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Der große-Motivationstest: Was motiviert Ihr Kind?

Der große Motivations-Test: Was motiviert Ihr Kind?

Der große Motivations-Test für Ihr Kind

Warum tut Ihr Kind das, was es tut? Wissen Sie das immer ganz genau? Wahrscheinlich nicht, denn wenn Ihnen die Beweggründe Ihres Kindes so klar wären, könnten Sie es in jeder Situation kinderleicht lenken. Die Motivationsforschung kennt drei Motivations-Typen, die ich Ihnen gerne vorstellen möchte. In unserem Motivations-Test können Sie auch herausfinden, welcher Motivations-Typ Ihr Kind ist. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Stellen Sie sich die folgende Situation vor:

Ein Geschwisterpaar, Tim (7) und Sandra (9), bekommt von den Großeltern beim Sonntagsbesuch jeweils eine Tafel seiner Lieblingsschokolade geschenkt. Die beiden Kinder werden darauf hingewiesen, dass sie die Süßigkeit erst nach dem Mittagessen verspeisen sollen, damit sie sich den Appetit nicht verderben. Die Geschwister reagieren vollkommen unterschiedlich.

  • Tim ist einsichtig. Er legt die Schokolade auf seinen Schreibtisch und wartet ab, bis das Mittagessen vorbei ist.

  • Sandra hingegen widersetzt sich der Aufforderung und isst die ganze Tafel schon vor dem Mittagessen auf.
  • Die vorhersehbare Konsequenz: Tim wird gelobt, Sandra bekommt Ärger.

Ursachenforschung mit dem Motivations-Test:
Was steckt hinter der Motivation?

Vordergründig würde man jetzt sagen, dass Tim ein braves, gut erzogenes und selbstbeherrschtes Kind ist, Sandra aber unbeherrscht ihren Vorlieben ihren Lauf lässt. Vielleicht hatte Tim auch keine Lust auf Süßes und Sandra gerade einen Heißhunger auf Schokolade. Doch aller Wahrscheinlichkeit nach steckt hinter dem Verhalten der beiden Geschwister eher eine ganz bestimmte, unbewusste Motivation. Vermutlich möchte der Siebenjährige es sich nicht mit seinen Großeltern verscherzen. Er verzichtet lieber bewusst auf die direkte Befriedigung seiner Bedürfnisse, um keine Sympathien zu verlieren. Sandra scheint das egal zu sein. Sie möchte lieber selbst entscheiden, was sie wann isst. Dafür nimmt sie auch in Kauf, dass die Großeltern ärgerlich werden.

Auf diesen Motiven basiert der Motivations-Test

In diesem Beispiel ist deutlich zu erkennen, dass die unbewusste Motivation der beiden Kinder sich sehr voneinander unterscheidet. Obwohl beide vermutlich Lust haben, die Schokolade sofort aufzuessen, reagieren sie unterschiedlich. Von den drei grundlegenden inneren Motiven, die großen Einfluss auf das Verhalten haben, sind hier schon zwei deutlich zu erkennen. Anschluss/Zuneigung und Macht könnten die Motive sein, die Tim und Sandra angetrieben haben.

  • Tim stellt die Zuneigung, das Geliebtwerden und die positive Zuwendung in den Vordergrund.
  • Sandra geht es darum, ihr primäres Bedürfnis machtvoll durchzusetzen, sich nichts vorschreiben zu lassen. Ganz gleich was die anderen sagen, ihre Entscheidungen stehen an erster Stelle.

Als drittes Grundmotiv wird die Leistung angenommen, die in diesem Beispiel keine Rolle spielt. Dabei geht es um das innere Bedürfnis, erfolgreich zu sein.

Machen Sie den Motivations-Test mit Ihrem Kind

Wenn Sie einmal Ihren Freundeskreis durchforsten und den Personen diese drei Grundmotivationen in einer Rangordnung zuordnen sollen, ist dies bei vielen wahrscheinlich sehr offensichtlich. Bei Kindern treten diese inneren Motive noch nicht so deutlich zu Tage. Trotzdem lässt ihr Verhalten in vielen Situationen schon darauf schließen, was sie antreibt. Mit dem folgenden Motivations-Test können Sie erkennen, zu welchem Motivationstyp Ihr Kind tendiert.

Motivations-Test: Welcher Motivations-Typ ist Ihr Kind?

Aufgabe 1 im Motivations-Test:

Ihre Tochter hat drei Freundinnen zu Besuch, von denen eine zurzeit einen eingegipsten Arm hat. Zwei Mädchen und Ihre Tochter wollen eigentlich gerne rausgehen und klettern. Die vierte Freundin wäre dabei ausgeschlossen, weil sie mit dem Gipsarm nicht mitspielen kann. Eine Diskussion entwickelt sich. Wie reagiert Ihre Tochter?

