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Wie Sie am besten mit Ihrem Kind während der Pubertät ins Gespräch kommen und wie Ihnen ein Gesprächsleitfaden helfen kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.
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Gesprächsleitfaden für Eltern: So finden Sie Zugang zu Ihrem Teenager

Eltern-Kind-Kommunikation

Mit Teenagern in der Pubertät „vernünftig“ zu kommunizieren, ist manchmal gar nicht so einfach. Oft hören sie nicht richtig hin, schalten auf Durchzug oder verweigern jeden Dialog. In vielen Fällen ist es sinnvoll, bestimmte Gesprächsregeln zu beherzigen. Lesen Sie hier, wie Sie am besten mit Ihrem Kind ins Gespräch kommen und wie Ihnen ein Gesprächsleitfaden helfen kann. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

5 Tipps für eine einfühlsame Gesprächsführung bei Kummer

  1. Wenn Ihr Kind Kummer oder Probleme hat, spenden Sie ihm zunächst Trost, indem Sie einfach da sind: Setzen Sie sich einfach zu ihm. Wenn Ihr Kind es zulässt, können Sie es auch umarmen oder ihm den Arm streicheln. Oft helfen solche feinen, liebevollen Gesten schon mal, dass das belastete Kind sich etwas entspannen und öffnen kann.
  2. Fragen Sie, wie Ihr Kind sich fühlt: „Ich habe das Gefühl, du bist sehr traurig/ärgerlich/… Stimmt das?“
  3. Lassen Sie Ihrem Kind seine Stimmung, auch wenn Sie sie am liebsten gleich „wegmachen“ würden, um Ihr Kind wieder fröhlich zu sehen. Halten Sie es aus, dass Ihr Kind sich gerade nicht gut fühlt.
  4. Fragen Sie, ob Ihr Kind mit Ihnen darüber reden möchte. Akzeptieren Sie, wenn es Nein sagt. Manchmal möchte sich ein Teenager eben nicht öffnen oder braucht dafür noch etwas Zeit. Das ist kein Zeichen mangelnden Vertrauens.
  5. Bieten Sie ihm auf jeden Fall an, sich auch später an Sie wenden zu können. Fragen Sie bei Gelegenheit wieder nach, wenn sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind immer noch Kummer, Ärger oder Sorgen hat.

Gesprächsleitfaden: So schaffen Sie es, dass Ihr Kind Ihnen zuhört!

  1. Verabreden Sie mit Ihrem Kind Ort und Termin und beraumen Sie etwa eine halbe Stunde Zeit an.
  2. Sorgen Sie für eine entspannte Gesprächssituation. Stellen Sie Ihr Handy ab, drehen Sie Fernseher oder Musik ab, und sorgen Sie dafür, dass kleine Geschwister nicht stören.
  3. Bleiben Sie freundlich. Wenn Sie mit Vorwürfen anfangen, geht Ihr Kind verständlicherweise gleich in die Defensive.
  4. Holen Sie nicht weiter aus als nötig. Klären Sie höchstens einen oder zwei Punkte.
  5. Halten Sie keine Monologe oder „Moralpredigten“, das ermüdet Ihr Kind. Es wird dann nicht mehr richtig zuhören. Das, was Sie ihm eigentlich mitteilen möchten, geht dann in einem Wortschwall unter.
  6. Bringen Sie Ihr Anliegen klar und deutlich vor: „Ich möchte, dass du morgen pünktlich zum Essen da bist. Mir bedeutet es sehr viel, dass du beim Essen dabei bist. Das ist die einzige Zeit am Tag, in der wir alle beisammen sein können. Und ich mache mir auch Sorgen, wenn du einfach nicht kommst. Also sei bitte morgen pünktlich da. Geht das klar?“
  7. Erklären Sie Ihr Anliegen gegebenenfalls kurz, aber lassen Sie sich nicht dazu verleiten, sich zu rechtfertigen.
  8. Gehen Sie auf Gegenvorschläge ein, und suchen Sie gemeinsam nach einem Kompromiss. Bevor Sie sich allerdings in zähen, langatmigen und ineffektiven Diskussionen verlieren, brechen sie das Treffen ab und verabreden – wenn nötig – einen weiteren Termin.

