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Richtiges Verhalten im Straßenverkehr kann Kindern in gefährlichen Situationen das Leben retten. Lesen Sie hier wie Ihr Kind lernt, sich richtig zu verhalten.
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Gefahr im Straßenverkehr: Richtiges Verhalten für Ihr Kind

Im Straßenverkehr richtig verhalten

Der Straßenverkehr ist mit Abstand die größte Bedrohung für Kinder. Doch können Sie als Eltern schon lange vor Schulbeginn viel dafür tun, dass Ihr Kind den Schulweg später sicher bewältigen kann. Lesen Sie hier, wie Sie mit Ihrem Kind richtiges Verhalten im Straßenverkehr einüben. 

Expertenrat von 

Warum sind Kinder im Straßenverkehr so gefährdet?

  • Kinder können schon aufgrund ihrer geringen Körpergröße Straßen schlechter einsehen als Erwachsene. Auch werden sie leichter von den übrigen Verkehrsteilnehmern übersehen.
  • Das Gefahrenbewusstsein von Kindern im Straßenverkehr hängt von zwei wichtigen Faktoren ab: dem logischen Denken und der Fähigkeit, sich für eine bestimmte Zeit auf etwas zu konzentrieren. Ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren können Kinder zwar erkennen, wenn sie sich in einer akuten Gefahrensituation befinden (z. B. Auto rast auf das Kind zu), Zeit zum Handeln bleibt da oft kaum mehr. Kindern fehlen die nötigen Erfahrungswerte, um Gefahren als solche richtig zu erkennen. Daher benötigen Schulanfänger die dreifache Zeit eines Erwachsenen, um auf schwierige Verkehrssituationen zu reagieren.
  • Kinder sehen anders: Die Sehfähigkeit von Kindergartenkindern ist im Vergleich zu Erwachsenen noch stark eingeschränkt. Mit etwa fünf Jahren können Kinder Farben und die Unterschiede zwischen hell und dunkel gut erkennen. Sie sehen, ob eine Ampel „Grün“ oder „Rot“ ist. Es fällt ihnen jedoch schwer, Entfernungen und Geschwindigkeiten zu beurteilen. Kinder mit drei oder vier Jahren können nicht einmal zwischen einem stehenden und einem fahrenden Fahrzeug unterscheiden! Kinder sehen wie durch Scheuklappen. Ihr Blickfeld ist wesentlich enger als das von Erwachsenen. Was diese im Augenwinkel noch mitbekommen, sehen Kinder zunächst nicht. Sie sehen außerdem „langsamer“ als Erwachsene, denn sie brauchen länger, Sinneseindrücke zu verarbeiten.
  • Kinder hören anders: Das Hörvermögen ist mit sechs Jahren ausgebildet, allerdings hören Kinder anders als Erwachsene. Aus den vielen Geräuschen, die sie wahrnehmen, können sie die wichtigen oft nicht herausfiltern. Wenn sie Musik hören, überhören sie ein hupendes Auto einfach. Aus welcher Richtung ein Geräusch kommt, können Kindergartenkinder noch nicht erkennen. Sie verlassen sich auf der Straße eher auf das, was sie sehen, als auf das, was sie hören. Und sie hören „langsamer“, da sie länger brauchen, das Gehörte zu verarbeiten.
  • Kinder lassen sich schnell ablenken, z. B. beim Spiel oder durch einen Freund auf der anderen Straßenseite. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf das, was sie gerade interessiert, sind für alles andere „taub und blind“. Selbst wenn Ihr Kind einen umsichtigen Eindruck macht, sollten Sie nie unterschätzen, wie schnell es sich ablenken lässt!

Verhalten im Straßenverkehr: Ist Ihr Kind ein Draufgänger oder Zauderer?

Psychologen des Max-Planck-Institutes haben ein Glücksspiel entwickelt, mit dem sich voraussagen lässt, ob ein Kind sich im Verkehr risikofreudig oder vorsichtig verhalten wird. Sie testeten dazu je 22 Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis sechs Jahren. Den Spielaufbau können Sie nachfolgend lesen, sodass Sie das Spiel selbst mit Ihrem Kind ab fünf Jahren durchführen können.

Die als wagemutig identifizierten Kinder gingen auch im Straßenverkehr ein höheres Risiko ein und waren vermehrt unfallgefährdet. Vorsichtige Kinder wollten die Straße erst überqueren, wenn mehr als sieben Sekunden Zeit bis zum Herannahen des nächsten Wagens blieb und sie somit „gemütlich“ über die Straße gehen konnten. Wagemutige Kinder entschlossen sich wesentlich schneller, die Straße zu überqueren, und betraten die Straße auch, wenn deutlich weniger Zeit als sieben Sekunden zur Verfügung stand.