  • a) Sie verzichtet auf das Klettern, macht Alternativvorschläge und versucht, ein Spiel zu finden, an dem alle Spaß haben. Die Freundin mit dem eingegipsten Arm tut ihr Leid und sie möchte sie nicht ausschließen. (Anschluss/Zuneigung)
  • b) Sie klettert wahnsinnig gerne und freut sich schon sehr darauf, beweisen zu können, dass sie es am besten kann. Ohne Rücksicht auf die kranke Freundin geht sie zunächst mit den beiden anderen klettern, anschließend wird dann wieder gemeinsam etwas gespielt. (Leistung)
  • c) Der Klettervorschlag kam von Ihrer Tochter, und daher besteht sie auch darauf, dass er umgesetzt wird. Ihrem Kind ist es nämlich sehr wichtig, dass seine Vorschläge auch angenommen werden. (Macht)

Motivations-Test, Aufgabe 2:

Ihr Sohn hat am Wochenende ein wichtiges Fußballspiel. Gleichzeitig feiert ein Onkel Geburtstag, und die ganze Familie ist eingeladen. Am Mittagstisch entzündet sich eine heftige Diskussion, was wichtiger ist: zusammen Geburtstag zu feiern oder zum Fußballspiel zu gehen. Wie reagiert Ihr Sohn?

  • a) Er wägt ab, ob ihm seine Fußballfreunde oder der Onkel wichtiger sind. Kann er im Spiel gut ersetzt werden, wählt er den Geburtstag, um dem Onkel eine Freude zu machen. Ist er ein unverzichtbarer Spieler, versucht er noch im Anschluss an das Spiel mitzufeiern. (Anschluss/Zuneigung)
  • b) Da Ihr Kind keine Gelegenheit auslässt, sein Können auf dem Fußballplatz zu beweisen, besteht er auch an diesem Wochenende auf seinem Einsatz. Der Geburtstag des Onkels rückt für ihn an die zweite Stelle. (Leistung)
  • c) Ihr Sohn behauptet, die Mannschaft könne nicht ohne ihn spielen. In einer heftigen Diskussion um die Geburtstagsteilnahme geht es Ihrem Sohn bald nicht mehr um die Feier an sich, sondern nur noch darum, Recht zu bekommen. Er verteidigt daher sein Fußballspiel gegen alle Einwände, auch wenn diese ihn eigentlich umstimmen müssten. (Macht)

Aufgabe 3 im Motivations-Test:

Ihr Kind kommt mit einer schlechten Note in der letzten Mathe-Arbeit nach Hause, obwohl es intensiv dafür mit seinem Vater gelernt hatte. Wie fühlt es sich?

  • a) Es ist enttäuscht, weil es vermutet, dass der Vater auch traurig sein wird. Sein ganzer Einsatz und die mühsame Lernarbeit haben sich nicht ausgezahlt. Das tut Ihrem Sohn sehr Leid. (Anschluss/Zuneigung)
  • b) Ihr Kind ist wütend, weil es ein paar blöde Fehler gemacht hat, die nicht hätten sein müssen. Zuhause rechnet es die Aufgaben nach und ärgert sich über die Schusselfehler. Es nimmt sich vor, beim nächsten Mal gründlicher zu arbeiten und früher mit dem Lernen anzufangen. (Leistung)
  • c) Ihr Kind fühlt sichn unterlegen, weil sein bester Freund und einige andere Kinder aus der Klasse in der Arbeit besser abgeschnitten haben. Es sucht nach Gründen, warum die Note ungerecht ist, und akzeptiert die Beurteilung nur schwer. (Macht)

Auswertung für den Motivations-Test:

Konnten Sie Ihrem Kind eindeutig einen Motivations-Typ zuordnen, oder schwanken die Verhaltensweisen zwischen zwei Typen? Nicht immer steht ein Motivations-Typ ganz klar an erster Stelle, oft vermischen sich auch zwei Beweggründe miteinander, und manchmal ist die echte Motivation noch schwer zu erkennen. Trotzdem gibt die Auswertung Ihnen zumindest eine grobe Richtung vor, was Ihr Kind motiviert.

Motivations-Test - Wie schätzt Ihr Kind sich selbst ein?

Zusätzlich ist es interessant zu erfahren, welches Selbstbild Ihr Kind von sich hat. Aber Vorsicht: Häufig stimmt die eigene Wahrnehmung (noch) nicht genau mit der Wirklichkeit überein. Was Ihr Kind glauben möchte, ist oft noch nicht das, was es in seinem Inneren bewegt. Lassen Sie trotzdem Ihr Kind selbst mit den sechs folgenden Fragen beurteilen, wie es sich verhalten würde. Kreuzt es bei einer Frage die 3, 4 oder 5 auf dem Zahlenstrahl an, können Sie in der Auswertungstabelle bei dem entsprechenden Motivationsbereich ein Kreuz machen. Falls es weniger Punkte ankreuzt, lassen Sie die Spalte einfach frei.