 

10 Regeln für konstruktive Gespräche mit Teenagern

1. Reden Sie von sich selbst

Reden Sie nicht allgemein gültig von „man“, denn das ist unpersönlich und erreicht Ihren Teenager nicht. Sprechen Sie immer ganz konkret von sich selbst, Ihren Erwartungen, Erlebnissen, Gefühlen etc. Dann ist Ihr Kind auch eher bereit, Ihnen zuzuhören.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

  • Sagen Sie z. B. statt „An Regeln hat man sich zu halten, so ist das nun mal im Leben“ besser „Ich möchte, dass du dich an unsere Verabredung hältst“.
2. Vermeiden Sie Phrasen

Vermeiden Sie Sprüche wie „Das macht man nicht“, „Das gehört sich nicht.“, „Wenn das alle machen würden …“ etc. Sie kommen unpersönlich und moralinsauer daher und beeindrucken Ihren Teenager daher nicht. Allerhöchstens ärgert er sich darüber. Meistens aber hören Kinder bei solchen Phrasen einfach nicht mehr hin.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Sagen Sie lieber Sätze, die an Ihre Beziehung anknüpfen und persönlich sind, etwa:

  • Mir ist es wichtig, dass du…
  • Ich lege Wert darauf, dass wir …
  • Ich mache mir Sorgen, wenn du …“ etc.
3. Seien Sie möglichst authentisch

Zeigen Sie etwas von sich selbst, und achten Sie darauf, dass Sie dabei aufrichtig sind. Vermeiden Sie auch Doppelbotschaften: Versuchen Sie nicht, Ihrem Kind etwas vorzuspielen – es spürt die Diskrepanz zwischen Ihrer Ausstrahlung und dem, was Sie sagen, ohnehin. Das kann verwirrend für Ihr Kind sein oder es sogar verärgen.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Drücken Sie Ihre Gefühle verbal aus: „Jetzt bin ich sauer!Wichtig: Wut verbal auszudrücken ist nicht dasselbe, wie Wut an jemandem auszulassen. Sie zu benennen ist manchmal hilfreich, es ist aber oft eher destruktiv, sie laut herauszuschreien (auch wenn sich das vielleicht nicht immer vermeiden lässt). Achten Sie unbedingt darauf, immer wieder auch positive Rückmeldungen zu geben, etwa: „Ich freue mich, dass du pünktlich gekommen bist!“

4. Bleiben Sie im Hier und Jetzt

Vermeiden Sie es – wenn möglich – auf ältere Situationen zurückzugreifen, in denen Gefühle hochgekocht sind. Konzentrieren Sie sich darauf, das jetzt anstehende Thema anzusprechen bzw. das aktuelle Problem zu lösen.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Vermeiden Sie Sätze wie: „Das ist immer dasselbe mit dir!“. Bleiben Sie stattdessen bei dem aktuellen Thema und sagen Sie klar, freundlich und deutlich, was Sie sagen wollen.

5. Bleiben Sie in Ihren Aussagen möglichst konkret, besonders wenn es um Erwartungen geht. Und holen Sie sich eine verbindliche Antwort

Drücken Sie sich möglichst präzise und verständlich aus. Vermeiden Sie all zu langes „Drumherumgerede“. Teenager sind oft genervt von Standpauken und langen Reden. Vor allem wenn sich Eltern wiederholen, schalten Kinderohren auf „Durchzug“. Formulieren Sie vor allem Erwartungen klar und deutlich, sodass es hier möglichst wenig Interpretationsspielraum gibt. Dann kommt es auch seltener zu Missverständnissen.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Sagen Sie ohne Umschweife, was Sie erwarten:

  • Ich erwarte, dass du pünktlich um 18 Uhr wieder da bist. Geht das in Ordnung?
  • Ich möchte, dass spätestens am Samstag dein Zimmer aufgeräumt ist. Kriegst du das hin?
  • Ich möchte nicht, dass du in diesem Tonfall mit mir redest! Könntest du bitte etwas freundlicher sprechen?
6. Verzichten Sie auf Vorwürfe, Drohungen und andere verbale Attacken

Eltern sollten möglichst versuchen, auf Vorwürfe, Anschuldigungen, Drohungen und Schimpfen zu verzichten. Diese verbalen Verhaltensweisen zerstören langfristig das Vertrauensverhältnis und tragen eher dazu bei, gegenseitige Aggressionen aufbauen, als Konflikte zu klären. Klare Ansagen zu machen, ist in vielen Situationen hilfreicher, als einfach nur „Dampf abzulassen“.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Formulieren Sie Vorwürfe lieber in Ich-Aussagen um.

