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Ohne Regeln und Grenzen geht es im Miteinander nicht. Lesen Sie hier, wie Sie Ungehorsamkeit bei Kindern vorbeugen können oder im Akutfall richtig reagieren.

Richtiger Umgang mit ungehorsamen Kindern

Ungehorsamkeit bei Kindern

Nicht nur Kinder im Trotzalter sind ungehorsam und probieren immer wieder aufs Neue aus, wo bei ihren Eltern die Toleranzschwelle liegt. Doch ohne Regeln und Grenzen geht es im Miteinander nicht. Lesen Sie hier, wie Sie Ungehorsamkeit bei Kindern vorbeugen können oder im Akutfall richtig reagieren. 

Expertenrat von 

Umgang mit Ungehorsam: Wie viel versteht Ihr Kind in welchem Alter?

Auch wenn Krabbelkinder trotz Verbotes immer und immer wieder auf die Zimmerpflanzen zusteuern und in der Erde buddeln: Die Kleinen sind nicht unbedingt ungehorsam. Sie wollen alles entdecken und haben Mamas Ermahnung, die Blumen in Ruhe zu lassen, längst wieder vergessen.

Erst ab einem Alter von zwei Jahren können sich Kinder bewusst an Regeln halten, die ihnen die Eltern vorgegeben haben. Kinder unter drei Jahren sind noch nicht in der Lage, über Sinn und Unsinn von Regeln nachzudenken. Sie machen sich Regeln „automatisch“ zu Eigen, weil sie den Großen nacheifern wollen und feststellen, dass das vorteilhaft für sie ist. Vier- bis Sechsjährige beginnen, Regeln auszuhandeln – häufig beim Spielen mit Gleichaltrigen – und damit zu experimentieren.

Kindergartenkinder fordern Regeln ein. Sie testen aus, wie weit sie gehen und welche Grenzen sie mit ihrem „Nein! Ich will nicht!“ übertreten können. Und wenn ihr Verhalten ohne Folgen bleibt, gehen sie beim nächsten Mal noch einen Schritt weiter. Irgendwann hören sie dann gar nicht mehr, und die verzweifelten Eltern haben ein Kind zu Hause, das sich ohne lange Diskussionen noch nicht einmal mehr die Zähne putzt. Auch wenn es anstrengend ist: Setzen Sie durch, dass Ihr Kind die bestehenden Regeln befolgt. Ist das Zähneputzen vor dem Schlafengehen erst einmal zu einer festen Gewohnheit geworden, müssen Sie nicht jeden Abend neu verhandeln.

Was steckt hinter Ungehorsamkeit bei Kindern?

Ein gewisses Maß an Ungehorsam ist normal. Doch wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind sehr schlecht gehorcht, sollten Sie Ursachenforschung betreiben.

Will Ihr Kind mit dem Ungehorsam  Ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen?

Beobachten Sie einmal, wie es bei Ihnen läuft: Loben Sie Ihr Kind, wenn es ohne Diskussion einer Anordnung Folge leistet, oder sehen Sie das als selbstverständlich an? Die meisten Eltern erwarten Gehorsam von ihrem Kind und finden es selbstverständlich, dass ihren Anordnungen Folge geleistet wird. Und wenn der Sprössling dann nach der dritten Ermahnung endlich macht, was er soll, haben sie oft das Gefühl „Na endlich! Warum nicht gleich so?“ und wenden sich wieder anderen Dingen zu. Bekommt Ihr Kind jedoch nach Erledigung der Aufgabe weniger Aufmerksamkeit als zuvor, als Sie sich gezwungenermaßen mit ihm beschäftigen mussten, lohnt sich das Gehorchen nicht sonderlich. Da hilft nur eines: promptes Lob, wenn es eine Aufgabe erledigt hat.

Umgehorsamkeit bei Kindern kann auch ein Zeichen von Überforderung sein

Gibt es zu viele Verbote und Regeln oder sind diese nicht altersgemäß? Für manches Kind können sogar altersgemäße Regeln noch zu hoch gesteckt sein, etwa bei ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts-Syndrom). Es ist verständlich, dass Ihr Kind Regeln immer wieder übertritt, wenn diese es zu stark einengen. Geben Sie besser nur wenige Regeln vor und setzen Sie sie dafür konsequent durch. Kindergartenkinder können schon einbezogen werden, wenn es gilt, Regeln aufzustellen und auszuhandeln. Besprechen Sie gemeinsam, in welchen Bereichen Sie bestimmen und was Ihr Kind entscheiden darf.

Mögliche Ursachen: Wird Ihr Kind häufig bestraft? Sind Ihre Strafen sinnvoll?