Wie wichtig ist es dir auf einer Skala von 1 bis 5, ... 1 2 3 4 5
(Skala: 1 = ganz unwichtig, bis 5 = ganz wichtig)
1. ... wie lieb dich dein Bruder/deine Schwester hat? (Anschluss/Zuneigung)
2. ... dass deine Spielvorschläge immer umgesetzt werden? (Macht)
3. ... ob du beim Spielen gewinnst? (Leistung)
4. ... ob du beim Sport der/die Beste bist? (Leistung)
5. ... dass die Mama dir einen Gutenachtkuss gibt? (Anschluss/Zuneigung)
6. ... dass du bestimmst, welchen Film du gucken darfst? (Macht)

Vergleichen Sie Ihren und den Motivations-Test Ihres Kindes

Bei der Auswertung sollten Sie deutlich mehr Wert auf Ihre Beobachtungen als auf die Aussagen Ihres Kindes legen. Trotzdem ist die Selbsteinschätzung interessant. Es ist toll, wenn Ihr Kind sich schon realistisch einschätzen kann, falls jedoch nicht, ist das absolut normal. Das geht selbst vielen Erwachsenen noch so. Allerdings könnten Sie darüber sprechen und Situationen nennen, in denen Ihr Kind anders, als es selber meint, reagiert hat.

So setzen Sie die innere Motivation zum Lernen ein!

Mit den Ergebnissen aus dem Motivations-Test können Sie jetzt natürlich auch arbeiten. Überlegen Sie, wie Sie Ihr Kind bisher zu motivieren versucht haben. Hatten Sie da manchmal das Gefühl, gegen eine Wand zu reden? Dann sollten Sie Ihre Strategie fortan ändern. Das könnte so aussehen.

So nutzen Sie die Ergebnisse aus dem Motivations-Test für den Macht-Typ

Locken Sie Ihr Kind mit zusätzlichen Befugnissen. Wenn es selbstständig arbeitet und lernt, dann bekommt es auch mehr Rechte im Familienalltag. Motivationshilfen:

  1. Erledigt es die Hausaufgaben zügig, darf es künftig selber bestimmen, wann sie gemacht werden.
  2. Setzt es sein Taschengeld sinnvoll ein, bekommt es den höheren Betrag künftig alle zwei Wochen und nicht, wie bisher, einmal in der Woche.

Das sagt der Motivations-Test über den Zuneigungs-Typ aus

Bei diesem Motivationstyp wirkt positive Zuwendung, intensives Lob sehr gut. Erkennen Sie seine Leistungen verbal an und zeigen Sie ihm, wie stolz sie auf seine Ergebnisse sind. Motivationshilfen:

  1. Erledigt es die Hausaufgaben zügig, erwähnen Sie das regelmäßig im Kreis der Familie und loben Sie Ihr Kind dafür.
  2. Setzt es sein Taschengeld sinnvoll ein, loben Sie häufig den Sinn Ihres Kindes für Geld und bestaunen Sie seine vernünftigen Ausgaben.

Bleiben Sie aber ehrlich und loben Sie nur das, was auch lobenswert und nicht selbstverständlich ist, z.B. sehr gründlich und schnell gearbeitet, eine gute Idee gehabt, ein schwieriges Problem alleine gelöst.

So fördern Sie den Leistungs-Typ nach dem Motivations-Test

Kinder, die sehr ehrgeizig sind, setzen sich gerne Ziele und erreichen oder überfliegen diese. Motivationshilfen:

  1. Zum schnellen Erledigen der Hausaufgaben lassen Sie Ihr Kind mit der Eieruhr lernen (bitte auf eine großzügig bemessene Zeit einstellen, damit Ihr Kind schneller sein kann). Schlägt es die eingestellte Zeit, fühlt es sich bestärkt.
  2. Locken Sie beim Einteilen des Taschengeldes mit Äußerungen wie: "Ich glaube nicht, dass du am Ende der Woche noch etwas übrig hast. Falls doch, gebe ich dir 0,50 € in der Woche dazu."

Mein Tipp: Auch wenn Sie heute Ihr Kind eindeutig einem Motivationstyp zuordnen können, muss das nicht auf Dauer so bleiben. Einprägende Ereignisse im Leben oder auch einfach nur das Älterwerden können zu Einsichten führen, die die Grundmotivation ändern.

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