  • Statt „Du wirst immer frecher! Wie kann man nur so unverschämt sein! Lass das gefälligst!“ sagen Sie besser „Ich möchte nicht, dass du so unfreundlich mit mir sprichst“.
  • Statt „Wenn du nochmal zu spät nach Hause kommst, kannst du dein Popkonzert vergessen!“ sagen Sie besser „Ich erwarte, dass du das nächste Mal pünktlich zum Essen erscheinst“.
7. Hören Sie Ihrem Teenager gut zu

Auch wenn es im hektischen Alltag manchmal schwierig ist: Versuchen Sie wenigstens hin und wieder, sich Zeit für Ihren Teenager zu nehmen, um ihm zuzuhören. Ganz gleich, was er zu erzählen hat: Hören Sie hin! Zeigen Sie sich ehrlich interessiert und gehen Sie auf das Erzählte ein. Wichtiger als die eigene Meinung zu sagen ist aber, genau zuzuhören. Wenn wir jemandem bewusst zuhören, lernen wir eine Menge über ihn: was ihn beschäftigt, was ihn fröhlich oder traurig macht, worüber er sich ärgert usw.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Ermuntern Sie Ihr Kind mal, einfach drauflos zu reden, und haben Sie ein offenes Ohr. Dazu könnten Sie ihm folgende Fragen stellen:

  • Was findest du in deinem Leben eigentlich gerade gut/schwierig/nervig?
  • Wie stellst du dir eigentlich dein späteres Leben vor, so etwa in 20 Jahren? Wo bist du da, und was machst du dann so?
  • Was fasziniert dich eigentlich an diesem Playstation-Spiel so? Zeigst du mir mal, was man da so machen muss?
8. Fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist oder Sie etwas genauer wissen wollen

Zuhören ist keine passive Tätigkeit. Wenn Sie Ihr Kind wirklich verstehen wollen, ist es sicher manchmal notwendig nachzufragen. Achten Sie allerdings darauf, Ihr Kind nicht auszuhorchen bzw. es zu verhören. Das ist eher Ausdruck von Kontrolle und Macht als von Zuwendung und Interesse.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Geeignete Interessenfragen sind z. B.:

  • Was belastet/beschäftigt dich denn am meisten?
  • Was würdest du denn am liebsten (jetzt) tun?
  • Wie meinst du das genau?
  • Habe ich das richtig verstanden: Du fühlst dich …, weil …?
9. Werten Sie die Meinung Ihres Kindes nicht ab

Auch wenn die Argumentation Ihres Teenagers widersprüchlich, unlogisch oder unausgegoren wirkt: Nehmen Sie seine Meinung stets ernst. Natürlich sind Sie reifer und haben vermutlich meistens die „besseren Argumente“: Trotzdem ist das kein Grund, sich als „Besserwisser“ aufzuspielen. Ihr Kind könnte sich dadurch nicht ernstgenommen und zurückgesetzt fühlen. Das kann die Eltern-Kind-Beziehung stark belasten.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

  • Wenn Sie anderer Meinung sind als Ihr Kind, sagen Sie nicht „Das ist Blödsinn!“ oder „So ein Quatsch!“, sondern lieber „Ich sehe das anders als du.“ oder „Ich respektiere deine Meinung, habe aber andere Ansichten“.
  • Versuchen Sie nicht, Ihr Kind von der Richtigkeit Ihrer Meinung zu überzeugen. Das wird es eher in die Ecke treiben und störrisch werden lassen.
10. Vertagen Sie wichtige Gespräche, wenn Sie zu aufgewühlt sind bzw. keine Zeit haben

Morgens beim hektischen Frühstück oder abends zwischen Tür und Angel lassen sich weder Probleme lösen noch Konflikte klären. Auch wenn Sie selbst gerade „auf 180“ sind, sollten Sie die Diskussion unterbrechen oder beenden. In Ruhe lässt sich einfach besser argumentieren und streiten.

Was Sie tun bzw. sagen könnten:

Sagen Sie freundlich, aber bestimmt: „Ich möchte jetzt nicht weiter darüber diskutieren, können wir das bitte heute Abend/ein anderes Mal in Ruhe besprechen?“ Sorgen Sie dann jedoch unbedingt dafür, dass dieses Gespräch stattfindet!

 

 

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