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Erwachsen zu werden heißt Verantwortung für sich selbst und die Organisation und Gestaltung seines Lebens zu übernehmen.
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Rechte und Pflichten: So lernt Ihr Kind Verantwortung zu übernehmen

Erwachsen werden

Erwachsen zu werden heißt Verantwortung für sich selbst und die Organisation und Gestaltung seines Lebens zu übernehmen. Doch was heißt das genau für den Teenager selbst und für seine Eltern? Lesen Sie hier, was es bedeutet die Verantwortung für sich zu übernehmen, was Ihr Jugendlicher lernen muss und wie Sie ihn dabei angemessen unterstützen können. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Erwachsen werden muss ein Teenager erst lernen

Alle Eltern wollen, dass ihre Kinder sich zu gesunden und verantwortungsbewussten Erwachsenen entwickeln. Doch der Weg dorthin ist nicht immer einfach. Denn Verantwortung zu übernehmen ist manchmal durchaus kompliziert. Es bedeutet im Einzelnen,

  • das in einer Situation Notwendige und Angemessene zu tun und Schaden zu vermeiden.
    Beispiel: Ein Jugendlicher muss lernen, mit seiner neuen Gitarre pfleglich und vorsichtig umzugehen.
  • für seine Handlungen einzustehen und ihre Konsequenzen zu tragen.
    Beispiel: Wenn Ihr Teenager eine Vase kaputt gemacht hat, muss er die Scherben zusammenkehren und den Schaden (nach Absprache) ersetzen.
  • die eigenen Gefühle selbst regulieren zu können.
    Beispiel: Wenn Ihr Kind traurig ist, sollte es immer besser wissen, wie es sich selbst trösten kann bzw. was ihm jetzt guttut und was es braucht, damit es ihm wieder besser geht.
  • ein Bewusstsein dafür zu haben, dass man für sich selbst zuständig ist – und nicht andere!
    Beispiel: Wenn Ihr Kind nicht für die Klausur lernt, muss er die Verantwortung dafür übernehmen, wenn es eine schlechte Zensur bekommt. Es ist dann nicht die Schuld des „blöden Lehrers“.
  • Entscheidungen zu treffen und zu den Folgen zu stehen.
    Beispiel: Wenn Ihr Kind nicht mehr Klavier übt, muss es in Kauf nehmen, sich nicht zu verbessern oder sogar zu verschlechtern und letztlich keinen Spaß mehr am Unterricht zu haben.

Mein Tipp als Erziehungscoach

Wenn Ihr Teenager diese genannten Fähigkeiten noch nicht oder nur in geringem Maße beherrscht, ist das kein Grund zur Sorge. Er wird alles noch lernen. Vor allem, wenn Sie ihn dabei angemessen unterstützen. Erwarten Sie aber nicht zu viel auf einmal. Wichtige Lern- und Entwicklungsschritte vollziehen sich oft schubweise und langsam. Bleiben Sie also auch dann geduldig und zuversichtlich, wenn Ihr Kind gerade nicht weiterzukommen oder sogar Rückschritte zu machen scheint. Das ist alles in der Regel normal und unbedenklich – solange es Ihrem Kind gut geht.

 

Gut zu wissen: Verantwortung und Strafrecht

Der Jugendliche ist aus entwicklungspsychologischer Sicht noch nicht in der Lage, sein Handeln in vollem Umfang zu verantworten. Diesen Umstand hat unser deutsches Strafrecht berücksichtigt. Es sieht vor,

  • dass Kinder bis zum 14. Lebensjahr nicht strafmündig sind. Sie können nicht vor Gericht gestellt und daher auch nicht verurteilt werden;
  • dass Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren als bedingt strafmündig gelten. Sie können angeklagt und nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden, das milder ist als das Erwachsenenstrafrecht;
  • dass Heranwachsende zwischen 17 und 20 Jahren – je nach individuellem Reifegrad – noch nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden können.

12 Dinge, die Jugendliche in puncto Verantwortung lernen sollten
– und wie Sie dabei helfen können

1. lernen, ihre Termine selbst zu machen und diese einzuhalten
Überlassen Sie Ihrem Kind immer mehr die Aufgabe, sich um seine Termine selbst zu kümmern. Es kann dafür einen Online-Terminkalender nutzen. Führen Sie dafür eine Familienfreigabe für wichtige Termine ein. So haben Sie Arzttermine etc. im Blick und können Ihr Kind ggf. daran erinnern.

2. ihre Schulangelegenheiten (überwiegend) selbstständig regeln
Fragen Sie immer weniger nach, welche Hausaufgaben Ihr Kind aufbekommen hat. Sagen Sie ihm auch, dass Sie von ihm erwarten, dass es sich eigenständig darum zu kümmern hat. Und wenn das noch nicht klappt: Eine freundliche Erinnerung kann hier natürlich nicht schaden!

