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Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ehrlich zu ihnen sind. Doch irgendwann lügt jedes Kind einmal. Lesen Sie hier, wie man dann damit umgehen sollten.
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Lügen & verheimlichen in der Pubertät: Was Sie als Eltern tun können!

Was tun, wenn Teenager lügen?

Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ehrlich und aufrichtig zu ihnen sind. Doch irgendwann merken sie, dass ihr Kind sie belogen oder ihnen etwas Wichtiges verheimlicht hat. Doch Strafen und Schimpfen nutzen hier gar nichts. In diesem Artikel lesen Sie, warum Teenager manchmal lügen und wie Sie am besten darauf reagieren. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ehrlich und aufrichtig sind

Es ist verständlich, dass Eltern irritiert sind, wenn sie von ihrem Kind belogen werden oder merken, dass ihnen wichtige Informationen vorenthalten wurden. Und trotzdem sollten sie lernen, möglichst besonnen mit solchen Situationen umzugehen. Das geht am besten, wenn man sich zunächst einmal klarmacht, wie die meisten Lügen überhaupt zustande kommen.

7 Gründe, warum Teenager manchmal lügen

Auch wenn wir manchmal nicht sofort verstehen, warum ein Kind lügt, hat das doch meistens eine Ursache. Häufige Gründe sind:

  1. Teenager lügen aus Angst vor Strafe
    Oft lügen Jugendliche, weil sie Angst vor möglichen Strafen haben. Vor allem wenn sie etwas Unerlaubtes getan haben, trauen sie sich dann nicht, die Wahrheit zu sagen. Je drastischer die angedrohten Strafen sind, desto schneller wird ein Kind bereit sein, die Unwahrheit zu sagen.
  2. Teenager lügen aus Angst vor Missbilligung
    Fast ebenso häufig ist das Lügen ein Ausdruck von Angst, missbilligt oder verachtet zu werden. Teenager sind aufgrund ihrer schwierigen Lebensphase besonders auf Wertschätzung angewiesen. Wenn sie aber „Mist gebaut“ haben, fällt ihnen das oft schwer zuzugeben, weil sie sich fürchten, die Achtung der Eltern zu verlieren. Dann ist es einfacher, zu einer Notlüge zu greifen.
  3. Teenager lügen , um jemandem zu gefallen
    Manchmal ist Lügen eine Art der Angeberei. Der Teenager peppt damit sein Selbstbild auf und macht sich selber etwas vor. In diesem Fall ist das Lügen ein Mittel, um eigene Unsicherheiten zu überspielen.
  4. Teenager lügen, um Verbote zu umgehen
    Teenager lügen sehr häufig, um elterliche Verbote auszuhebeln. Der Klassiker ist zu behaupten, man schlafe bei einer Freundin und besucht stattdessen heimlich eine Disko, obwohl die Eltern das verboten hatten.
  5. Teenager lügen aus Überforderung
    Manchmal lügen Kinder und Jugendliche auch, wenn sie sich überfordert fühlen. Besonders wenn zu Hause viel Leistung eingefordert wird, ist es manchmal leichter, eine gute Note zu behaupten, die man gar nicht geschrieben hat, oder die schlechte Zensur zu verheimlichen. Das fliegt zwar garantiert auf, ist aber erst mal der einfachere Weg.
  6. Teenager lügen, um die Eltern zu schonen
    Manche Jugendliche glauben, ihre Eltern vor der Erkenntnis schonen zu müssen, dass sie doch nicht ganz so harmlos sind, wie diese glauben. Durch Lügen halten sie dann das Bild, das sich die Eltern von ihrem vermeintlich perfekten Kind gemacht haben, aufrecht. Sie drücken sich davor zu zeigen, wie sie wirklich sind – wahrscheinlich aus Angst vor Ablehnung.
  7. Teenager lügen aus Scham und Schuldgefühlen
    Besonders häufig lügen Teenager wegen Schuld- und Schamgefühlen. Vor allem wenn sie etwas getan haben, was ihnen selber im Nachhinein peinlich ist, verheimlichen sie das so lange wie möglich oder greifen zur Notlüge. 

Es mag sicher noch andere Gründe geben, warum Jugendliche lügen. Manchmal findet man das wirkliche Motiv auch gar nicht heraus. Wichtig ist zu wissen, dass Ihr Kind Sie nicht aus Bosheit belügt oder um Sie zu ärgern. Lügen ist auch kein Ausdruck schlechter Erziehung: Jeder Mensch lügt schließlich im Laufe seines Lebens! Nehmen Sie es deshalb möglichst gelassen und – wenn es irgendwie geht – auch mit Humor.

 

5 Tipps: Was Sie tun können, wenn Sie Ihr Kind beim Lügen ertappt haben

Wenn Eltern ihr Kind beim Flunkern erwischen, hängt ganz schnell der Haussegen schief. Sie können aber auch konstruktiv mit dem Fauxpas ihres Teenagers umgehen, indem sie folgende Hinweise berücksichtigen:

1. Bleiben Sie möglichst ruhig Ihrem Teenager gegenüber

Schimpfen Sie nicht. Sagen Sie stattdessen besser: „Das überrascht mich aber jetzt.“ Wenn Ihnen das schwerfällt, weil Sie sehr aufgeregt sind, verlassen Sie die Situation mit den Worten: „Ich muss jetzt erst mal einen Moment allein sein.“ Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Kind, wenn Sie sich wieder gefangen haben.

