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Jugendlicher mit Drogen in der Hand
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Was Sie und Ihr Teenager über Cannabis wissen sollten

Kiffen: harmlos oder gefährlich?

Cannabis ist eine der ältesten Nutz- und Heilpflanzen der Welt. Als Marihuana oder Haschisch konsumiert, wirkt sie direkt auf das zentrale Nervensystem und gilt daher als psychoaktive Substanz (= Droge). Der Anbau, Besitz und Verkauf von Cannabis ist in Deutschland verboten. Über die Schädlichkeit von Cannabis wird in der Fachwelt noch gestritten, die wissenschaftlichen Ergebnisse sind widersprüchlich. Fakt ist jedoch, dass dauerhafter Cannabiskonsum zu einer psychischen Abhängigkeit führen kann und Konzentrationsprobleme und Lernstörungen mit sich bringt. Lesen Sie hier, was Sie über Cannabis wissen sollten und warum es so wichtig ist, dass Sie Ihren Teenager über die Wirkung und Risiken von Cannabiskonsum aufklären. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Cannabis wird meist in Form von Marihuana (= getrocknete Blüten und Blätter der Cannabispflanze) oder Haschisch (= Harz der Cannabisblüte) konsumiert, es wird zu diesem Zweck zerkrümelt und in eine Zigarette gedreht („Joint“ rauchen = „kiffen“). Der am stärksten psychoaktiv wirkende Inhaltsstoff von Cannabis ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Der Gehalt von THC in Cannabis ist nachweislich in den letzten Jahren um ein Vielfaches gestiegen. Seit den 1970er Jahren ist Cannabis die nach Alkohol am häufigsten konsumierte Rauschdroge in Deutschland; in den letzten Jahren ist die Zahl der Konsumenten allerdings leicht rückläufig. Im Schnitt sind Jugendliche 16, wenn sie das erste Mal Cannabis konsumieren. Die Symptome eines kürzlich erfolgten Cannabiskonsums Ihres Teenagers können undeutliche Sprache, Koordinationsprobleme, insgesamt verlangsamte Reaktionen, unmotivierte Lachanfälle, gerötete Augen und auffällig große Pupillen sein. Cannabinoid und seine Abbauprodukte sind im Urin übrigens ca. 30 Tage nachweisbar.

7 Fakten: Was Sie wissen und was Sie tun sollten

Fakt 1: Cannabis kann bei Menschen mit entsprechender Disposition eine Schizophrenie auslösen. Es gibt weiterhin wissenschaftliche Hinweise darauf, dass THC psychotisches Verhalten auch bei gesunden Personen auslösen kann, wenn sie über eine bestimmte Gen-Variante verfügen.

 

  • Tipp 1: Da weder eine Disposition für Schizophrenie noch eine ggf. bestehende Variante im AKT1-Gen Ihres Kindes bekannt sein dürfte, stellt jeder Konsum von Cannabis ein latentes Risiko für die Gesundheit Ihres Kindes dar. Machen Sie Ihrem Teenager das möglichst früh klar!

 

Fakt 2: Viele Dauerkonsumenten von Cannabis leiden unter psychischen Störungen. Unklar ist, ob die psychische Störung zum Dauerkiffen verleitet oder umgekehrt das Dauerkiffen psychisch krank macht. Eine aktuelle US-amerikanische Studie ergab jedoch, dass Cannabiskonsum nicht generell die Entstehung von Depressionen, bipolaren Erkrankungen oder Angst- und Panikstörungen fördert.

 

  • Tipp 2: Schauen Sie genau hin, wie es Ihrem Teenager geht und gehen Sie sicher, dass er keine unlösbaren Konflikte mit sich herumschleppt, weil das den Cannabiskonsum ggf. fördern könnte. Bleiben Sie also unbedingt mit ihm im Kontakt und erkundigen Sie sich regelmäßig nach seinem Wohlbefinden!

 

Fakt 3: Kinder, deren Eltern selbst Suchtprobleme hatten, die Scheidungen oder Todesfälle in der Familie zu beklagen oder unter massiven Konflikten oder gar Gewalt zu leiden hatten, neigen eher zu dauerhaftem Cannabiskonsum als Jugendliche, die eine unbeschwerte Kindheit ohne Verluste und voller Liebe und Zuwendung erleben durften.

