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Jugendliche halten sich nicht immer an die Regeln. Das fordert Eltern stark heraus. Dennoch sollten Sie Ihrem Teenagern (wieder) Vertrauen entgegenbringen.
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Loslassen: Warum Vertrauen in Ihren Teenager jetzt so wichtig ist!

Vertrauen in Ihren Teenager

In diesem Artikel verraten wir Ihren, wie Sie es schaffen, Ihrem Teenager immer wieder Vertrauensvorschuss zu gewähren. Außerdem können Sie testen, wie viel Vertrauen Sie derzeit in Ihr Kind haben, und erfahren, wie Sie sich bei Schwierigkeiten am besten verhalten sollten. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Haben Sie Vertrauen in Ihren Teenager

Jugendliche halten sich nicht immer an die Regeln, schlagen gelegentlich über die Stränge oder provozieren auch mal ganz gerne. Das fordert Eltern stark heraus. Dennoch sollten Mütter und Väter Ihren Teenagern stets (wieder) Vertrauen entgegenbringen. Denn: Je mehr Vertrauen Sie in Ihr Kind und seine Fähigkeiten haben, desto leichter fällt es ihm, sich langsam abzunabeln. Und desto leichter fällt es Ihnen selbst, Ihr Kind loszulassen.

Auch Ihr Teenager wird vermutlich Ihr Vertrauen und Ihre Geduld gelegentlich auf die Probe stellen. Wenn er Sie beispielsweise provoziert, könnten die dahintersteckenden Fragen lauten: 

  • „Werde ich noch geliebt und akzeptiert, auch wenn ich nicht mehr das brave, liebe Kind bin?“ 
  • „Ist es okay für meine Eltern, wenn ich andere Entscheidungen treffe als sie?“
  • „Halten meine Eltern es aus, dass ich mich vielleicht in eine andere Richtung entwickle, als sie es gerne hätten?
  • „Was passiert, wenn ich meine Eltern enttäusche? Halte ich das selber aus? Oder bin ich von ihrer Anerkennung noch abhängig?“ 
  • „Sind meine Eltern im Notfall wirklich für mich da, oder ist das alles nur leeres Gerede und ich bekomme im Zweifelsfall doch was auf den Deckel?“ 
  • „Wie viel Verständnis haben meine Eltern wirklich für mich?“ usw.

Ihr Teenager testet Sie also möglicherweise aus – aber nicht weil es Sie ärgern oder prüfen möchte, sondern weil es sicher gehen möchte, auch dann Ihre Zuneigung nicht zu verlieren, wenn es erwachsen und unabhängiger wird. 

Selbsttest: Wie viel Vertrauen habe ich in meinen Teenager?

Wenn Sie prüfen wollen, wie stark Ihr Vertrauen in Ihr Kind gerade ist, machen Sie doch diesen kleinen Test. Kreuzen Sie einfach an, was jeweils zutrifft. Zählen Sie zum Schluss zusammen, wie oft Sie zutreffende Antworten angekreuzt haben, und lesen Sie das Ergebnis unten in der Auswertung nach.

  • Wichtig: Es handelt sich dabei nur um ein aktuelles Stimmungsbild. Machen Sie den Test an verschiedenen Tagen, kann das Ergebnis möglicherweise schwanken.
Welche dieser Aussagen treffen zu?
1.
Ich bin davon überzeugt, dass mir mein Kind meistens die Wahrheit sagt.
2.
Ich traue meinem Kind zu, seine Angelegenheiten weitgehend und altersangemessen selbst zu regeln.
3.
Ich kann es gut aushalten, dass mein Kind auch mal Geheimnisse vor mir hat. Jeder braucht seine Intimsphäre!
4.
Ich gehe davon aus, dass mein Kind sich gut vor Gefahren schützen kann (soweit das möglich ist).
5.
Ich verzeihe meinem Kind, wenn es mal „dumme Entscheidungen“ getroffen hat. Wir alle machen schließlich Fehler!
6.
Mein Kind bekommt von mir immer eine zweite (und sogar dritte) Chance.
7.
Ich vertraue darauf, dass meinem Kind nichts Schlimmes passieren wird.
8.
Ich bin recht sicher, dass mein Kind sich mir anvertrauen wird, wenn es in Not gerät.
9.
Ich kann mein Kind ganz gut ziehen lassen. Es wird halt groß!
10.
Ich bin sicher, dass mein Kind einen guten Charakter hat und nichts wirklich Schlimmes anstellen wird.
11.
Ich frage mein Kind nach den Gründen, wenn es sich verspätet oder sich an sonstige Regeln nicht gehalten hat. Manchmal gibt es dafür ja triftige Gründe.
12.
Ich habe bis jetzt recht gute Erziehungsarbeit geleistet. Ich bin sicher, dass uns das hilft, einigermaßen unbelastet durch die Pubertät zu kommen.