2. Machen Sie Ihrem Pubertierenden keine Vorhaltungen

Sparen Sie sich Vorwürfe wie „Was fällt dir ein, mich so frech anzulügen?“. Sprechen Sie lieber von Ihren Gefühlen, und zwar möglichst ohne allzu moralisch dabei zu werden. Sagen Sie also nicht „Ich bin zutiefst enttäuscht von dir“, sondern lieber „Ich bin irritiert, weil du mir offensichtlich etwas Falsches erzählt/ etwas Wichtiges verheimlicht hast“.

3. Versuchen Sie zu verstehen, warum Ihr Teenager gelogen hat

Fragen Sie aber bitte nicht: „Warum hast du mich angelogen?“ Erstens kann es sein, dass Ihr Teenager das selbst nicht so genau weiß und es deshalb auch nicht erklären kann. Und zweitens katapultieren Sie Ihr Kind damit quasi auf die Anklagebank. Sagen Sie lieber: „Ich wundere mich darüber, dass du mir nicht die Wahrheit gesagt hast. Ich würde gerne verstehen, warum das so war.“

4. Beschämen Sie Ihren Teenager nicht

Wenn Ihr Kind des Lügens überführt wurde, wird es sich ohnehin nicht gut fühlen – ganz gleich, ob es Ihnen das zeigt oder nicht. Ihr Kind weiß doch, dass Lügen ein Tabu ist und was Sie davon halten. Setzen Sie also bitte nicht noch etwas Beschämendes obendrauf, wie etwa „Hätte ich mir ja denken können!“ oder „Na toll, wer weiß, wie oft du mich schon vorher belogen hast!“.

5. Verzeihen Sie Ihrem Teenager und hüten Sie sich davor, es jetzt verstärkt misstrauisch zu kontrollieren

Ihr Kind ist ein ganz normaler Teenager, kein Heiliger. Schummeln und Geheimnisse zu haben gehören in gewissem Maße zum Leben dazu. Auch wir Erwachsene greifen mal zu kleineren Höflichkeitslügen, etwa wenn wir jemanden nicht vor den Kopf stoßen wollen.

Verkneifen Sie sich verallgemeinernde Bemerkungen wie beispielsweise „Was kann ich dir denn jetzt überhaupt noch glauben?“. Nur weil Ihr Kind ab und zu flunkert, heißt das ja noch lange nicht, dass es immer die Unwahrheit sagt. Haken Sie das Geschehene also als einmalige Geschichte ab. Verzeihen Sie Ihrem Kind, und geben Sie ihm wieder vollen Vertrauensvorschuss.

Insgesamt gilt: Je mehr moralischer Druck innerhalb einer Familie und einer Beziehung aufgebaut wird und je höher die moralischen Ansprüche sind, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, irgendwann einmal lügen zu müssen.

Was Sie tun sollten, wenn Ihr Kind durch Lügen Ihre Verbote unterläuft

Wenn Sie merken, dass Ihr Kind durch Lügen wiederholt gewisse Verbote aushebelt, sollten Sie sich Gedanken darüber machen, welche Verbote tatsächlich angemessen sind. So ist es möglicherweise sinnvoller, das Kind unter bestimmten Bedingungen zu einer Party gehen zu lassen, als dies strikt zu unterbinden. Verhandeln könnten Sie dann etwa,

  • wie lange es dort bleiben darf,
  • wie es dorthin und wieder nach Hause kommt,
  • mit wem es zusammen dorthin geht usw.

Wenn Ihr Kind das Gefühl hat, dass Sie bereit sind, ihm unter gewissen Bedingungen entgegenzukommen, wird es Sie vermutlich nicht mehr so häufig belügen müssen. Dasselbe gilt natürlich auch für Alkoholkonsum etc. Überprüfen Sie also hin und wieder Ihre Verbote.

Folgende Aspekte sollten Sie bei Ihren Überlegungen berücksichtigen:

  • Sind meine Verbote noch altersangemessen?
  • Welche Ängste habe ich?
  • Was könnte mir dabei helfen, meinem Kind mehr Entscheidungsfreiräume geben zu können?

Mein Tipp: Überlegen Sie auch mal, wie es in Ihrer Herkunftsfamilie war: Und wie sind Ihre Eltern mit „Kinderlügen“ umgegangen? Das wäre ein guter und konkreter Anknüpfungspunkt, um über das Lügen miteinander ins Gespräch zu kommen.

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Kommentare zu "Lügen & verheimlichen in der Pubertät: Was Sie als Eltern tun können!"
  • Reinhard schreibt am 26.06.2017

    Meine Enkeltochter Michelle ist 13 Jahre alt und wurde am Freitag durch ihre Mutter und den Lebensgefährten der Mutter bestraft(Entzug Handy/Playstation/Hausarrest), weil sie seit Wochen keine Hausaufgaben gemacht hatte.
    Michelle spielt in der Schule ab, dass sie es zu Hause nicht so gut hat, weil sie ja ständig bestraft und geprügelt würde. Ich kann garantieren (wir wohnen im selben Haus), dass Michelle nie geschlagen wurde und nur zur Rechenschaft gestellt wurde, weil sie ihre Aufgaben nicht erfüllt. Jetzt ist Michelle beim Sozialen Dienst in Hanau und die Mutter darf noch nicht einmal Kontakt mit ihrem Kind haben, obwohl Michelle offensichtlich lügt, um sich um die Strafe zu drücken. Wie können wir uns verhalten, Eltern und Großeltern, damit die Michelle wieder nach Hause kommt. Ihre Mutter ist durch diese Aktion nervlich am Ende.
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