Strafe kann neue Unfolgsamkeit hervorrufen, wenn Ihr Kind sich ungerecht behandelt fühlt. Wenn eine Strafe nichts nützt, macht es wenig Sinn, sie zu wiederholen oder zu verschärfen. Eine sinnvolle Strafe sollte in Zusammenhang mit der „Tat“ stehen. Dann handelt es sich um eine so genannte logische Konsequenz. Wenn Ihr Kind z. B. mit Spielzeug wirft und auf Ihre Aufforderung, damit aufzuhören, nicht reagiert, müssen Sie ihm als Konsequenz das Spielzeug für eine gewisse Zeit abnehmen. Hat es beim Herumwerfen des Spielzeugs gar etwas zerbrochen, sollte es (wenn gefahrlos möglich) die Scherben entfernen oder den Gegenstand mit Ihnen reparieren. Hat Ihr Kind beim Spazierengehen nicht gehorcht und ist Ihnen davongelaufen, muss es entweder in den Kinderwagen oder konsequent an der Hand gehen. Im Wiederholungsfall beenden Sie den Spaziergang und gehen nach Hause.

Nörgeln Sie viel an Ihrem Kind herum oder drohen Sie häufig?

Wenn Ihr Kind ohnehin das Gefühl hat, nichts richtig zu machen, braucht es sich sowieso nicht mehr zu bemühen. Drohungen nutzen sich schnell ab, insbesondere wenn Ihr Kind gelernt hat, dass das Angedrohte nur selten eintrifft: Wenn Mami oder Papi zwar drohen, dass es kein Fernsehen gibt, wenn nicht aufgeräumt wird, man nachher nach etwas Betteln aber doch vor der Glotze sitzen darf, braucht man die Eltern doch nicht wirklich ernst zu nehmen, oder? Das Einhalten von Regeln klappt auf längere Sicht viel besser, wenn Ihr Kind sie einsieht und durch positive Anreize wie Zuwendung motiviert ist. Lassen Sie sich jedoch nicht auf Belohnungen für Selbstverständlichkeiten wie Aufräumen oder Tischdecken ein, denn wenn Sie jedes Mal dafür „bezahlen“, wird Ihr Kind ohne materiellen Anreiz kaum noch zu motivieren sein.

  • So finden Sie mit geschickten Fragen heraus, welche Ziele Ihr Kind verfolgt
    Sprechen Sie in Ich-Botschaften mit Ihrem Kind und äußern Sie so Ihre Vermutung, z. B.: „Könnte es sein, dass du möchtest, dass ich mich mehr mit dir beschäftige?“, wenn Sie denken, Ihr Kind will mit seinem Verhalten Ihre Aufmerksamkeit fesseln. Jede „Könnte es sein ...“-Frage signalisiert Ihrem Kind, dass Sie nicht alles wissen und es nur selbst die richtige Antwort geben kann. In der Frage ist keine verdeckte Anklage enthalten, die Ihr Kind in die Defensive drängt. Ganz im Gegenteil: Schon durch die Frage fühlt sich Ihr Kind angenommen und verstanden.

Mit diesen 5 Kommunikationstipps folgt Ihr Kind besser

1.Sichern Sie sich die Aufmerksamkeit Ihres Kindes.
Sprechen Sie es mit seinem Namen an, sehen Sie ihm in die Augen, gehen Sie vielleicht vor ihm in die Hocke, damit Sie auf gleicher Augenhöhe sind. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind hört nicht richtig zu, können Sie es nach Ihrer Anweisung fragen: „Also, was sollst du tun?“ und Ihr Kind die Anweisung wiederholen lassen.
2.Sagen Sie mit bestimmter Stimme und in klaren Worten, was Ihr Kind tun soll.
Ihr Kind muss wissen, dass Ihre Anweisung oder Ihr Verbot keine schüchterne Bitte oder eine Frage mit Wahlmöglichkeit ist! Fragen Sie nicht „Möchtest du jetzt ins Bett gehen?“, sondern sagen Sie klipp und klar „Es ist jetzt Zeit, dass du ins Bett gehst“. Geben Sie keine komplizierten Anweisungen, sondern sprechen Sie so einfach wie möglich.
3.Vermeiden Sie das Wörtchen „nicht“.
Sagen Sie Ihrem Kind nicht, was es nicht tun soll, sondern teilen Sie ihm genau mit, was Sie von ihm erwarten (statt „Schmatz nicht so“ z. B. besser: „Mach beim Kauen den Mund zu“).
4.Geben Sie nur eine oder zwei Anweisungen auf einmal.
Aufzählungen von mehreren Aufgaben, die Ihr Kind hintereinander erledigen soll, überfordern es höchstwahrscheinlich. Warten Sie ab, bis es eine Anweisung ausgeführt hat, und geben Sie dann erst die nächste.
5.Vermeiden Sie Zweideutigkeiten.
Wenn Sie Ihrem Kind mit sanfter Stimme etwas verbieten und gleichzeitig lächeln, weiß Ihr Kind nicht, ob es den Worten oder aber Ihrer Körpersprache glauben soll. Denn Ihre Worte sagen „nein“, obwohl die Körpersprache zum Übertreten des Verbotes animiert.