Auswertung des Tests: Wie viel Vertrauen habe ich in meinen Teenager?

  • Wenn Sie „trifft meistens zu“ 9- bis 12-mal angekreuzt haben:
    Prima, Sie haben viel Vertrauen in Ihr Kind!

    Geben Sie ihm weiterhin viel Vertrauensvorschuss und erkennen Sie es an, wenn Ihr Kind sich verantwortungsbewusst verhält.
  • Wenn Sie „trifft meistens zu“ 5- bis 8-mal angekreuzt haben:
    Das Vertrauen in Ihr Kind ist nicht schlecht, aber ausbaufähig.
    Fragen Sie sich, woran das liegt. Haben Sie vielleicht starke Ängste? Machen Sie sich besondere Sorgen? Wenn ja: Woher könnten diese Sorgen kommen? Holen Sie sich Hilfe für die Beantwortung dieser Fragen, etwa bei einer guten Freundin oder in einer Erziehungsberatung.
  • Wenn Sie „trifft meistens zu“ 0- bis 4-mal angekreuzt haben:
    Das Vertrauen in Ihr Kind und seine Fähigkeiten ist schwach ausgeprägt. 
    Im folgenden Abschnitt, finden Sie einige Vorschläge, wie Sie sich in bestimmten Situationen am besten verhalten. Suchen Sie sich gegebenenfalls professionelle Hilfe in einer Familienberatung.


Hilfe, ich habe zu wenig Vertrauen!
Schwierigkeiten und wie Sie diese überwinden können

Hier finden Sie einige Herangehensweisen zu häufigen Schwierigkeiten und Problemen, wie Sie am besten mit der Situation umgehen und reagieren sollten.

