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Antibiotika tauchen nicht auf der Zutatenliste auf – trotzdem sind sie in vielen Lebensmitteln wie Käse, Leberwurst oder Joghurt enthalten.
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Antibiotika in unserer Nahrung: Antworten auf die 7 wichtigsten Fragen

Für Sie aufgedeckt!

Sie tauchen nicht auf der Zutatenliste auf – trotzdem sind sie in vielen Lebensmitteln wie Käse, Leberwurst oder Joghurt enthalten. Die Rede ist von Antibiotika. Von der Industrie werden sie oft verharmlost, sie können Ihrem Kind aber extrem gefährlich werden, weil sie die Entstehung von multiresistenten Keimen fördern können. 

Expertenrat von 
Dipl. oec. troph. Marion Jetter, Ernährungsberaterin, freiberufliche Journalistin

1. Wie gelangen Antibiotika in unsere Lebensmittel?

Der Einsatz von Antibiotika ist vor allem in der Massentierhaltung üblich, weil sich Krankheiten bei über 20 Tieren (z.B. Hühnern) pro Quadratmeter schnell verbreiten. Deshalb wird oft die ganze Herde mit Antibiotika über das Trinkwasser behandelt, auch wenn nur einzelne Tiere erkrankt sind. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Verbraucherministeriums Nordrhein-Westfalen (NRW) ergab, dass 92% der Tiere aus den untersuchten NRW-Betrieben in der etwa fünfwöchigen Mastzeit häufig sogar mehrfach mit Antibiotika behandelt werden.

2. In welchen Lebensmitteln können Antibiotika-Rückstände enthalten sein?

Rückstände von Antibiotika können in allen Lebensmitteln, die von Tieren gewonnen werden, wie Fleisch, Eier, Milch etc., enthalten sein, wenn die Tiere mit Antibiotika behandelt worden sind. Wenn ein Tier Arzneimittel erhalten hat, dürfen von ihm innerhalb einer festgelegten Wartezeit jedoch keine Lebensmittel in den Handel gebracht werden. Bei einer bestimmungsgemäßen Anwendung von Arzneimitteln in der Tiermast sind in den Lebensmitteln nach Ablauf dieser Wartefrist keine gesundheitlich bedenklichen Mengen an Rückständen vorhanden. Dennoch warnen Verbraucherschützer immer wieder vor Antibiotika-Rückständen in Fleisch, Geflügel und in Gemüse. Denn über den tierischen Dünger gelangen diese letztendlich auch in Sellerie oder Mais. Es sind zwar nur winzige Mengen pro Stängel oder Knolle, doch im Laufe eines Lebens kommt so einiges zusammen.

3. Warum ist das überhaupt gefährlich für mein Kind?

Leider muss ich Ihnen sagen: Mit dem massenhaften und vor allem ungezielten Einsatz von Antibiotika steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich resistente Keime durch Mutationen entwickeln. Das große Problem: In der Nutztierhaltung werden in Deutschland ungefähr doppelt so viele Antibiotika eingesetzt wie in der Humanmedizin. Teilweise werden sogar die gleichen Wirkstoffe verwendet, was die Gefahr der Unwirksamkeit der Antibiotika noch verstärkt. Besonders besorgniserregend ist der Einsatz von sogenannten Reserveantibiotika der Humanmedizin in der Massentierhaltung. Diese sind von besonderer Bedeutung für die Therapie erkrankter Menschen und sollen nur zum Einsatz kommen, wenn Standardantibiotika keine Wirkung mehr zeigen. Das bedeutet: Wenn Ihr Kind Fleisch mit solchen Erregern isst, kann es sein, dass bei ihm diese Antibiotika ihre Kraft verlieren. Wird es dann krank, kann es möglicherweise nicht behandelt werden. 

4. Was bedeutet Antibiotikaresistenz genau?

Bakterien können gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich sein, man spricht dann von Antibiotikaresistenz. Das bedeutet, dass solche Bakterien in Gegenwart von bisher hemmenden oder abtötenden Substanzen nicht mehr oder ungenügend im Wachstum beeinflusst werden. Solche Infektionen durch resistente Bakterien sind schwieriger zu therapieren, sie können dadurch länger dauern und auch schwerer verlaufen. Das bedeutet: Dadurch entstehen Gesundheitsrisiken, die kaum abgeschätzt werden können.

5. In welchen Lebensmitteln können antibiotikaresistente Keime enthalten sein?

Im Rahmen der Lebensmittelgewinnung können resistente Keime aus der Nutztierhaltung auf die gewonnenen Lebensmittel, z.B. auf Fleisch oder Milch, übertragen werden. Durch Hitzebehandlung (Kochen, Backen, Braten oder auch Pasteurisieren) werden die Keime aber abgetötet. Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen, insbesondere bei der Zubereitung von rohem Fleisch, auf sorgfältige Hygiene zu achten. Denn sonst können die Keime über Küchenutensilien bzw. Geschirr auf andere Lebensmittel übergehen, die nichterhitzt werden, zum Beispiel Salat.

6. Wie können Sie Ihr Kind vor resistenten Keimen in Lebensmitteln schützen?

Grundsätzlich unterscheiden sich die Maßnahmen, die Verbraucher zum Schutz vor resistenten Keimen auf Lebensmitteln ergreifen können, nicht von denen gegenüber anderen Keimen, z.B. Krankheitserregern wie Salmonellen oder Campylobacter. So sollte beispielsweise rohes Fleisch vor dem Verzehr mindestens zwei Minuten lang auf 70 Grad erhitzt werden. Beim Umgang mit rohem Fleisch sollte sorgfältig darauf geachtet werden, dass die Keime nicht durch die Hände oder irgendwelche Gegenstände (z.B. Messer, Schneidbretter) auf andere Lebensmittel übertragen werden.

7. Sind Bio-Lebensmittel weniger belastet?

Bei Bio-Fleisch dürfen prinzipiell auch Antibiotika eingesetzt werden, aber nur wenn keine andere alternative Behandlung möglich ist und grundsätzlich nur einmal im Leben der Tiere. Trotzdem kann auch Bio-Fleisch in den Schlachthöfen oder durch konventionell arbeitende Nachbarhöfe verunreinigt werden.

Wichtige Info!

Bis zu ihrem 18. Geburtstag haben Kinder aus Industrienationen durchschnittlich 10 bis 20 Antibiotikakuren hinter sich. Kommen dann noch die Rückstände in unseren Lebensmitteln dazu, addiert sich das zu einer gefährlich hohen Dosis.

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