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Die innere Struktur der Familie ist das Fundament, auf dem das Zusammenleben gebaut ist. Ganz ohne Regeln geht es, denn dann versinkt die Familie im Chaos.
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12 Regeln für das Zusammenleben, die sich in jeder Familie lohnen

Harmonie in der Familie

Die innere Struktur der Familie ist das Fundament, auf dem das Zusammenleben gebaut ist. Ganz ohne Regeln geht das auf keinen Fall, denn dann fehlt Kindern und Eltern die Orientierung – und die Familie versinkt im Chaos. Damit das nicht passiert, haben wir für Sie zwölf zentrale Regeln zusammengestellt, die Sie für Ihre Familie aufgreifen und gegebenenfalls anpassen können. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

In einer Familie mit Kindern geht es immer turbulent zu

Persönliche Bedürfnisse und äußerliche Anforderungen müssen ständig aufs Neue koordiniert werden. Kein Tag gleicht dem anderen, und unvorhersehbare Ereignisse sind keine Seltenheit. Kleine Unfälle, Krankheiten, Geburtstage, Klassenfahrten, Sportereignisse oder ein heftiger Geschwisterstreit bringen auch sorgfältig durchgeplante Tage schnell durcheinander. Damit wenigstens ein Mindestmaß an Planbarkeit und Harmonie in einer Familie gewährleistet ist, müssen verlässliche und verbindliche Regeln für alle her.

Die Kunst dabei ist, keine Energie für unsinnige Reibereien zu verschwenden und sich wirklich auf die wichtigsten Regeln zu einigen. Denn wenn eine Familie funktioniert, bietet sie allen Mitgliedern Sicherheit, Halt sowie eine Basis für ein zufriedenes Leben und die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins.

Jede Familie braucht ihre eigenen Regeln

Leider erlebe ich in meiner pädagogischen Praxis oft, dass gestresste Mütter sich immer wieder mit anderen Familien vergleichen und glauben, deren (vermeintlich bessere) Regeln übernehmen zu müssen. Es scheint ihnen: Die Kinder anderer Eltern sind ordentlicher, gehen früher ins Bett, haben bessere Noten, können besser musizieren und kümmern sich um ihre Haustiere. Dabei wird oft vergessen, dass jede Familie unter anderen Bedingungen lebt, andere Erfahrungen gemacht hat und aus ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten besteht. Ob beide Eltern arbeiten oder nicht, die Anzahl der Kinder, die Unterstützung durch die Großeltern und andere äußere oder innere Bedingungen beeinflussen das Familiengebilde sehr stark.

Die Regeln in Familien ähneln sich zwar, sind jedoch selten identisch. Was in der einen Familie funktioniert, muss noch lange nicht für eine andere gut sein. Am folgenden Beispiel von Familie Müller können Sie erkennen, wo es im Familienalltag manchmal schwierig werden kann. Die Nummern in Klammern geben an, mithilfe welcher Regel Familie Müller es das nächste Mal besser machen kann.

Familie Müller findet Regeln blöd

Bei Familie Müller bricht ein neuer Tag an. Nach dem üblichen Stau und Streit vor der Badezimmertür (9) geht die Auseinandersetzung in der Küche weiter, denn das Müsli reicht nur noch für Lenis Portion. Lukas zieht Leni kräftig an den Haaren, weil er sich darüber ärgert (3), und begibt sich mit knurrendem Magen in die Schule. Er ist schlecht gelaunt und schimpft lauthals auf seine doofen Eltern (1). Hinzu kommt, dass er keine Zeit für seine Hausaufgaben (6) gefunden hat. Leni hat ganz andere Sorgen. Im letzten Diktat hat sie eine Fünf geschrieben und sich nicht getraut, ihren Eltern die schlechte Note zu beichten (4). Als Lenis Mutter davon erfährt, gibt es großen Ärger und das Taschengeld wird gestrichen (12).

Das muss Leni sofort bei Facebook (11) ihren Freundinnen mitteilen. Darüber vergisst sie, das Streu ihrer Meerschweinchen zu erneuern (7), und schaut stattdessen im Kinderzimmer ihre Lieblingsserie (11). Als ihre Mutter mitbekommt, dass Leni mal wieder nichts für die Schule getan hat, gibt es Streit (5). Die beiden traktieren sich so lange mit hässlichen Schimpfwörtern (10), bis Lukas einfällt, dass er noch einen späten Zahnarzttermin hat (9). Nun bricht erst recht Hektik aus.

Völlig erschöpft sitzen Leni, Mama und Papa später beim Abendessen (2) und schimpfen gemeinsam über Lukas’ Vergesslichkeit (1). Der hat sich in sein Zimmer verzogen, um mit dem Gameboy zu spielen. Gott sei Dank ist morgen Samstag, da kann jeder machen, was er will (8).