Ihr Kind hat schon oft etwas hinter Ihrem Rücken getan, was Sie verboten hatten.
Es fällt Ihnen deshalb schwer, ihm zu vertrauen.
  • Überlegen Sie, was der Grund für dieses Verhalten sein könnte. Fragen Sie gegebenenfalls nach. Seien Sie dabei aber nicht vorwurfsvoll, sondern zeigen Sie sich ernsthaft interessiert. Ansonsten werden Sie keine aufrichtige Antwort erhalten.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Verbote altersangemessen sind.
  • Prüfen Sie auch, ob es sich eher um Lappalien oder um etwas Gravierendes handelt. Wenn es etwas eher Harmloses ist, sollten Sie ein Auge zudrücken. Bei schwerwiegenderen „Taten“ müssen Sie Konsequenzen ziehen, klare Ansagen machen und mit Ihrem Kind ein ernsthaftes Gespräch führen, gegebenenfalls auch in der Schule sowie mit anderen Kindern.
hr Kind war in einer Rauferei verwickelt, und Sie haben Sorge, dass das öfter passieren könnte.
  • Reden Sie mit Ihrem Kind, und klären Sie gemeinsam, wie es dazu kommen konnte.
    Was hat Ihr Kind so gereizt?
  • Überlegen Sie gemeinsam, wie Ihr Kind sich in einer ähnlichen Situation anders verhalten könnte.
  • Geben Sie ihm einen Vertrauensvorschuss, und machen Sie ihm Mut, dass es sich beim nächsten Mal anders verhalten kann!
Ihr Kind begibt sich gelegentlich in gefährliche Situationen.
Sie haben Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte.
  • Überlegen Sie, was Ihr Kind an brenzligen Situationen reizt: Ist es der „Kick“?
    Könnte es diesen Adrenalinschub woanders bekommen, etwa beim Sport?
  • Ist Ihr Kind womöglich etwas „überbehütet“, und sucht es deshalb nach Abenteuern der besonderen Art? Dann geben Sie ihm mehr (Entscheidungs-)Freiraum!
  • Prüfen Sie: Wie gefährlich sind diese Situationen wirklich?
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind, und machen Sie ihm deutlich, was genau Ihre Sorgen sind
    (möglichst ohne Vorwürfe).
  • Prüfen Sie: Geht es Ihrem Kind psychisch nicht gut und begibt sich deshalb in selbstgefährdende Situationen? Oder muss es sich selbst etwas beweisen? Dann sollten Sie einen Jugendpsychotherapeuten zu Rate ziehen.
Ihr Kind umgibt sich mit Freunden, die Ihnen nicht sonderlich gefallen.
Deshalb fällt es Ihnen schwer, es mit ihnen ziehen zu lassen.
  • Prüfen Sie: Was genau ist Ihre Sorge? Ist Sie begründet? Erlebt Ihr Kind das auch so wie Sie?
    Oder finden nur Sie die Freunde Ihres Kindes suspekt?
  • Fragen Sie Ihr Kind, was ihm an diesen Freunden gefällt.
  • Wenn Ihr Kind auch lieber andere Freunde hätte, unterstützen Sie dieses Vorhaben und überlegen Sie gemeinsam, wo es sie finden könnte (Sportverein etc.).
  • Bedenken Sie: Nur weil Sie die Freunde Ihres Kindes nicht mögen, sollte es sie nicht aufgeben müssen!
Ihr Teenager kommt abends oft zu spät nach Hause.
Das macht Sie ärgerlich und misstrauisch.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Vorschriften altersangemessen sind.
  • Verhandeln Sie die Ausgehzeiten gegebenenfalls neu.
  • Machen Sie nicht zu viel Aufhebens darum, wenn Ihr Kind nur ein bisschen zu spät kommt und/oder ansonsten zuverlässig ist. Geben Sie ihm dann innerlich „Kulanz“. Auch Erwachsene sind nicht immer auf die Minute pünktlich!
  • Fragen Sie nach dem Grund für das Zuspätkommen! Manchmal gibt es wirklich wichtige Gründe dafür.
  • Schimpfen Sie nicht, sondern zeigen Sie sich erleichtert, wenn Ihr Kind nach Hause kommt. Daran merkt es, dass Sie sich Sorgen machen, dass es Ihnen also nicht nur um Kontrolle und Macht geht, sondern um sein Wohlbefinden!
Ihr Teenager erzählt Ihnen nichts oder sehr wenig von sich.
Das macht Sie misstrauisch und ängstlich.
  • Hat Ihr Kind auch früher schon wenig von sich erzählt? Dann ist das eher ein Charakterzug von ihm.
  • Wenn es sich erst neuerdings so verschlossen zeigt, kann das ein ganz normales Teenagerverhalten sein („Ich bin kein Baby mehr, ich muss euch nicht mehr alles erzählen!“).
  • Oder aber Ihr Kind ist bedrückt und hat Kummer. Wenn Sie das befürchten, sprechen Sie es in einer ruhigen Minute direkt an: „Ich habe das Gefühl, dass es dir momentan nicht gut geht. Liege ich damit richtig?“ – „Was bedrückt dich denn so?!“ – „Kann ich dir vielleicht helfen?“ etc. Auch wenn Ihr Kind dann nicht sofort antwortet, so weiß es doch, dass Sie sich für es interessieren haben und sich Gedanken machen. Das stärkt Ihren Teenager!



 

 

 

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