3. langsam lernen, mit ihren Launen umzugehen und diese zu regulieren
Sie helfen Ihrem Kind am besten dabei, seine Launen zu regulieren, indem Sie diese zwar ernst nehmen, aber emotional nicht zu sehr darauf einsteigen. Schimpft Ihr Kind, sagen Sie: „Oh Mann, das regt dich ja echt auf!“ Ist es traurig, trösten Sie es. Ist es mutlos oder frustriert, bauen Sie es wieder auf. So lernt Ihr Teenager am besten, wie er sich selbst trösten, Mut machen oder beruhigen kann.

4. eine gute Mischung zwischen gesundem Egoismus und
Rücksichtnahme und
Kompromissbereitschaft entwickeln
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind lernt, angemessen Rücksicht auf andere zu nehmen, sich selbst aber nicht aus dem Blick zu verlieren. Fragen Sie es durchaus öfter mal: „Was willst du denn?“, z.B., wenn es Probleme mit Freunden hat. Andererseits können Sie es auch dazu aufmuntern, sich mal in andere hineinzuversetzen („Was glaubst du denn, wie sich XY jetzt fühlt?“). Damit wachsen Empathie Fähigkeit, die Fähigkeit zur Rücksichtnahme und die Kompromissbereitschaft.

5. lernen, soziale Verantwortung zu übernehmen, z.B. in Gruppen zu kooperieren
Führen Sie oft Familiengespräche und lösen Sie gemeinsam Probleme. Das fördert die Fähigkeit Ihres Kindes, sich mit anderen auseinanderzusetzen und zu kooperieren. Seien Sie hierfür auch ein gutes Beispiel, z.B. indem Sie auch mal Kompromisse eingehen, aber auch für Ihre Überzeugungen einstehen und kämpfen. Auch ein Teamsport oder eine ehrenamtliche Tätigkeit in einer sozialen Einrichtung kann die sozialen Kompetenzen Ihres Teenagers fördern.

6. lernen, eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten
Debattieren Sie viel in der Familie. Akzeptieren Sie unterschiedliche Ansichten und Meinungen. Fragen Sie Ihren Teenager auch oft nach seiner Einstellung zu bestimmten Themen oder Problemen. Auch wenn er noch keine eigene Position dazu gefunden hat: Solche Fragen zeigen ihm, dass Ihnen seine Meinung wichtig ist. Und Sie regen ihn zum Nachdenken an.


7. eigene Interessen entwickeln,
neue Hobbys ausprobieren etc.
Lassen Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren. Oft müssen Kinder mehrmals die Sportart oder sogar das Instrument wechseln, um das „Richtige“ zu finden. Zwingen Sie es nicht, ein „Kinderhobby“ weiterzumachen, wenn das Interesse daran erloschen ist. Ermutigen Sie es, auch mal etwas Neues oder Ungewohntes auszuprobieren. Und wenn es sich gerade für gar nichts interessiert oder entscheiden kann: Haben Sie Geduld, das kommt!

8. immer öfter Entscheidungen selber treffen
Fragen Sie Ihren Teenager nach seinen eigenen Vorstellungen, z. B. wie lange er auf einer Feier oder bei einem Freund bleiben möchte. Sind diese realistisch und angemessen: prima! Wenn nicht, verhandeln Sie mit Ihrem Kind, bis Sie eine passende Lösung gefunden haben. WICHTIG: In letzter Konsequenz tragen Sie die Erziehungsverantwortung!

9. lernen, zu seinen „Fehlern“ zu stehen und die Konsequenzen zu tragen
Schimpfen Sie nicht mit Ihrem Teenager, wenn er einen Fehler gemacht hat, sonst wird er es immer vermeiden, einen Fehler überhaupt einzugestehen. Gehen Sie kulant damit um, wenn er etwas „falsch“ oder nicht besonders gut gemacht hat. Überlegen Sie lieber gemeinsam, was man das nächste Mal „besser“ oder anders machen könnte.

10. lernen, auf die eigene Gesundheit und sein Wohlbefinden zu achten
Weisen Sie Ihren Teenager immer wieder freundlich darauf hin, gut auf seinen Körper und dessen Signale zu achten. Betonen Sie, dass man den Körper und dessen tägliche Leistung wertschätzen muss. Seien Sie diesbezüglich auch ein gutes Vorbild. Übertreiben Sie es aber auch bitte nicht: Auch Süßigkeiten, Chips und Cola müssen mal erlaubt sein!

11. sich selbstständig von A nach B bewegen, mit Bus, Fahrrad, Bahn etc.
Nehmen Sie sich immer mehr mit Chauffeurdiensten zurück. Fordern Sie Ihr Kind auf, sich selbstständiger zu bewegen und sich immer häufiger selbst zu orientieren. Das „Mama-Taxi“ sollte langsam ausgedient haben.

12. bestimmte Haushaltstätigkeiten beherrschen
Zeigen Sie Ihrem Teenager, wie er die Waschmaschine und Spülmaschine bedient. Erklären Sie ihm, wie er am besten putzt, und kochen oder backen Sie etwas gemeinsam. Natürlich kann Ihr Kind sich das auch selbst beibringen, wenn es von Ihnen keine „Belehrungen“ mehr annehmen will. Praktische Haushaltstipps gibt es auf www.youtube.com oder www.wikihow.de, leckere und einfache Rezepte z.B. auf www.chefkoch.de

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