 

  • Tipp 3: Wenn Ihr Teenager sich in seinem Leben wohlfühlt, wenn er in der Familie über seine Gefühle reden kann und wenn es in Ihrer Familiengeschichte keine Suchtprobleme gibt, ist er relativ wenig gefährdet, suchtkrank zu werden! Bleiben Sie trotzdem wachsam und prüfen Sie regelmäßig, ob es belastende (Familien-)Konflikte gibt, die Ihrem Teenager zu schaffen machen. Kehren Sie diese dann nicht unter den Teppich, sondern versuchen Sie diese unbedingt zu lösen!

 

Fakt 4: Cannabis galt lange als Einstiegsdroge, mittlerweile ist diese These überholt. Nur sehr wenige Menschen, die Cannabis konsumieren, greifen langfristig zu härteren Drogen wie Heroin oder Kokain. 25 % aller 12- bis 25-Jährigen probieren Cannabis ein oder mehrmals aus, aber nur 2,9 % konsumieren es regelmäßig.

 

  • Tipp 4: Sollte Ihr Teenager Cannabis ausprobiert haben, bedeutet das erfahrungsgemäß nicht, dass er nun gleich süchtig wird. Sprechen Sie dennoch möglichst ruhig mit ihm über die Gefahren des Cannabiskonsums, üben Sie aber keinen Druck aus. Das könnte einen gegenteiligen Effekt haben („Jetzt erst recht!“). Fragen Sie auch nach, ob Ihr Kind sich unter Gruppendruck gesetzt gefühlt hat und eher deshalb mitgemacht hat. Oft wollen Teenager einfach nur dazugehören und kiffen deshalb ein paar Mal mit.

 

Fakt 5: Regelmäßiger, langfristiger und häufiger Konsum von Cannabis kann schwerwiegende soziale, psychische und körperliche Folgen zeitigen. Jugendliche Dauerkiffer werden extrem schlaff, schaffen die schulischen Anforderungen nicht mehr und ziehen sich zurück. Aktuelle Studien konnten jedoch nicht nachweisen, dass Cannabiskonsum schwere Hirnschäden verursacht, wie etwa Alkohol.

 

  • Tipp 5: Der Dauerkonsum von Cannabis bleibt nicht ohne Folgen für die kognitive Leistungsfähigkeit: Konzentrationsprobleme und Lernstörungen sind häufige und ernst zu nehmende Probleme. Weisen Sie Ihren Teenager auf diese möglichen Gefahren hin! Ein guter Schulabschluss ist für die Zukunft Ihres Teenagers extrem wichtig und für Dauerkiffer kaum zu schaffen!

 

Fakt 6: Häufiger Cannabiskonsum schädigt die Lunge, da die Joints Tabak und somit krebserregende Stoffe enthalten.

 

  • Tipp 6: Sollte Ihr Teenager überdurchschnittlich häufig unter Bronchitis leiden oder auffälligen Husten haben, sollten Sie in Erwägung ziehen, ob er möglicherweise regelmäßig Zigaretten oder Cannabis raucht, und ihn direkt darauf ansprechen!

 

Fakt 7: Wissenschaftlich weitgehend ungeklärt ist, wie stark Cannabiskonsum die Entwicklung von Teenagern beeinträchtigen kann. Allerdings scheint es eher unwahrscheinlich, dass der regelmäßige Konsum psychoaktiver Substanzen keinen Einfluss auf das sensible jugendliche Hormon- und Immunsystem haben soll.

 

  • Tipp 7: Sensibilisieren Sie Ihren Teenager dafür, dass er pfleglich mit seinem Körper umgehen und ihm so wenige Psychostimulanzien und Medikamente wie möglich zuführen sollte, weil die Risiken für Leib und Seele einfach zu groß sind.

 

So wirkt Cannabis bei Ihrem Jugendlichen

Die Wirkung von Cannabis auf einen Jugendlichen lässt sich schwer vorhersehen. Das liegt u. a. an folgenden Faktoren:

 

  • Der Teenager kann nicht beurteilen, welchen Stoff er gerade konsumiert und wie stark dessen THC-Gehalt ist. Das stellt ein hohes Risiko dar, an verunreinigtes, schlechtes oder sehr starkes Cannabis zu geraten.
  • Ein Teenager, der erstmals Cannabis konsumiert, weiß nicht, wie viel er „verträgt“. Er geht daher ein großes Risiko für seine Gesundheit ein!
  • Menschen regieren unterschiedlich heftig auf psychoaktive Substanzen, manche können einiges wegstecken, andere reagieren schnell mit Angst oder körperlichen Symptomen.

