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Schüler beim Auswendiglernen über verschiedene Wahrnehmungskanäle
© Prudencio Alvarez - 123rf.com

Die 5 besten Tipps beim Auswendiglernen

Gelerntes behalten

Besonders bei Fächern wie Mathe sind effektive Lerntipps wichtig, um den Lernstoff zu behalten. Wiederholtes Durchlesen der Unterlagen reicht nicht aus, besser werden alle Wahrnehmungskanäle beansprucht. Wie das gelingt, erfahren Sie hier. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

So behält Ihr Kind sogar Matheformeln

Ab der 5. Klasse kommen Schülerinnen und Schüler um mathematische Formeln nicht herum. Ob bei der Berechnung von Flächen oder dem Lösen von Gleichungen – ohne Formeln geht gar nichts. Den Kids wäre es am liebsten, die Formeln unter das Kopfkissen zu legen und im Schlaf zu lernen. Doch leider funktioniert das nicht. Um etwas auswendig zu lernen, muss der Lerninhalt verstanden, mehrfach wiederholt und im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden. So sind die Matheformeln auch in den nächsten Schuljahren noch abrufbar. Wie bei unseren 5 Teenager-Lernexperten.

Zunächst muss Ihr Kind die Formel verstehen

Ein stures Auswendiglernen, ohne den Sinn der Formel zu verstehen, funktioniert auf Dauer nicht. Stellen Sie sicher, dass Ihr Teenager verstanden hat, um was es geht.

  • Lassen Sie sich die Formel erklären.
  • Sehen Sie sich gemeinsam Erklärvideos bei YouTube an.
  • Lesen Sie gemeinsam die Erklärungen im Mathebuch.
  • Rechnen Sie mindestens zwei Testaufgaben aus dem Heft Ihres Kindes zusammen nach.

Überblick der besten Tipps zum Auswendiglernen

KindLerntypMethoden
Niklasakustischer Lerntyp

• sich selber laut vorlesen
• mehrfach vorlesen lassen
• aufs Handy sprechen und immer wieder anhören

Sarahvisueller Lerntyp (Augen)

• ein Bild mit der Formel malen, möglichst bunt, und gut sichtbar aufhängen
• ein Erklärvideo ansehen
• die Formel als Startbild aufs Handy
• Formel im Mathebuch ansehen

Leon(fein-)motorischer Lerntyp• viele Beispiele aufmalen
• für jemanden anderen nachlegen, z.B. Bruchrechnen mit Lego
• ein eigenes Formelbuch zeichnen oder als Video aufnehmen
Anna-Sophie(grob-)motorischer Lerntyp• Formel beim Bewegen immer wieder aufsagen
(Reiten, Rennen, auf dem Hometrainer, beim Tanzen)
Timkommunikativer Lerntyp• über die Formel sprechen
• die Formel jemandem erklären
• Austausch mit der Lerngruppe

Die 5 Tipps zum Auswendiglernen – für jeden Lerntyp

etwas dabei Nicht jeder Schüler oder jede Schülerin lernt gleich. Je nach Lerntyp kommen die Informationen auf verschiedenen Wahrnehmungskanälen besser oder schlechter an. Wenn Sie wissen, welcher Lernweg für Ihr Kind der beste ist, können Sie gleich zum entsprechenden Tipp springen. Falls nicht, probieren Sie einfach alle 5 Tipps nach und nach aus. Eine Regel gilt jedoch immer beim Auswendiglernen: Ohne Wiederholungen wird das nichts!

1. Lernexperte Nr. 1: Niklas nutzt sein Gehör

Niklas (14 Jahre) ist, obwohl für einen Jungen eher ungewöhnlich, ein sogenanntes „Ohrentier“. Er merkt sich akustischen Input besonders gut, vielleicht weil er Gitarre spielt, seit er 10 Jahre alt ist. Dieses Hobby nutzt er auch zum Lernen. Um sich Matheformeln besser zu merken, denkt er sich zu jeder Formel eine Melodie auf der Gitarre aus. Clever, denn so schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Er widmet sich seinem Hobby und lernt Mathe. Natürlich nutzt er auch andere Möglichkeiten, wie das Aussprechen und Anhören auf seinem Smartphone oder die Erklärungen im Internet.

2. Lernexperte Nr. 2: Sarah nutzt ihre Augen

Sarah (13 Jahre) lernt am besten, indem sie sich etwas ansieht. Sie ist ein vorrangig visueller Lerntyp. Die Pythagoras-Formel hat sie sich groß aufgemalt. Das „Mathebild“ hängt jetzt über ihrem Schreibtisch, sodass sie die Formel automatisch immer wieder ansieht. Doch Sarah hatte noch eine tolle Idee. Sie hat ihr Bild fotografiert und als Startbildschirm auf ihr Handy gelegt. Nun sieht sie viele Male am Tag die wichtigen Formeln, ob sie will oder nicht. Das prägt sich ein. So schnell wird Sarah diese Formeln nicht mehr vergessen.