Regeln helfen Ihnen dabei, den Familienalltag zu erleichtern

In jeder Familie gibt es andere Schwachstellen, die mit gemeinsam aufgestellten Regeln verbessert werden können. Sicher geht es bei Ihnen nicht so chaotisch zu wie in unserer Beispielfamilie. Trotzdem findet sich vielleicht der eine oder andere Punkt, der Ihnen bekannt vorkommt. Mit unserem empfohlenen Regelgerüst können Sie die Grundhaltung und den Umgang miteinander verbessern. Suchen Sie sich einfach die Regeln heraus, die Situationen in Ihrem Familienalltag erleichtern können.

 

12 Regeln, damit es bei Familie Müller künftig entspannter zugeht

1. Die Zusammenhalt-Regel

Wir halten zusammen und sind loyal zueinander, das bedeutet, über niemanden aus der Familie gegenüber anderen absichtlich schlecht zu reden. Leitspruch: „Wir respektieren uns und unsere Eigenheiten. Wir stehen fest zueinander, auch wenn wir uns streiten oder verschiedener Meinung sind.“

  • Familie Müller: Obwohl Lukas und Leni sich schon am frühen Morgen sehr über ihre Eltern geärgert haben, versuchen sie, zurückhaltend in ihrem Urteil gegenüber ihren Freunden zu sein. Sie schildern zwar die entsprechenden Situationen, vermeiden aber persönliche Urteile wie „meine doofen Eltern“. Beide Kinder wissen, dass Streitereien in der Familie immer wieder vorkommen und kein Grund sind, die anderen schlecht zu machen.

2. Die Zeit-Regel

Damit eine Familie ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, muss sie auch Zeit miteinander verbringen. Mindestens einmal am Tag sollen alle Familienmitglieder zusammensitzen und ihre Erlebnisse austauschen. Dazu eignet sich eine gemeinsame Mahlzeit, bei der es gesundes, leckeres Essen in entspannter Atmosphäre gibt und auf die sich alle freuen.

  • Familie Müller: Weil es fast jeden Morgen hektisch zugeht in der Familie, haben alle gemeinsam beschlossen, sich jeden Tag beim Abendessen zusammenzufinden. Hier ist Raum, den kommenden Tag zu planen und die Streitigkeiten des Morgens noch einmal zu besprechen oder nach Lösungen zu suchen.

3. Die Gewalt-Regel

Wer Gewalt anwendet, ist automatisch im Unrecht. Streitigkeiten und Auseinandersetzungen werden ohne den Einsatz körperlicher Kraft oder gefährlicher Gegenstände ausgetragen. Dabei achtet der Ältere stets auf den Jüngeren, der Stärkere auf den Schwächeren.

  • Familie Müller: Obwohl Lukas zu Recht ärgerlich ist, dass für ihn kein Frühstück mehr übrig ist, darf er nicht gewalttätig werden. Für das Haareziehen bei seiner Schwester bekommt er eine Strafpredigt. Besser wäre es gewesen, die verbleibende Portion zu halbieren und gemeinsam zu überlegen, womit das Frühstück noch ergänzt werden kann.

4. Die Ehrlichkeits-Regel

Alle Familienmitglieder sagen sich auch bei unangenehmen Dingen die Wahrheit, ohne dass sie eine Strafe fürchten müssen. An diese Regel müssen sich natürlich auch die Eltern halten, damit die Kinder sich trauen, Fehler einzugestehen.

  • Familie Müller: Leni erzählt ihren Eltern von der schlechten Note, ohne eine Strafe befürchten zu müssen. Gemeinsam wird überlegt, wie die nächste Arbeit besser werden kann.

5. Die Konflikt-Regel

Konflikte und Auseinandersetzungen sind ein fester Bestandteil des Familienlebens. Es muss immer eine Möglichkeit geben, einen Konflikt auszutragen und eine Lösung für ein Problem zu finden.

  • Familie Müller: Familie Müller hat einen Streitschlichter benannt, es ist der Opa. Leni und Lukas rufen ihn nach der Schule an und erzählen, was beim Frühstück vorgefallen ist. Opa kümmert sich objektiv um das Problem. Zunächst lässt er sich das Ereignis von beiden Kindern ausführlich schildern.

Dann fragt er nach, wie es zu verhindern gewesen wäre. Dabei nimmt er beide Kinder sehr ernst und vermeidet es, zu schnell Stellung für eine Partei zu beziehen. Abschließend überlegt Opa sich einen Schiedsspruch, den die Kinder sich anhören. Dabei werden keine Strafen ausgesprochen. Opa fasst die Situation zusammen und gibt Tipps für die Zukunft.