Spielaufbau

Spielvorbereitung: Nehmen Sie zehn leere, gleich aussehende Streichholzschachteln und legen Sie in neun von ihnen je einen Sticker (Motive je nach Vorliebe Ihres Kindes aussuchen!). Stickerbögen können Sie in jedem Schreibwarengeschäft kaufen. In die zehnte Schachtel kommt ein Zettel, auf den Sie einen Teufel (oder Teufelskopf ) gemalt oder geklebt haben.

Spielanleitung: Legen Sie die zehn gefüllten Schachteln vor Ihr Kind auf den Tisch und erklären Sie ihm, dass in neun der Schachteln ein Sticker ist, den es behalten darf. In der zehnten Schachtel ist jedoch ein Teufelsbild. Es darf nun so viele von den Schachteln aufmachen, wie es möchte, und die gefundenen Sticker behalten. Erwischt es jedoch die „Teufelsschachtel“, muss es alle Sticker wieder hergeben – und das Spiel ist beendet. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es um so mehr Sticker ergattern kann, je mehr Schachteln es aufmacht. Je mehr Schachteln es öffnet, um so größer ist aber auch die Gefahr, dass es den Teufel erwischt und alle Sticker wieder verliert. Nach jeder geöffneten Schachtel muss es entscheiden, ob es noch eine weitere Schachtel öffnen will. Spielen Sie das Spiel insgesamt dreimal, es muss jedoch nicht am selben Tag sein.

Auswertung: Hat Ihr Kind bei mindestens einem der drei Spieldurchläufe mehr als fünf Schachteln geöffnet, gehört es zu den risikofreudigen Kindern. Hat es bei jedem der drei Versuche nicht mehr als fünf Schachteln geöffnet, gehört es zu den vorsichtigen Kindern.

Verkehrserziehung: Ab wann?

Wenn Sie denken, Verkehrserziehung beginnt damit, dass Sie Ihrem Kind beibringen, wie es gefahrlos eine Straße überqueren kann, dann irren Sie. Schon viel früher beginnt Ihr Kind zu beobachten, wie Sie als Mutter oder Vater sich anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber verhalten und in verschiedenen Verkehrssituationen reagieren. Beachten Sie in Zukunft, sich partnerschaftlicher gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern zu verhalten. Sie sind das Vorbild für Ihr Kind! Bemühen Sie sich, nicht auf andere Verkehrsteilnehmer zu schimpfen. Kinder sind anfangs selbst schwache und hilfsbedürftige Verkehrsteilnehmer. Daher könnten „bissige“ Kommentare Ihr Kind verunsichern.

Schritt für Schritt - So üben Sie richtig

Folgende fünf Schritte führen dazu, dass Ihr Kind sich das korrekte Verhalten gut einprägt und selbstständig anwenden kann: Erklären Sie Ihrem Kind, wie es sich richtig verhält (z. B. beim Überqueren einer Straße).

  1. Lassen Sie sich anschließend von Ihrem Kind erklären, was es tun sollte.
  2. Machen Sie Ihrem Kind das korrekte Verhalten vor.
  3. Nehmen Sie Ihr Kind an die Hand und machen Sie es anschließend gemeinsam.
  4. Lassen Sie Ihr Kind dann allein die jeweilige Verkehrssituation meistern.
  5. Beobachten Sie Ihr Kind immer wieder, ob es sich richtig verhält, und weisen Sie es, wenn nötig, auf Fehler hin. Es sollte Ihnen anschließend noch einmal erklären, wie es richtig gemacht wird, und das richtige Verhalten mit Ihnen zusammen oder allein wiederholen.

Mein Tipp: Um sich alles noch einmal von Ihrem Kind erklären zu lassen, können Sie die Rolle des Kindes übernehmen und dabei absichtlich etwas falsch machen. Ihr Kind wird sich diebisch freuen, Sie auch mal bei einem Fehler zu erwischen und Ihnen zu sagen, wie es richtig ist. Lassen Sie sich öfter mal von Ihrem Kind führen. So erfahren Sie, welche Regeln Ihr Kind nicht kennt.

Gehen Sie als gutes Beispiel voran

  • Wählen Sie auf allen Wegen, die Sie mit Ihrem Kind gehen, nicht unbedingt die kürzeste, sondern die sicherste Strecke. Kleine Umwege, z. B. zum Fußgängerübergang oder zu einem übersichtlicheren Straßenabschnitt, sollten Sie in Kauf nehmen. Halten Sie sich auf Gehwegen möglichst weit innen und führen Sie Ihr Kind immer auf der Häuserseite.
  • Warten Sie an der Ampel konsequent auf „Grün“. Schauen Sie sorgfältig und für Ihr Kind erkennbar nach links und rechts, bevor Sie losgehen. Gehen Sie zügig, aber auch nicht zu schnell über die Straße.
  • Sehen Sie auch am Zebrastreifen deutlich nach links und rechts und warten Sie, bis herankommende Autos angehalten haben.
  • Halten Sie beim Überqueren der Fahrbahn ohne Ampel oder Zebrastreifen immer am Fahrbahnrand an, schauen Sie deutlich nach beiden Seiten und gehen Sie dann auf kürzestem Weg (sprich: geradeaus) über die Straße.