3. Lernexperte Nr. 3: Leon nutzt seine Hände

Leon (13 Jahre) muss immer etwas mit seinen eigenen Händen „erfassen“, um es zu verstehen. Er baut sich das rechtwinklige Dreieck einfach nach und überprüft am Objekt die Formel. Dazu nutzt er farbige Rechenstäbchen, die er zu einem Dreieck zusammenlegt. Weil Leon auch ziemlich geschickt am Computer ist, versucht er sich selber an einem Erklärvideo. Er nimmt seine Darstellung der Matheformel mit dem Handy auf und spricht dann noch die Erklärung dazu. Das ganze Projekt lädt er auf YouTube hoch, sodass andere auch davon profitieren können. Was für eine tolle Motivation, wenn erste positive Kommentare kommen!

4. Lernexperte Nr. 4: Anna-Sophie nutzt ihren Körper

Anna-Sophie ist nicht so angetan vom Internet, sie bewegt sich lieber. Die 14-Jährige reitet für ihr Leben gerne und geht einmal in der Woche mit Hunden aus dem Tierheim spazieren. Bei diesen Tätigkeiten sagt sie sich die Matheformeln im Rhythmus der Bewegung vor. Nach einem Ausritt kann sie meist eine neue Formel sehr gut auswendig.

5. Lernexperte Nr. 5: Tim nutzt seine Sprache

Tim (13 Jahre) ist eine „Quasselstrippe“, ständig muss er sich mitteilen. Alleine vor einem Mathebuch kann er sich überhaupt nicht zum Lernen motivieren. Deshalb hat Tim eine Lerngruppe, mit der er fast jeden Tag nach der Schule die Hausaufgaben macht. Hier diskutiert er auch die Matheformeln. Am liebsten erklärt er sie seinem Freund Sebastian, dabei lernt er fast nebenbei und ganz spielerisch. Immer öfter fragt ihn auch sein Vater, wie denn eigentlich dies oder jedes in Mathe berechnet wird. Tim ist dann sehr stolz, wenn er den Rechenvorgang erklären kann.

Am besten ist es, Ihr Teenager kombiniert die Methoden

Die meisten Menschen gehören nicht ausschließlich einem Lerntyp an, sondern kommen mit der Kombination von verschiedenen Methoden am besten zurecht. Das ist natürlich auch bei Teenagern so. Lassen Sie Ihr Kind auf jeden Fall selber herausfinden, wie es am besten lernt. Stellen Sie ihm ruhig die verschiedenen Methoden vor und fragen Sie nach, wo es sich wiederfindet. Bestimmt hat Ihr Kind selber noch eine tolle Idee, wie es am besten auswendig lernt. Diese sollten Sie unbedingt übernehmen. Je mehr Ihr Kind selber zum Lernen beiträgt, desto besser wird es sich Inhalte merken können.

Je persönlicher, desto besser

Um etwas Theoretisches wie den Satz des Pythagoras auswendig zu lernen, hilft auf jeden Fall auch ein persönlicher Bezug. Ganz bestimmt findet Ihr Teenager in seinem Zimmer oder in seinem Ranzen einen dreieckigen Gegenstand, der einen rechten Winkel hat. Das muss nicht immer das Geodreieck sein, sondern vielleicht eine Kaugummiverpackung, eine Kosmetikdose oder eine ausgefallene Postkarte. Mit diesen „realen“ rechtwinkligen Dreiecken lässt sich der Satz des Pythagoras viel besser merken.

Generell gilt: Nicht gleich etwas Aufregendes oder Neues anschließen

Für alle Lernmethoden gilt jedoch, sie nicht überzustrapazieren. Wenn Ihr Teenager sich gerade intensiv mit dem Satz des Pythagoras beschäftigt hat, sollte er seinem Gehirn danach Zeit geben, diese Inhalte auch zu verarbeiten. Am besten gelingt das durch ruhige Tätigkeiten, wie ein bisschen Musik hören, mit dem Bus zum Sport fahren oder durch einen Comic blättern.

Ganz sicher: Das Arbeitsgedächtnis lässt sich trainieren

Diese Erkenntnis der Wissenschaft macht Mut. Je häufiger Ihr Kind lernt, desto leichter geht es. Es ist übrigens auch erwiesen, dass gelernte Informationen besser abgerufen werden können, wenn dies in derselben Umgebung wie beim Lernen geschieht. Da Ihr Teenager sicherlich nicht immer in der Schule auswendig lernen möchte, können Sie diese Erkenntnis abwandeln. Lassen Sie ihn beim Auswendiglernen etwas essen oder trinken, das er dann später auch mit in die Klausur nehmen kann.

Mein Tipp: Konditionierung

Lassen Sie Ihr Kind beim Auswendiglernen eine Banane essen. Zur entsprechenden Matheklausur soll es dann ebenfalls eine Banane mitnehmen. Um sich an die Formel besser erinnern zu können, reicht oft ein Biss in das Obst. Diese Methode nennt man Konditionierung. Ihr Erfolg wurde von der Wissenschaft eindeutig nachgewiesen.

 

 

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