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Überprüfen Sie mit unserer Checkliste die auffälligsten Symptome von Mobbing und verschaffen Sie sich Klarheit, wenn Ihnen etwas merkwürdig vorkommt.
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„Ey, du Opfer“: Wie Ihr Kind sich vor Mobbing schützten kann

Mobbing stoppen

Die schlechte Nachricht vorneweg: Es kann durchaus sein, dass Ihr Teenager gemobbt wird, auch wenn Sie das nicht bemerken. Bevor Sie also die Seite wieder verlassen, weil Sie sich nicht betroffen fühlen, sollten Sie auf Nummer sicher gehen. Überprüfen Sie die auffälligsten Symptome von Mobbing und verschaffen Sie sich Klarheit, wenn Ihnen etwas merkwürdig vorkommt. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Je eher Mobbing gestoppt wird, desto besser

Teenager sind großartig darin, etwas Unangenehmes vor ihren Eltern zu verbergen. Und Mobbing gehört dazu, definitiv. Kein Heranwachsender möchte als „Weichei“ gelten und jammernd die Hilfe von seinen Eltern einfordern, weil seine Klassenkameraden ihn mies behandeln. Im Gegenteil, cool und tough zu sein ist die Maxime. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Teenager fühlen sich erwachsen und dem Schutz der Eltern entwachsen, besitzen aber längst nicht genug Lebenserfahrung, um schwierige Situationen alleine meistern zu können.

Mobbing betrifft jeden 3. Schüler, als Opfer oder als Täter

In einer aktuellen Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) der Universität Lüneburg gab 2016 fast jeder dritte Schüler (31,2 %) an, in letzter Zeit mindestens einmal „fertiggemacht oder schikaniert“ worden zu sein. Jeder Zehnte sei sogar mindestens einmal Opfer von Gewalt auf dem Schulgelände und seinem Schulweg geworden. Als Täter von Mobbinghandlungen sehen sich 37 Prozent der Befragten, wobei der Anteil der betroffenen Jungen und Mädchen nahezu gleich war.

Was ist Mobbing?

Wenn es über einen längeren Zeitraum wiederholt zur Schikanierung einer Person kommt, spricht man von Mobbing oder Bullying. Mobbing ist also eine Form der psychischen Gewalt, die sich als dauerhaftes Drangsalieren und Quälen wiederholt an einzelne Opfer richtet, die sich nicht zur Wehr setzen können.

Diese Zeichen können die Folge von Mobbing bei Ihrem Teenager sein

Jugendliche, die unter Mobbing leiden, sind nicht glücklich. Häufig verändert sich ihr gesamtes Verhalten und sie ziehen sich immer mehr zurück. Diese selbst gewählte Isolation betrifft nicht nur die Täter oder Klassenkameraden, sondern auch Eltern und Geschwister. Der betroffene Teenager schämt sich und weiß sich nicht anders zu helfen, als dem Mobbing so oft wie möglich aus dem Weg zu gehen. Doch leider ist das in Zeiten der sozialen Netzwerke kaum noch möglich.

 

Checkliste: Zeigt Ihr Kind diese Symptome?

Ja / Nein
1.
Zieht sich Ihr Kind in letzter Zeit immer häufiger in sein Zimmer zurück?
2.
Schränkt Ihr Kind den Kontakt zu seinen Freunden immer stärker ein?
3.
Ist Ihr Kind in letzter Zeit häufiger krank?
4.
Spielt Ihr Kind in letzter Zeit übermäßig viel am Computer?
5.
Ist Ihr Kind in letzter Zeit häufig niedergeschlagen oder depressiv?
6.
Ist Ihr Kind in letzter Zeit häufig aggressiv?
7.
Leidet Ihr Kind unter Schlafmangel?
8.
Hat sich das Essverhalten Ihres Kindes verändert?
9.
Zeigt Ihr Kind in letzter Zeit Konzentrationsstörungen?
10.
Sind die schulischen Leistungen Ihres Kindes in letzter Zeit schlechter geworden?
11.
Leidet Ihr Kind unter chronischen Kopf- oder Magenschmerzen?
12.
Hat Ihr Kind sich bei sozialen Netzwerken abgemeldet?