Ist es einmal unvermeidlich, zwischen parkenden Autos hindurch über die Straße zu gehen, halten Sie, sobald Sie freie Sicht auf die Straße haben, noch einmal an und schauen sich erneut nach beiden Seiten um. 

 

So machen Sie Ihr Kind fit für den Straßenverkehr

Das richtige Verhalten im Straßenverkehr muss Ihr Kind immer und immer wieder üben, bis es ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist. Besonders wichtig ist dabei Ihr gutes Vorbild, denn Kinder lernen vieles durch Nachahmung ihrer Eltern.

  • Wecken Sie von Anfang an das Interesse an der Verkehrserziehung durch kindgerechte und sachlich korrekte Bilderbücher
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass Schubsen, Nachlaufen (auch einem Ball) und Raufen auf der Straße gefährlich ist. Ihr Kind muss deshalb genau wissen, an welchen Orten es gefahrlos spielen kann.
  • Wenn Sie mit Ihrem Kind unterwegs sind, sollten Sie betont deutlich und langsam demonstrieren, wie man sich richtig verhält. Auch wenn Sie selbst denken, dass Sie manchmal „überdeutlich“ und „übertrieben“ handeln, ist es für Ihr Kind gerade richtig. Denn was Sie mit einem schnellen Blick erfassen können, bedeutet für Ihr Kind oft noch große Mühe.
  • Lassen Sie Ihr Kind die Geschwindigkeit von Autos schätzen. So bekommt es ein Gefühl für die Schnelligkeit herannahender Fahrzeuge.
  • Üben Sie bei jeder Gelegenheit und nutzen Sie dazu die täglichen Wege, z. B. zum Einkaufen oder zum Spielplatz. Beginnen Sie mit Ihrer Verkehrserziehung so früh wie möglich, am besten, sobald Ihr Kind gelernt hat, an der Hand zu gehen.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man richtig nach dem fahrenden Verkehr Ausschau hält. Kleinkinder konzentrieren sich häufig nicht auf den Verkehr auf der Straße. Ihre Aufmerksamkeit wird leicht von anderen Leuten oder Dingenwie z. B. parkenden Autos abgelenkt. Daher sollten Sie IhrKind genau fragen, was es sieht.
  • Erklären Sie Ihrem Kind, was ein Autofahrer von ihm sehen kann. Ihrem Kind sollte bewusst sein, dass es zwischen Sträuchern, parkenden Autos oder hinter anderen Hindernissen nicht zu sehen ist und die Autofahrer somit nicht mit ihm rechnen.
  • Weisen Sie Ihr Kind auf Zeichen anderer Verkehrsteilnehmer hin (z. B. Blinken eines Autos oder Handzeichen abbiegender Radfahrer).
  • Schärfen Sie Ihrem Kind ein, Straßen möglichst an gesicherten Überwegen (Ampeln, Zebrastreifen) zu überqueren. Falls dies nicht möglich ist, sollten freie Stellen gesucht werden, an denen keine parkenden Autos oder Büsche die Sicht versperren. Stark befahrene Straßen sollte es am besten meiden.
  • Besprechen Sie, was Ihr Kind an einer Ampel oder einem Zebrastreifen beachten muss. Es sollte Blickkontakt mit den Fahrern herannahender Fahrzeuge aufnehmen und ein Handzeichen geben, damit der Fahrer erkennen kann, dass es die Straße überqueren will. Erklären Sie ihm, dass sich leider nicht alle Fahrer so verhalten, wie es zu erwarten wäre. Es darf deshalb erst dann hinübergehen, wenn alle Autos bereits stehen.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind den sichersten Weg zu seinem Freund, zum Kindergarten oder zur Schule. Üben Sie diesen Weg mit ihm ein und zeigen Sie ihm für jeden dieser Wege ganz genau, an welcher Stelle es die Straße am sichersten überqueren kann.
  • Es genügt nicht, eine neue Übung lediglich einmal durchzuführen. Genauso falsch wäre aber auch die ständige Wiederholung immer desselben Ablaufs. Sinnvoll ist kurzes, aber häufiges Üben mit vielen kleinen Änderungen, damit Ihr Kind Spaß an der Sache hat.
  • Oft verhält sich ein Kind schon nach ein paar Mal Üben korrekt. Aber Vorsicht: Die Übungssituation ist noch keine echte Bewährungsprobe. Begleiten Sie Ihr Kind so lange, bis es sicher ist. Bleiben Sie dabei in Ihrem Verhalten konsequent und machen Sie alles möglichst korrekt vor.
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