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Mutter und Tochter kurz nach einem Streit
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Die 7 größten Erziehungsfehler in der Pubertät

Erziehungstipps

Alle Eltern machen Fehler. Das ist menschlich und normal. Dennoch sollten Mütter und Väter natürlich versuchen, weniger hilfreiche Verhaltensweisen im Umgang mit ihren Kindern zu unterlassen. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie es schaffen, die wichtigsten Erziehungsfehler in der Pubertät zu vermeiden, und was Sie tun sollten, wenn Ihnen mal ein Fauxpas unterlaufen ist.  

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Um es gleich vorweg zu sagen: Fehler zu machen ist nicht schlimm. Auch nicht in der Erziehung und im Umgang mit den eigenen Kindern. Eltern sind schließlich auch nur Menschen. Und aus Fehlern kann man lernen. Vorausgesetzt, man ist bereit dazu, sich die Fehler einzugestehen und sich damit innerhalb der Familie auseinanderzusetzen. Wer ein gesundes Selbstbewusstsein hat, dem wird es nicht allzu schwer fallen, z. B. auch mal „Das war nicht geschickt von mir“ zu sagen und für eine bestimmte Verhaltensweise um Entschuldigung zu bitten. Ein kleiner Satz wie „Es tut mir wirklich leid, dass ich so laut/unfair/… war“ kann sehr hilfreich sein.

Die Kinder merken dadurch dann, dass ihre (verletzten) Gefühle gesehen und ernst genommen werden. Und vor allem schauen sie sich das ab und können dann (später) auch Fehler eingestehen und zugeben. Viele Reaktionen geschehen allerdings so unbewusst und schnell, dass wir das Gefühl haben, etwas geschehe „automatisch“. So kann es sein, dass wir auf eine relativ harmlose Aussage emotional heftig reagieren, ohne dass wir sofort verstehen, warum. Sollte Ihnen das öfter geschehen, sollten Sie sich mal fragen, was Sie so aufbrausen lässt. Es ist ohnehin wichtig, hin und wieder mal die eigenen (erzieherischen) Verhaltensweisen auf den Prüfstand zu stellen. Dafür könnten folgende Fragen hilfreich sein:

  • Was erreichen Sie mit Ihrem Verhalten? Ist es das, was Sie erreichen wollen, oder genau das Gegenteil davon?
  • Was provoziert Sie an Ihrem Kind? An welchem wunden Punkt erwischt es Sie dann?
  • Was wirft Ihnen Ihr Kind öfter vor? Ist an diesen Vorwürfen etwas Wahres dran?
  • Mit welchem Verhalten provozieren Sie regelmäßig den heftigen Widerstand Ihres Kindes? Was könnten Sie ändern?

Eine einzelne ungeschickte Reaktion, ein falscher Tonfall oder auch mal eine überschießende Strafe allein schaden einem Kind selten. Es sind eher die regelmäßig wiederkehrenden, grundsätzlichen „Fehler“, die – wenn nicht dem Kind – zumindest der Beziehung zwischen Eltern und Kind Schaden zufügen können.

Mein Tipp
Seien sie selbstkritisch, aber gehen Sie auch nicht zu hart mit sich ins Gericht, wenn Sie merken, dass Sie sich mal ungeschickt ausgedrückt oder unangemessen heftig reagiert haben. Sagen Sie Ihrem Kind aber dann auch, dass es Ihnen leid tut. Tun Sie das aber bitte nur aus Überzeugung, und nicht, um den „Segen“ Ihres Kindes zu bekommen und so Ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Die 7 wichtigsten Erziehungsfehler – und wie Sie sie vermeiden können

Fehler Nr. 1: Immer alles unter Kontrolle haben zu wollen

Was daran nicht hilfreich ist: Pubertierende Kinder wollen und brauchen sukzessive mehr Freiraum, um sich zunehmend als selbstbestimmt erleben zu können und selbstständig zu werden. Ob Schule, Freunde oder Hobbys: Wenn Eltern zu viel Kontrolle ausüben, schränkt das den Erfahrungshorizont des Kindes stark ein. Es fühlt sich vielleicht bevormundet, wie ein „Kleinkind“ behandelt und beginnt womöglich, sich rebellisch zu verhalten. Der Weg zu einem selbstbestimmten Leben ist dann schwerer zu finden.

Was Sie stattdessen tun können:

  • Halten Sie sich bewusster mit Kontrollfragen zurück.
  • Stellen Sie dieselben Fragen nicht häufiger als nötig. Damit „nerven“ Sie nur und vermitteln Ihrem Kind das Gefühl, ihm nicht wirklich zu vertrauen.
  • Lernen Sie damit umzugehen, dass Ihr Kind Heimlichkeiten vor Ihnen hat und Sie nicht (mehr) in alles einbezieht. Sehen Sie das als wichtigen und positiven Entwicklungsschritt und nicht als persönliche Kränkung!

