Verwöhnen: Weniger ist manchmal mehr in der Erziehung!

Wenn Eltern das Wort "Verwöhnen" hören, denken sie schnell an unerzogene Kinder, die alles haben wollen. Wird ein Kind jedoch auf die richtige Weise verwöhnt, wird es dadurch stark und fühlt sich geborgen. Doch wie verwöhnt man richtig? 

Inhaltsverzeichnis

So verwöhnen Sie Ihr Kind richtig

Eltern, die ihre Kinder verwöhnen, meinen es gut – allerdings schaden sie auf Dauer ihrem Kind. Denn ab und zu ist es für das Kind toll, verwöhnt zu werden. Es freut sich, wenn es mal ein Spielzeug oder Eis außer der Reihe bekommt, länger aufbleiben darf oder sofort spielen kann, statt noch der Mama zu helfen, die Spülmaschine einzuräumen. Zudem fühlt es sich durch ein solches gelegentliches Verwöhnen geliebt und beachtet. Anders ist es, wenn das Kind das dritte Eis am Tag bekommt, bei jedem Einkauf einen Schokoriegel erhält oder ein kleines Spielzeug.

In diesem Fall nutzen Eltern das Verwöhnen, um sich regelrecht ein zufriedenes Kind zu erkaufen; sie wollen kein Nein aussprechen und so das Kind enttäuschen. Die Folge: Nach und nach wird das Kind keinerlei Grenzen mehr akzeptieren, es will durch die verwöhnende Erziehung alles sofort haben und wird sich zum kleinen Diktator entwickeln.

Wann beginnt Verwöhnen?

Je älter Ihr Kind wird, umso größer wird die Gefahr, dass sie es verwöhnen. Es werden nicht mehr nur seine altersgemäßen Bedürfnisse gestillt werden, sondern Bedürfnisse und Wünsche verwechselt werden. Und genau hier beginnt das Verwöhnen. Dazu gehören

  • zu viele Geschenke oder Süßigkeiten,
  • zu große Geldsummen – auch wenn sie bei Kleinkindern den Eltern gegeben werden,
  • das Erfüllen von Wünschen, sobald diese erwähnt werden,
  • das Über-den-Haufen-Werfen von Regeln – besonders von solchen, die besser nicht ständig geändert werden sollten,
  • Eltern, die ihren Kindern nichts zutrauen bzw. ihnen bei Tätigkeiten helfen, die sie eigentlich schon längst beherrschen,
  • Eltern, die bei kleinsten Beschwerden und Wehwehchen dramatisieren,
  • Eltern, die alles für das Kind regeln, auch kleinste Konflikte, die Kinder durchaus – dem Alter entsprechend – selbst lösen können
  • Situationen, in denen Kinder immer wieder von den Dingen entbunden werden, die eigentlich zu ihren Pflichten gehören.

6 Tipps: So schaffen Sie es Ihr Kind weniger zu verwöhnen!

Aber was, wenn Sie sich schon in der Verwöhn-Falle befinden? Immerhin geht das schneller, als mancher denkt. Das liegt schon daran, dass auch wir Eltern, die wir doch eigentlich unser Kind kennen sollten, die Geschwindigkeit unterschätzen, mit der es sich entwickelt. Aber keine Angst, Sie können dieser Falle entkommen: mit relativ unspektakulären Schritten. Wichtig dabei ist nur, dass Sie in der Kindererziehung konsequent bleiben und Ihre neue Methode auch durchziehen.

1. Beginnen Sie langsam, mit dem "weniger Verwöhnen".

Es wäre falsch, einem Kind, dem alles erlaubt wurde und das alles bekommt, von heute auf morgen einem anderen Verhalten auszusetzen. Gerade Kleinkinder würden sich dann schnell ungeliebt fühlen. Haben Sie Ihrem Kind zum Beispiel bei jedem Einkauf etwas mit in den Wagen gelegt, und verlangt es nun regelrecht danach? Beginnen Sie damit, diese Zusatzeinkäufe auf jeden zweiten Einkauf herunterzuschrauben. Danach gibt es nur noch jedes dritte Mal etwas etc.

2. Welche Gegenleistungen soll Ihr Kind erbringen?

Überlegen Sie sich, was Ihnen wichtig ist. Soll Ihr Kind sich beispielsweise selbst anziehen? Oder möchten Sie, dass es sein Zimmer abends, natürlich mit Ihrer Hilfe, wieder aufräumt? Diese eine Regel stellen Sie nun auf und ziehen sie auch durch. Wird sie nicht beachtet, können Sie durchaus eine logische Konsequenz anwenden (wer sich nicht anzieht, kann nicht auf den Spielplatz, Spielzeug, das nicht weggeräumt wird, ist wohl nicht interessant und verschwindet erst mal eine Woche lang).

3. Sprechen Sie Ihr Kind richtig an.

Wenn Sie Ihr Kind auffordern, der aufgestellten Regel nachzukommen, sagen Sie, was Sie wollen, klar und deutlich. Vermeiden Sie also Sätze, die mit „Würdest du vielleicht …“ oder „Könntest du bitte …“ anfangen. Begeben Sie sich dazu auf gleiche Höhe mit Ihrem Kind.

4. Steigern Sie Ihre Anforderungen.

Sie werden merken, nach und nach wird Ihrem Kind die Regel in Fleisch und Blut übergehen. Dann können Sie eine weitere Aufgabe hinzufügen – achten Sie dabei aber darauf, dass sie dem Alter Ihres Kindes entspricht. Wenn es mit der neuen Aufgabe überfordert ist, wird es sie aus lauter Frust schnell verweigern.

5. Leiten Sie Ihr Kind an.

Nach und nach nehmen die Fähigkeiten Ihres Kindes immer mehr zu. So kann schon ein zweijähriges Kind, wir haben es bei unserer Tochter erlebt, Besteck in die Spülmaschine räumen. Später können Sie ihm zeigen, wie man die Teller richtig hineinstellt. So kann Ihr Kind mehr und mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen.

6. Lob ist wichtig.

Auch wenn es sich um Dinge handelt, die selbstverständlich sind: Wenn Ihr Kind sie gut gemacht hat, loben Sie es. So motivieren Sie es, das nächste Mal wieder aktiv zu werden.