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Ohne Rezept, aber nicht ohne Folgen! Kinderärzte warnen vor dramatischen Nebenwirkungen von frei verkäuflichen Kinder-Medikamenten.
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Auf diese Kinder-Medikamente aus der Apotheke sollten Sie verzichten

Gefährliche Medikamente für Kinder

Viele Eltern greifen sorglos auf rezeptfreie Medikamente zurück, wenn ihr Kind nicht schläft oder die ganze Nacht hustet. Doch Vorsicht! Kinderärzte warnen vor dramatischen Nebenwirkungen von frei verkäuflichen Kinder-Medikamenten. Auf welche Arzneimittel Sie besser verzichten sollten, erfahren Sie hier. 

Expertenrat von 
Silke Lemhöfer, Heilpraktikerin und Dozentin

Ohne Rezept, aber nicht ohne Folgen!

„Der Saft ist doch ganz harmlos, schließlich bekommt man ihn ohne Rezept“! Diesen Satz höre ich oft von Eltern. Kein Wunder: Viele frei verkäufliche Kinder-Medikamente kommen ganz harmlos daher und dürfen laut Beipackzettel sogar schon Säuglingen verabreicht werden. Die Werbung redet Eltern ein, dass sie nicht viel falsch machen können, wenn sie kleinere Wehwehchen ihres Kindes damit behandeln. Ein gefährlicher Irrtum: Manche dieser Medikamente können sogar lebensgefährlich sein.

Gefahr Nummer 1: Medikamente gegen Übelkeit, Husten und Schlaflosigkeit

Viele dieser Mittel enthalten Wirkstoffe, die ursprünglich zur Behandlung von Allergien entwickelt wurden. Diese sogenannten „H1-Histaminika der ersten Generation“ (AH1G) mit den chemischen Namen Doxylamin, Diphenhydramin und Dimenhydrinat machen stark müde und werden heute vor allem wegen ihrer beruhigenden, schlaffördernden Wirkung eingesetzt. Auch bei Übelkeit und gegen Husten kommen sie zum Einsatz. Das Problem:

  • Die enthaltenen Substanzen beeinträchtigen bei Säuglingen und Kleinkindern auch die Atmung.
  • Bei kleinen Kindern besteht die Gefahr eines Herz-Kreislauf-Kollaps.
  • Auch ältere Kinder werden tagsüber müde, teilweise bis zur Benommenheit.
  • Es kommt zu Konzentrationsstörungen, manchmal auch zu Krämpfen und Halluzinationen.
  • Weitere Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Verstopfung und Probleme beim Wasserlassen.

Achtung! Bei einer Überdosierung können die genannten Wirkstoffe vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern lebensbedrohliche Folgen haben! Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin warnt daher bereits seit 2012 vor den Präparaten und fordert eine Rezeptpflicht für Säuglinge und Kleinkinder

Gefahr Nummer 2: Fieber- und Schmerzmittel

Kinder sind häufig erkältet. Wenn das Fieber steigt, greifen viele Eltern schnell zum Fieberzäpfchen. Auch Schmerzmittel kommen bei Kindern häufig zum Einsatz – ganz gleich ob Kopf- oder Zahnschmerzen: Wer will schon, dass sein kleiner Schatz leiden muss? Doch längst nicht jedes frei verkäufliche Schmerzmittel ist für Kinder geeignet.

  • Für Mütter, die schon ältere Kinder haben, und für Großeltern heißt es zudem umdenken: Paracetamol, das lange der Hit unter den Kinder-Schmerzmitteln war, wird inzwischen für Kinder nicht mehr empfohlen.
  • Verwenden Sie stattdessen, wenn nötig, Ibuprofen als Zäpchen oder Saft (z. B. Nurofen junior, Ibu ratiopharm 4% Fiebersaft für Kinder, Nureflex Kinderzäpfchen). Wichtiger Hinweis Überschreiten Sie keinesfalls die in der Packungsbeilage angegebene Dosierung!
  • Nicht einnehmen darf Ihr Kind Medikamente, die den Wirkstoff ASS (Aspirin) enthalten. Er kann bei Kindern gefährliche Nebenwirkungen haben. Auch Novalgin, ein Schmerzmittel für Erwachsene (Wirkstoff Metamizol), ist für Kinder ohne Absprache mit dem Arzt tabu.