Fehler Nr. 2: Vorwürfe machen

Was daran nicht hilfreich ist: Jugendliche provozieren manchmal durch ihr Verhalten und halten sich öfter mal nicht an Verabredungen. Verständlich, dass Eltern dann ärgerlich werden und ihrem Ärger Luft machen wollen. Vorwürfe sind allerdings nicht geeignet, da sie den Jugendlichen zwangsläufig in eine untergeordnete Rolle zwingen und ihn unter Rechtfertigungsdruck setzen. Da Teenager gerade aus dieser untergeordneten Rolle ausbrechen wollen, reagieren sie besonders heftig auf Vorwürfe. Auch bei „Gemecker“ oder „Geschimpfe“ schalten Sie gerne Ihre Ohren auf Durchzug oder kontern lautstark.

Was Sie stattdessen tun können:

  • Vermeiden Sie eine Konfrontation möglichst, wenn Sie gerade emotional aufgeladen sind, weil Ihr Kind sich „danebenbenommen hat“. Eine solche Situation kann nämlich schnell eskalieren, ohne dass inhaltlich etwas geklärt wird.
  • Atmen Sie erst durch und überlegen Sie, wie Sie mit der Situation umgehen wollen.
  • Überlegen Sie genau, was Sie Ihrem Kind sagen wollen. Je klarer Ihnen ist, was Sie ihm vermitteln wollen, desto größer ist die Chance, dass Ihre Botschaft auch ankommt.

Fehler Nr. 3: Keinen Standpunkt vertreten, sich alles gefallen lassen

Was daran nicht hilfreich ist: Jugendliche brauchen Erwachsene, mit denen sie sich auseinandersetzen und an denen sie sich reiben können. Diese Auseinandersetzung hilft ihnen, einen eigenen Standpunkt zu finden und sich weiter auszudifferenzieren, also eine Persönlichkeit zu entwickeln. Mütter oder Väter, die Diskussionen und Problemen oft ausweichen, keine eigene Meinung vertreten oder auf andere Weise nicht in der Kommunikation mit ihrem Kind aktiv sind, werden von ihren pubertierenden Kindern oft stark herausgefordert. Sie suchen Kontakt und provozieren das Gegenüber zur Not auch mit heftigen Mitteln, etwa Vorwürfen, Provokationen etc. Eltern, die sich von ihrem Jugendlichen quasi alles gefallen lassen, tun ihm damit ebenfalls nichts Gutes. Denn dann fühlen sich die Kinder mit einer Macht ausgestattet, mit der sie gar nicht (verantwortungsvoll) umgehen können.

Was Sie stattdessen tun können:

  • Versuchen Sie Ihrem Kind ein aufrichtiges und klares Gegenüber zu sein.
  • Sagen Sie Ihre Meinung klar und deutlich. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind Ihrer Meinung sein muss. Aber machen Sie ihm klar, dass es Ihre Meinung zu respektieren hat.
  • Zeigen Sie deutlich Ihre Grenzen. „Ich möchte nicht, dass du so mit mir sprichst“ oder „Ich erwarte, dass du mir zuhörst“ sind einfache, klare und wichtige Aussagen.
  • Sprechen Sie Ihre Erwartungen auch dann aus, wenn Sie das Gefühl haben, Ihrem Kind seien sie egal. Meistens stimmt das ohnehin nicht; es ist aber auch wichtig, dass Ihr Kind weiß, welche Haltung Sie vertreten.

Fehler Nr. 4: Probleme und Gefühle des Kindes als „Pubertätsverhalten“ abtun

Was daran nicht hilfreich ist: Immer wieder hört man in der Beratung Sätze wie „Mein Kind ist so launisch, das liegt halt an der Pubertät“. Diese Aussage mag zwar nicht falsch sein, es hilft aber dem betroffenen Kind nicht, wenn seine Gefühle und Probleme ausschließlich mit der Pubertät begründet werden. Denn das hilft ihnen ja nicht, diese Gefühle auszuhalten und ihre Probleme zu lösen. Dem Kind zu sagen „Das geht doch wieder vorbei“ mag auch vorübergehend tröstlich sein, ist aber letztlich doch wenig hilfreich.

Was Sie stattdessen tun können:

  • Nehmen Sie die Gefühle und Probleme Ihres Kindes ernst und gehen Sie ganz konkret darauf ein.
  • Sätze wie „Das liegt an den Hormonen“ oder „Du bist hat in der Pubertät“ wirken relativierend: Sie vermitteln das Gefühl, dass das Problem nicht gravierend ist. Vermeiden Sie möglichst solche verallgemeinernden und verharmlosenden Sprüche.
  • Machen Sie sich niemals über „Pubertätsprobleme“ lustig, und werten Sie typisches Teenagerverhalten nicht ab. Auch wenn Jugendliche manchmal wirklich nerven können, so verdienen sie trotzdem immer unseren Respekt!