6. Die Lern-Regel

Zu den Aufgaben der Kinder gehört es, sich in der Schule und beim Lernen ihren Möglichkeiten entsprechend anzustrengen.

  • Familie Müller: Zu den wichtigsten Regeln in der Familie gehört, dass sich jeder ernsthaft um seinen persönlichen Bereich kümmert. Leni und Lukas haben feste Hausaufgabenzeiten und halten sich daran. Hobbys und Fernsehen sind erst erlaubt, wenn die Hausaufgaben fertig sind. Die Eltern kümmern sich abwechselnd um das gemeinsame, tägliche Essen.

7. Die Meine-Aufgabe-Regel

Eine Familie funktioniert nur dann, wenn jeder zu ihrem Gelingen beiträgt. Deshalb bekommt jeder eine Aufgabe, von der alle profitieren.

  • Familie Müller: Da in der Familie stets viel zu tun ist, hat jeder seine Aufgaben im Haushalt. Leni kümmert sich um das Meerschweinchen, Lukas gießt die Pflanzen, Mama macht die Wäsche, und Papa putzt am Wochenende das Bad.

8. Die Highlight-Regel

Je mehr schöne Erlebnisse eine Familie zusammen hat, desto besser – deshalb finden regelmäßig gemeinsame Unternehmungen statt.

  • Familie Müller: Mindestens einmal im Monat unternimmt Familie Müller etwas Besonderes am Wochenende zusammen, wenn es geht, auch öfter. Jeder macht einen Vorschlag, und dann wird abgestimmt. Besonders beliebt sind bei Leni Schwimmbadbesuche, bei Lukas ein Ausflug in den Zoo oder zum Klettergarten.

9. Die Planungs-Regel

Je mehr Personen in einer Familie leben, desto wichtiger ist es, bestimmte Abläufe vorab zu planen. Für einen reibungslosen Ablauf der morgendlichen Routine, einen vollen Kühlschrank und das pünktliche Einhalten aller Termine ist ein gemeinschaftlich besprochener Wochenplan eine große Hilfe.

  • Familie Müller: Im Flur von Familie Müller hängt ein Familien-Planer, in den alle Familienmitglieder ihre Termine eintragen. Dieser Plan ist verbindlich.

10. Die Benimm-Regel

In jeder Familie herrschen andere Vorstellungen von gutem Benehmen. Wie man sich begrüßt oder verabschiedet, was bei Tisch erlaubt und verboten ist oder der ganz normale Umgangston sollten gemeinsam geregelt werden.

  • Familie Müller: Schimpfwörter in der Fäkalsprache sind bei den Müllers nicht erlaubt. Wer eines benutzt, muss 0,50€ in die Strafkasse zahlen. Auf das Händeschütteln bei einer Begrüßung legt keiner besonderen Wert, aber bei Tisch wird erst gegessen, wenn alle sitzen.

11. Die Medien-Regel

Um tägliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, sollten die Regeln für das Benutzen von Fernseher, Computer oder Spielekonsole eindeutig festgelegt werden.

  • Familie Müller: Leni und Lukas dürfen im Internet nur geprüfte, sichere Kinderseiten besuchen und sich nicht bei sozialen Netzwerken anmelden. Fernsehen gibt es erst nach den Hausaufgaben und nicht länger als 30 Minuten an einem Schultag.

12. Die Taschengeld-Regel

Die Höhe des Taschengeldes wird mindestens einmal, besser zweimal im Jahr neu bestimmt. Was die Kinder damit machen, ist ganz allein ihre Entscheidung.

  • Familie Müller: Ganz gleich was Leni und Lukas angestellt haben, ihr Taschengeld wird nicht gekürzt. Haben sie allerdings etwas mit Absicht kaputt gemacht, kann ihr Taschengeld zur Wiedergutmachung herangezogen werden.

Akzeptieren Sie als Familie auch die Regeln anderer

Die eigenen Familienregeln erfordern auch Flexibilität und Toleranz, denn nicht überall können sie eingehalten werden. Wenn die Oma großzügiger mit Süßigkeiten oder Fernsehzeit ist, wenn es bei Freunden nicht immer Bio-Nahrung gibt oder bei Tante Petra am Esstisch strengere Regeln gelten, sollte Ihr Kind sich anpassen können. Außerhalb der eigenen Familie gibt es, wie in einem fremden Land, oft abweichende Regeln. Diese sind nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders. Nach und nach lernt Ihr Kind so, dass die Welt vielfältig ist und es sich anpassen kann.

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