 

Erste Hilfe bei Ungehorsam

Viele Eltern sind etwas ratlos, wie sie ihrem ungehorsamen Kind Grenzen setzen und gleichzeitig auf Bestrafungen verzichten können. Die beiden wichtigsten Regeln für Eltern lauten: 

  1. Reagieren Sie möglichst prompt und vorhersehbar auf ein Fehlverhalten Ihres Kindes. 
  2. Handeln Sie, statt zu reden! 

Ermahnen Sie Ihr Kind nicht wieder und wieder. Lassen Sie sich nicht in lange Diskussionen verwickeln. Sorgen Sie spätestens nach einer Ermahnung dafür, dass Ihr Kind Ihrer Aufforderung nachkommt. Dazu ist in aller Regel Ihre körperliche Anwesenheit nötig, denn es nutzt nichts, wenn Sie nur aus dem Nebenzimmer herüberrufen, was Ihr Kind machen soll: Gehen Sie zu Ihrem Kind hin. Oft fängt es dann schon an zu tun, was es soll. 

Führen Sie ihm die Hand. Wenn Ihr Kind seine Jacke auf den Boden gepfeffert hat und keine Anstalten macht, sie aufzuhängen, können Sie dies mit ihm zusammen tun. Entfernen Sie den Grund für seinen Ungehorsam. Spielt Ihr Kind im Wohnzimmer Fußball, obwohl es das nicht darf, nehmen Sie ihm den Ball ab. Entfernen Sie Ihr Kind vom Schauplatz. In hartnäckigen Fällen braucht Ihr Kind eine Auszeit, z. B. wenn es ständig andere Kinder schlägt oder ärgert, ununterbrochen stört oder andere beschimpft. Führen Sie Ihr Kind freundlich, aber klar und bestimmt in ein anderes Zimmer. Tragen Sie es notfalls, wenn es nicht freiwillig geht. Anschließend sollte es dort so viele Minuten bleiben, wie es Jahre alt ist. Tobt und schreit es anhaltend weiter, sollte es dort so lange bleiben, bis es sich wieder beruhigt hat.

Versuchen Sie, folgendes zu vermeiden

  • Machen Sie nicht zu viel Aufhebens um das Fehlverhalten, sondern konzentrieren sich auf das erwünschte Verhalten und fördern Sie es, z. B. durch Lob. Natürlich sollten Sie Ihrem Kind erklären, warum es etwas nicht darf, doch lassen Sie sich nicht auf endlose Diskussionen ein. Ihr Kind lernt durch Ihr Vorbild ohnehin mehr als durch Ihre Worte. 
  • Explodieren Sie nicht wegen Kleinigkeiten. Viele Eltern wollen gerne tolerant sein, aber irgendwann reißt ihnen der Geduldsfaden und sie schreien bei einem an und für sich unerheblichen Fehlverhalten los. Solche unvorhersehbaren Ausbrüche verunsichern Ihr Kind. Korrigieren Sie unerwünschtes Verhalten lieber sofort, dafür aber angemessen. 
  • Kritisieren Sie nicht Ihr Kind, sondern nur sein Verhalten. Vermeiden Sie Aussagen wie „Stell dich doch nicht so blöd an!“ oder „Du machst aber auch alles falsch!“. Generalisierungen wie „Immer machst du...“ oder „Nie machst du ...“ wirken besonders verletzend.

Beispiel: Richtig reagieren bei Aufräumstreik

Weil Kinder sich gerne vor dem Aufräumen drücken, finden Sie hier einige Möglichkeiten, wie Sie damit umgehen können. Schaffen Sie „spielzeugfreie Zonen“ und bestehen Sie auf Einhaltung dieser „heiligen Räume“ (z. B. Elternschlafzimmer, Arbeitszimmer). Vereinbaren Sie Aufräumregeln. Wenn Ihr Kind beispielsweise im Wohnzimmer spielen darf, muss es dort bis zum Abendessen sein Spielzeug wieder aufgeräumt haben. Im Kinderzimmer hingegen können Sie großzügiger sein. Lassen Sie Unordnung verschwinden„Herrenlos“ in der Wohnung herumfliegendes Spielzeug, das auch nach ein- bis zweimaliger Ermahnung nicht aufgeräumt wurde, kommt in einen Karton, der drei bis vier Tage lang zu bleibt. Räumen Sie nicht für Ihr Kind auf, sondern lieber mit ihm. Wenn verstreutes Spielzeug nur dazu führt, dass Mama oder Papa auf allen Vieren herumkriechen und alles wieder aufheben, gibt es keinen Grund für Ihr Kind, das selbst zu tun.

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