Fehler Nr. 5: (unpassende) Strafen verhängen

Was daran nicht hilfreich ist: Strafen in der Erziehung sind in letzter Zeit glücklicherweise aus der Mode gekommen. In der Pädagogik setzt man mittlerweile eher auf „Konsequenzen“, die die Kinder tragen müssen, wenn Sie sogenanntes „Fehlverhalten“ an den Tag gelegt haben. Viele Eltern setzen Strafen nur noch dann ein, wenn andere erzieherische Maßnahmen wie Ermahnen oder Reden nicht mehr helfen. Je älter Kinder werden, desto schwieriger wird es allerdings, sie zu bestrafen. Es ist beispielsweise nahezu unrealistisch, einem widerborstigen, kräftig gewachsenen 16-Jährigen Hausarrest zu verordnen – und auch wenig sinnvoll. Strafen werden von Jugendlichen oft als hilflose Erpressungsversuche der Eltern oder als pure Machtdemonstration erlebt. Sie schaden oft eher, als dass sie nutzen, und sollten von daher so selten wie möglich eingesetzt werden.

Was Sie stattdessen tun können:

  • Verhängen Sie möglichst keine Strafen aus Wut oder Empörung. Das wird von Jugendlichen oft als Willkür und Ungerechtigkeit empfunden.
  • Versuchen Sie Regelungen (Ausgehzeiten etc.) gemeinsam festzulegen, also mit Ihrem Kind eine gemeinsame Lösung zu finden. Wenn es ein wirkliches Mitspracherecht hat, wird es eher bereit sein, sich an die Verabredungen zu halten.
  • Vereinbaren Sie für bestimmte Situationen einen Plan B. Etwa wenn Sie Sorge haben, dass Ihr Kind nicht pünktlich nach Hause kommt. „Wenn du den letzten Bus verpasst, rufst du bitte ein Taxi und zahlst es von deinem Taschengeld.“ Eine solche Konsequenz ist dann hoffentlich abschreckend genug, um auf die Abfahrtzeiten des Busses zu achten – oder wird eben in Kauf genommen.

Fehler Nr. 6: zu viele oder unangemessene Verbote verhängen

Was daran nicht hilfreich ist: Natürlich muss es auch für Jugendliche ein paar klare Regeln geben, an die sie sich halten sollten. Allerdings sind Pubertierende stets daran interessiert, diese Regeln in Frage zu stellen oder aufzuweichen. Das liegt daran, dass sie selbstständiger werden und immer mehr über sich und ihr Leben bestimmen wollen. Besondere Vorsicht gilt bei Verboten: Zu strikte Verbote führen häufig dazu, dass Jugendliche anfangen zu lügen oder das Verbotene hinter dem Rücken der Eltern zu machen. Das belastet das Vertrauensverhältnis und bringt neue Schwierigkeiten mit sich.

Was Sie stattdessen tun können:

  • Überdenken Sie Verbote hin und wieder: Sind sie noch altersangemessen?
  • Lockern Sie starre Verbote auf, je älter und selbstständiger Ihr Kind ist. Lassen Sie es seine Entscheidungen zunehmend selbst treffen.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind Verbote, und lassen Sie sich auch mal auf Kompromisse oder Ausnahmen ein.
  • Geben Sie Ihrem Kind immer wieder einen Vertrauensvorschuss, also die Möglichkeit, seine Zuverlässigkeit unter Beweis zu stellen – auch dann, wenn es in der Vergangenheit zwei- oder dreimal nicht geklappt hat!

Fehler Nr. 7: sich (gekränkt) zurückziehen, das Kind allein lassen

Was daran nicht hilfreich ist: Wenn Jugendliche störrisch sind, sich häufig abweisend zeigen oder extrem provokativ sind, dann fühlen sich Eltern verständlicherweise abgelehnt. Diese Kränkung des elterlichen Egos kann sehr schmerzhaft sein und zu Resignation und Rückzug führen. Dieses Verhalten soll dann vor weiteren Kränkungen schützen. So nachvollziehbar diese Reaktion auch ist, so ungünstig ist sie allerdings. Denn dann verliert der Jugendliche die Präsenz des Elternteils, die er doch so dringend braucht.

Was Sie stattdessen tun können:

  • Versuchen Sie zu ergründen, was Sie genau verletzt. Reden Sie mit Ihrem Partner oder einer guten Freundin darüber.
  • Wenn das nicht hilft, holen Sie sich professionelle Hilfe bei einem Berater oder einer Therapeutin.
  • Oft kommen durch das Verhalten des Jugendlichen tiefer sitzende, ältere Kränkungen wieder zum Vorschein. Diese sollten bearbeitet werden, damit man sich dem Kind wieder zuwenden kann.

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