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Identität finden in der Pubertät
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Pubertät: Diese Faktoren behindern die Identitätsbildung Ihres Kindes

Wenn aus Kindern Persönlichkeiten werden

Die eigene Identität zu finden und den Charakter weiter zu entwickeln fällt Jugendlichen im Pubertätsalter oft nicht leicht. Auch gibt es Faktoren, die die Identitätsbildung verhindern oder verzögern können. Lesen Sie hier, worauf Sie achten müssen. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Diese Faktoren behindern die Identitätsbildung Ihres Kindes

Zweifelsohne verläuft Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung bei Jugendlichen nicht immer „glatt“. Eltern haben oft Ängste und Sorgen, dass Sie Ihre Kind verlieren - oder auch durch falsche Freunde "abrutschen". Doch auch Sie können die Persönlichkeitsentwicklung stören. 

Überbehüteter Erziehungsstil hemmt die Persönlichkeitsentwicklung Ihres Kindes

Ihr Kind benötigt gerade in der Pubertät Freiraum, um sich auszuprobieren und kennen zu lernen. Sowohl überbehütete als auch von Eltern dominierte Jugendliche haben diesen Freiraum nicht. Sie werden von ihren Eltern oft räumlich wie geistig-seelisch so „festgehalten“, dass ihnen aus eigener Anstrengung eine Befreiung nicht gelingt. Unsicherheit und/oder Aggressionen können die Folge sein. Beides trägt nicht zu einer gesunden Identitätsbildung bei. Der Heranwachsende wird so von den Eltern unterdrückt und beeinflusst, dass er nicht in der Lage ist, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

Mein Tipp: Lassen Sie Ihrem Kind in der Pubertät den Freiraum, die eigene Identität zu entwickeln!
  • Achten Sie darauf, dass Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes nicht ins Wanken bringen, indem Sie Ihr Kind mit Ihren Sorgen, Ängsten und Bedenken belasten. Jede Mutter macht sich Sorgen, wenn Ihr Kind zum Beispiel zum ersten Mal ohne Eltern verreisen will. Doch Ihre Bedenken und Sorgen verunsichern Ihr Kind nur bei dem Versuch, eine neue Herausforderung zu meistern. Machen Sie ihm (und sich selbst!) stattdessen Mut und zeigen Sie ihm, dass Sie Vertrauen in seine Fähigkeiten und sein Verantwortungsbewusstsein haben.
  • Übertriebener Kontrolle oder Dominanz liegt ebenfalls oft ein Vertrauensproblem zugrunde. Sie trauen Ihrem Kind zum Beispiel nicht zu, dass es aus eigener Kraft gute Noten schreibt, geben ihm daher sein Lernpensum vor und kontrollieren, ob es sich auch daran hält. Auf Dauer wird Ihr Kind so immer unsicherer und unselbstständiger: Es fühlt sich als „Erfüllungsgehilfe“ elterlicher Leistungswünsche.

  • Daher: Fragen Sie Ihr Kind nach seinen eigenen Wünschen und Zielen. Bestärken Sie es und vertrauen Sie ihm, dass es seine Ziele auch erreichen kann. Stehen Sie ihm dabei freundschaftlich helfend zur Seite und nicht als Kontrolleur oder Besserwisser.


Cliquen beeinflussen die Identitätsbildung - positiv wie negativ

In der Pubertät, wenn alles im Umbruch und unsicher ist, braucht Ihr Kind Halt und Orientierung. Findet Ihr Kind dies nicht in der Familie, bietet ihm die Clique hier „Ersatz“. Doch die Clique ist nicht unbedingt ein zuverlässiger Ort zur Ausbildung einer stabilen Persönlichkeit. Herrschen in der Clique harsche Hierarchien oder moralisch unzulässiges bzw. gewalttätiges Verhalten, kann das Ihr Kind, wenn keine positive „Gegenwelt“ existiert, negativ in seiner Persönlichkeit beeinflussen.

Mein Tipp: Zur Persönlichkeitsentwicklung brauchen Pubertierende gute Vorbilder!
Beobachten Sie Ihr Kind genau und schauen Sie, welche Person in der Familie oder im Freundeskreis als „Vertrauensperson“ für Ihr Kind von Interesse ist. In der Pubertät suchen sich viele Jugendliche gerne andere Vorbilder oder „Mentoren“ als die eigenen Eltern. Auch der Fußballtrainer oder die Tanzlehrerin kommen hier in Frage. Fehlt Ihrem Kind ein solcher Mentor, begeben Sie sich auf die Suche.