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Kommentare zu "Was Sie und Ihr Teenager über Cannabis wissen sollten"

  • Marion schreibt am 16.01.2018

    Sehr geehrte Frau Roemer,
    Ihr Schutzbeduerfnis fuer Jugendliche in allen Ehren, die Ausfuehrungen und Ratschlaege in Ihrem Artikel empfinde ich als sehr oberflaechlich und verallgemeinernd bis hin zu nicht ganz richtig, fragwuerdig und falsch und ich frage mich, welcher Agenda Sie da wirklich mit dienen wollen. Der illegale Status z. Bsp. wie sie behaupten, besteht so in Deutschland gar nicht mehr so ohne weiteres. Die Grenzwerte von isb. THC und auch CBD sind hier zwar sehr stark reglementiert - in deutlichem Unterschied auch zu Nachbarlaendern wie den Niederlanden, der Schweiz und Oesterreich - vor allem CBD haltige Produkte jedoch in den verschiedensten Formen sind durchaus legal auch auf dem deutschen und europaeischen Markt erhaeltich. Und dies aus gutem Grund. Fakt ist naemlich und bleibt, dass Hanf/Cannabis/Marihuana/Haschisch ein Medium ist mit unendlich vielfaeltigen nicht nur Heilungspotentialen, wie sie in der Pharmazie Ihres gleichen suchen und mE nach auch niemals finden kann. Es/sie werden zur Heilung der unterschiedlichsten Erkrankungen eingesetzt, wo die Pharmaindustrie schlicht und ergreifend versagt und ganz im Gegenteil Nebenwirkungen billigend in Kauf nimmt in einer Art und Weise, die zumindest an fahrlaessige Koerperverletzung grenzt, wenn man sich die Thematik in der Tiefe wirklich eingehend betrachtet und fuer die Grundlage einer Empfehlung Recherschen betreibt, die ueber den deutschen Tellerrand hinausreichen. Es gibt hierzu auch jahrzehnte lange Forschungen insbesondere aus Israel und Amerika. Vor allem aber gibt es Patientendokumentationen wie Sand am Meer zumindest im englischsprachigen Internet, die bei varantwortlicher Einnahme der entsprechenden Substanzen wenn nicht Heilung mit bezeugen so doch Schmerzlinderung und Verschiebung im Symptomzyklus, sei es bei Krebs, Arthrose, Eplepsie usw. Auch bei Aufmerksamkeitsstoerungen finden bestimmte Hanfstraenge erfogreiche Anwendung und fuehren somit gerade zum Gegenteil von den von Ihnen genannten Konzentrationsstoerungen und unkoordinierten Bewegungen. Zudem gibt es auch in Deutschland in der Zwischenzeit Menschen mit Ausnahmegenehmigungen, die Marihuanastraenge zum medizinischen Gebrauch seber anbauen duerfen, welche deutich hoehere THC und CBD Werte aufweisen duerfen, als das, was sich bisher in den gesetzlichen Regelungen niederschlaegt.
    Die sogenannte These, dass Marihuana eine Einstiegsdroge ist oder gewesen sein soll,ist nicht nur fast grundegend falsch, Marihuana/Cannabis hat sich in Amerika fuer viele ehemaige Drogenabhaengige, die aus den zum Ersatz angebotenen Opiat- und Morphinprogrammen aussteigen wollen, als Segen erwiesen. Gibt es doch bestimmte molekuare Anteile in CBD und THC, die langfristig wesentlich weniger Nebenwirkungen verursachen und wesentlich weniger suchterzeugende Substanzen enthalten.

    Wie auch Sie kratze ich nur an der Spitze des Eisberges mit meinen Aeusserungen. Und nenne definitiv nur einige wenige Beispiele, die allerdings in deutlichem Unterschied zu dem stehen, was Sie in Ihrem Artikel behaupten und empfehlen. Verbindend bleibt aber der Schutzgedanke und gerade deshalb finde ich es unerlaesslich, mit Maerchen und populistischen Behauptungen und Angstmache innezuhalten und sich zu fragen und zu ueberlegen, ob es einen gesuenderen und ehrlicheren Weg gibt, der Grundlagen weiter aufbaut und festigt fuer eine verantwortungsbewusste Beziehung zu uns selbst und unseren Kindern.
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