg eingesetzt werden. Spielzeug soll mehrere Entwicklungsphasen begleiten und flexibel nutzbar sein.
Pädagogische Konzepte und ihre Wirkung
Lernspielzeug orientiert sich zu einem großen Teil an etablierten pädagogischen Ansätzen. Die sogenannte „Montessori Pädagogik“ ist ein sehr häufig genannter Bezugspunkt. Sie setzt klar auf Selbstständigkeit, Wiederholung und Lernen durch Interaktion und das eigenen Handeln.
Lernspielzeug ist bewusst in einem schlichten Stil gestaltet, besteht aus natürlichen Materialien wie Holz und ist auf die Förderung bestimmter Fähigkeiten ausgelegt. Durch das Spielen mit Montessori Spielzeug wird es Kindern ermöglicht, eigenständig zu arbeiten und Fehler selbst zu erkennen. Lernprozesse werden somit begleitet, ohne dabei zu bewerten oder die Kinder zu korrigieren.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichte im Jahr 2017 ihren Bericht zur frühkindlichen Bildung. Aus diesem geht hervor, dass selbstgesteuerte Lernprozesse im frühen Kindesalter direkt mit besseren Problemlösefähigkeiten im späteren Schulverlauf zusammenhängen. Nicht das Spielzeug allein ist dabei entscheidend, sondern wie es eingesetzt wird.
Worauf Eltern beim Kauf achten können
Nicht jedes Produkt das als Lernspielzeug deklariert wird erfüllt pädagogische Kriterien. Laut zahlreichen Fachstellen ist es beim Kauf besonders wichtig, auf eine klare Funktion, robuste Materialien und eine einfache Handhabung zu achten. Das Spielzeug sollte die Kinder nicht überfordern und gleichzeitig nicht ausschließlich zur Unterhaltung dienen.
Eine Altersempfehlung kann als Orientierung dienen. Sie ersetzt jedoch nicht die individuelle Einschätzung der Eltern. Alle Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Es kann daher auch sinnvoll sein, seinen Kindern Spielzeug zu kaufen, das offiziell für eine andere Altersgruppe vorgesehen ist.
Gemeinsames Spielen wirkt sich laut dem DJI besonders positiv auf die Entwicklung aus. Spielzeug, dass Kooperation ermöglicht, stärkt soziale Kompetenzen. Es wirkt sich direkt auf Faktoren wie Kommunikation, Rücksichtnahme und Problemlösung aus.
Lernen ohne Leistungsdruck
Ein Vorteil von Lernspielzeug liegt im spielerischen Zugang zu Wissen. Lernen findet ohne Bewertung statt. Kinder dürfen Fehler machen, ausprobieren und eigene Wege entwickeln.
Die Kultusministerkonferenz verweist in ihren Empfehlungen zur frühkindlichen Bildung aus 2018 darauf, dass positive Lernerfahrungen vor dem Schuleintritt die Lernbereitschaft und Motivation im späteren Bildungsweg stärken können.
Ergänzend betont die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Veröffentlichungen aus 2021, dass spielerisches Lernen das Selbstvertrauen stärkt und Frustrationstoleranz aufbaut. Beides gilt als wichtige Grundlage für schulisches Lernen und soziale Stabilität.
Pädagogisches Lernspielzeug ist ein zentraler Bestandteil kindlicher Entwicklung
Spielerisches Lernen ist heute ein zentraler Bestandteil kindlicher Entwicklung. Pädagogisch durchdachtes Lernspielzeug ermöglicht es Kindern, Fähigkeiten eigenständig, im eigenen Tempo und ohne Leistungsdruck aufzubauen. Motorik, Sprache, soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur Lösung von Problemen werden dabei gefördert.
Nicht die Menge an Spielzeug ist entscheidend, sondern die Qualität und sinnvolle Nutzung im Alltag. So wird Spielen zu einer tragenden Grundlage nachhaltiger Lernprozesse über zahlreiche Phasen der Entwicklung hinweg.
Wenn Eltern die Neugier ihrer Kinder ernst nehmen und gemeinsames Entdecken bewusst fördern, können sie deren Entwicklung nachhaltig positiv beeinflussen.