 

Medikamente richtig einnehmen: Die 5 goldenen Regeln

Bei jedem Medikament gilt: Durch eine falsche Einnahme kann jedes harmlose Medikament gefährlich werden. Beachten Sie daher folgende Grundregeln:

1. Erkennen Sie die Grenzen der Selbstbehandlung

Behandeln Sie Ihr Kind nur bei bekannten und leichten Beschwerden selbst. Denken Sie dabei an den Grundsatz „Weniger ist mehr“. Nicht jedes Wehwehchen muss mit Medikamenten behandelt werden. Dauern die Beschwerden länger als drei Tage an, ziehen Sie bitte einen Arzt oder Heilpraktiker hinzu.

2. Seien Sie immer vorsichtig und genau

Geben Sie Ihrem Kind nur Medikamente, die auch für Kinder zugelassen sind. Verwenden Sie keine Arzneimittel von sich selbst oder von anderen Erwachsenen.

3. Achten Sie stets auf die richtige Dosierung

Auch bei rezeptfreien Medikamenten gilt: Halten Sie sich strikt an die Dosierungsangaben und Gebrauchsinformationen in der Packungsbeilage. Schätzen Sie nicht die Dosis, und rechnen Sie sie nicht von der Dosis für Erwachsene um! Hat Ihr Kind Erbrechen oder Durchfall, geben Sie das Medikament nicht erneut und erhöhen Sie die Dosis nicht.

4. Bewahren Sie Medikamente kindersicher auf

Schließen Sie Medikamente grundsätzlich so weg, dass Ihre Kinder sie nicht erreichen können. Füllen Sie keine Arzneimittel um.

5. Gehen Sie rechtzeitig zum Arzt

Generell gilt: Gehen Sie mit Ihrem Kind lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig. Sofort einen Arzt aufsuchen sollten Sie

  • bei schweren, unklaren oder anhaltenden Symptomen,
  • bei hohem Fieber (> 39,5 °C),
  • wenn Ihr Kind ernsthaft krank wirkt,
  • umso eher, je jünger Ihr Kind ist,
  • bei Säuglingen: immer!


Diese Medikamente sollten Sie meiden

NameWirkstoffZugelassene
Altersgruppe
Alternativen
Arzneimittel gegen Unruhe und Schlafstörungen
Sedaplus-SaftDoxylamin Säuglinge ab 6 Monate

• Passiflora Kinderzäpfchen oder Passiflora Comp. Globuli (WALA)

• Sidroga Schlaf-gut Kindertee

• ab 1 Jahr: milde ätherische Öle (z. B. „Lavendel fein“ in der Duftlampe)

Arzneimittel gegen Übelkeit, Erbrechen und Reisekrankheit

Emesan
Kinderzäpfchen

Rodavan

Superpep Tabletten
oder Reise-kaugummi

Vomex-A Sirup oder Kinder-
zäpfchen (40m)

Diphendydramin

Dimenhydrinat

Dimenhydrinat



Dimenhydrinat

ab 8 kg Körpergewicht

ab 6 Jahre

ab 6 Jahre



ab 6 kg Körpergewicht

• dünner, gesüßter Fenchel-/Kamillentee
• Ingwer-Tropfen
• Bolus alba comp. Pulver (WALA)
• nach schwer verdaulicher Nahrung:
Geniana Magen Globuli velati (WALA)

Mein Tipp: Hausmittel statt Medikamente Wenn das Kind krank ist, möchte man als Mutter etwas dagegen tun. Das ist ganz normal und entspricht unserem Instinkt zur Fürsorge. Doch es muss nicht immer gleich ein Medikament sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ein schleimlösender Brustwickel, ein schmerzlinderndes Zwiebelsäckchen oder ein gemeinsames Dampfbad helfen oft viel besser. Zusätzlich bekommt Ihr Kind dadurch noch eine Extraportion Zuwendung, die es jetzt besonders dringend braucht.

Arzneimittel gegen Fieber und Erkältungskrankheiten
Wick MediNait
Erkältungssirup
mit Honig- und
Kamillenarom
Doxylamin,
Paracetamol,
Dextromethorphan
ab 12 Jahre • Wadenwickel bei Fieber
• Dampf-Inhalation mit Thymian (bei Husten)
• Dampf-Inhalation mit Meersalz gegen Schnupfen
• Quark- oder Kartoffel-Brustwickel
• Prospan-Hustensaft

 

 

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