Elterliche Projektionen stören die Persönlichkeitsentwicklung der Pubertierenden

Wenn Heranwachsende Wünsche der Eltern ausleben müssen und ihnen keine eigene Persönlichkeit zugestanden wird, ist der Prozess der Identitätsbildung gefährdet. Häufiger und schneller als gedacht neigen Eltern dazu, eigene unerfüllte Wünsche oder bestimmte Erwartungen auf ihr Kind zu übertragen.„Ich hätte so gerne studiert, und du hast nun alle Möglichkeiten dazu…. Kinder möchten aber Ihre eigene Persönlichkeit und Identität entwickeln und nicht eine "verbesserte Version" ihrer Eltern sein.

Mein Tipp: Gestehen Sie Ihrem Kind eine eigene Persönlichkeit zu!
Überprüfen Sie, ob Ihre Wünsche und Erwartungen auch tatsächlich den Fähigkeiten, Neigungen und Interessen Ihres Kindes entgegenkommen. Falls nicht, setzen Sie Ihr Kind nämlich unnötigem Druck und belastenden inneren Kämpfen aus. Beides trägt nicht zur Entwicklung einer gefestigten Identität bei.


Das Fehlen realer positiver Vorbilder hemmen die eigene Identitätsbildung

Gerade weil Heranwachsende sich oft unsicher und unvollkommen fühlen, ihre Identität und ihren Charakter entwickeln, sind sie auf der Suche nach Halt und Orientierung. Das macht sie besonders in der schwierigen Zeit der Pubertät leicht beeinflussbar. Auf der Suche nach einer eigenen Identität „spielen“ sie mit verschiedenen Rollen und testen, was sich gut und richtig anfühlt und was falsch. Fehlen in dieser Zeit echte, reale Vorbilder – beispielsweise die Eltern, ein Onkel oder eine Tante, ältere Geschwister, Sporttrainer oder der Musiklehrer etc. –, locken umso mehr die falschen Vorbilder oder Idole aus der Medien- und Phantasiewelt. Das Reizvolle an diesen falschen Vorbildern ist schnell erklärt: Die angehimmelten Stars und Sternchen werden als „gefilterte Personen“ mit nur positiven oder coolen Eigenschaften gezeigt. Durch das Verehren dieser „Persönlichkeiten“ gleichen die Pubertierenden eigene Defizite aus und werden in Ihrer Phantasie selbst zum Star. Echte Vorbilder hingegen sind Menschen mit guten Eigenschaften, aber auch Fehlern. Gerade ihr Umgang mit den eigenen Defiziten sollte Jugendlichen als wertvolle Orientierung bei der Ausbildung einer eigenen Identität dienen.

Mein Rat: Reden Sie mit Ihrem Kind über die Unterschiede zwischen echten Vorbildern und Idolen. Besprechen Sie mit ihm, wie Sie mit Ihren eigenen Fehlern und Defiziten umgehen, und diskutieren Sie darüber, wie das andere Menschen aus Ihrem Umfeld oder Prominente (Politiker, Musiker etc.) tun. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es trotz seiner Fehler lieben.

Mein Tipp: Bleiben Sie in Kontakt! Ihre Meinung als Eltern ist und bleibt nicht nur in der Pubertät für Ihr Kind äußerst bedeutsam. Sie werden den Kontakt zu Ihrem Kind am besten (be)halten, wenn Sie nach dem Grundsatz handeln: „Hilf mir, aber zeig mir nicht, dass du hilfst!“ Diese Grundhaltung zeigen Sie Ihrem Kind,

  • indem Sie es bedingungslos annehmen, also es so lassen, wie es ist,
  • indem Sie ihm Verantwortung übertragen und ihm seine Selbstständigkeit zutrauen,
  • indem Sie sein Selbstbewusstsein stärken und es immer wieder ermutigen,
  • indem Sie ihm Ihre Gesprächsbereitschaft signalisieren und
  • indem Sie Ihr Kind nicht mit anderen Heranwachsenden vergleichen.

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