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Jugendliche loslassen
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Freiraum geben und trotzdem präsent bleiben

Viele Eltern hadern mit der Vorstellung, ihr Kind irgendwann „loslassen“ zu müssen. Sie verbinden damit oft Abschied und Verlust. Dabei geht es beim Loslassen weniger darum, den Kontakt einzuschränken, sondern vielmehr darum eine Beziehung auf Augenhöhe entstehen zu lassen. Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Kind auf dem Weg ins Erwachsenenalter am besten begleiten. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Entwicklungsziele in der Pubertät: Was Ihr Kind jetzt lernen muss und wie Sie ihm dabei helfen können

  1. Ihr Sprössling muss sich jetzt emanzipieren, also aus der Rolle des abhängigen und schutzbedürftigen Kindes herauswachsen. Das schafft es nur, wenn Sie Ihrerseits willens und in der Lage sind, ihm das zu gestatten und diesen Prozess zu befördern. Alles, was das Kind weiterhin unselbstständig hält, ist kontraproduktiv.
  2. Ihr Kind muss lernen, sich in seiner Einzigartigkeit anzuerkennen und anzunehmen. Das fällt ihm leichter, wenn es von den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen rundum angenommen wird und sich geliebt weiß. Sich geliebtzu fühlen, ist wunderbarer Humus, auf dem sich die Persönlichkeit des Jugendlichen gut entwickeln kann. Übrigens: Jemanden voll und ganz anzunehmen, heißt natürlichnicht, all seine Verhaltensweisen gutzuheißen und zu dulden. Einen Jugendlichen zu lieben, heißt nicht, sich alles gefallen zu lassen!
  3. Der Jugendliche muss lernen, seine Potenziale und Fähigkeiten zu entfalten, seine besonderen Begabungen und Interessen herauszufinden. Dabei helfen Sie ihm, indem Sie ihn spiegeln („Ich habe das Gefühl, dass du handwerklich wirklich was drauf hast“). Geben Sie ihm aber auch ein bisschen Zeit, das alles in Ruhe zu entwickeln. Erzwingenlässt sich hier nichts. Manche Kinder brauchen ein bisschen länger, um zu erkennen, wo ihre Interessen liegen.
  4. Der Jugendliche muss lernen, mit seinen „Schwächen“ umzugehen, seinen sich verändernden Körper kennen und lieben zu lernen etc. Auch hier gilt: Jemand, der sich insgesamt sicher angenommen fühlt, tut sich damit leichter. Der Prozess der Selbstannahme dauert aber seine Zeit: So kann es sein, dass Ihr Kind vorübergehend mit seinem Aussehen hadert oder sich über andere vermeintliche „Mängel“ grämt. Diese Selbstzweifel legen sich normalerweise mit der Zeit.
  5. Ihr Kind muss lernen, den eigenen Handlungsradius zu erweitern: Sowohl mental als auch räumlich orientiert es sich nun nicht mehr so dicht an den Eltern. Das bedeutet, dass der Jugendliche immer mehr Erfahrungen macht, die mit den Eltern nichts zu tun haben, etwa in der peer group, mit dem ersten Freund/der ersten Freundin etc. Eltern helfen ihren Kindern dabei am besten, indem Sie diesen wachsenden Einfluss anderer Menschen auf Ihr Kind nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung sehen und sich angemessen zurückhalten.

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