 

Auswertung

Alle diese Symptome können harmlos sein und zur ganz normalen Pubertät gehören. Sie können aber auch etwas anderes bedeuten, nämlich dass Ihr Kind unglücklich ist, weil es in der Schule gemobbt wird. Je mehr Fragen Sie mit Ja beantwortet haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Teenager ein Problem hat.

So verschaffen Sie sich Schritt für Schritt Klarheit

Wenn Sie die Befürchtung haben, dass Ihr Teenager von Mobbing betroffen sein könnte, sollten Sie auf keinen Fall kopflos reagieren. Natürlich sind Sie betroffen und spüren vermutlich ein Gefühl von Wut und Hilflosigkeit. Trotzdem sollten Sie nun überlegt und nicht überstürzt vorgehen.

1. Sprechen Sie mit Ihrem Kind

Stürmen Sie auf keinen Fall in das Zimmer Ihres Teenagers und überfallen Sie ihn mit Ihren Befürchtungen. Warten Sie besser einen ruhigen Moment ab, in dem ein Gespräch möglich erscheint. Bei Pubertierenden ist das Zeitfenster für ein Gespräch oft sehr klein. Achten Sie darauf, alleine mit Ihrem Kind zu sein, denn Zeugen seines „Versagens“ verstärken seine Scham. Beginnen Sie ein Gespräch über Mobbing und tasten Sie sich vorsichtig an das Thema heran. Dazu eignen sich offene Fragen:

  • Ich habe gelesen, dass jeder dritte Schüler Probleme mit Mobbing hat.
    Wie ist das eigentlich bei euch an der Schule?
  • Kennst du jemanden, der schon einmal gemobbt worden ist?
  • Ist Mobbing bei euch an der Schule ein Thema?
    Wird im Unterricht darüber gesprochen?

Mit ein bisschen Glück lässt Ihr Kind sich auf das Thema ein und erzählt aus seinem Schulalltag. Wenn Sie den richtigen Ton treffen, ist es durchaus möglich, dass Ihr Teenager die Gelegenheit nutzt, sich seine Sorgen von der Seele zu reden. Selbstverständlich dürfen Sie ihm niemals die Schuld an der Situation geben, sonst ist das Gespräch sofort beendet. Stattdessen sollten Sie ihm jede Hilfe und Unterstützung anbieten.

2. Sprechen Sie mit Freunden Ihres Kindes

Nicht immer gelingt es, mit dem eigenen Kind über das Thema Mobbing zu sprechen. Falls Sie trotzdem das Gefühl haben, Ihr Kind könnte betroffen sein, dürfen Sie seine besten Freunde befragen. Geben Sie Ihrer Sorge Ausdruck und fragen Sie, ob den Freunden auch Veränderungen aufgefallen sind.

  • Sven ist in letzter Zeit so still geworden.
    Hast du auch das Gefühl, dass er sich verändert hat?
  • Sven erzählt gar nichts mehr über die Schule. Wie findest du denn das Klassenklima?
    Seid ihr eine gute Klassengemeinschaft?

Wenn den Freunden etwas aufgefallen ist, haben Sie so einen guten Einstieg in das Gespräch. Zucken sie allerdings nur mit den Achseln, brauchen Sie an diesem Punkt nicht weiter nachzufragen. Schließlich wollen Sie Ihr Kind nicht beschämen, indem Sie seine Freunde „ausquetschen“.

3. Sprechen Sie mit den Lehrern Ihres Kindes

Wenn sich Ihr Verdacht verdichtet und Sie weder zu Ihrem Teenager vordringen noch von seinen Freunden etwas erfahren, sollten Sie einen Termin mit dem Klassenlehrer ausmachen. Mobbing ist ein ernsthaftes Problem und nur die wenigsten können es selber lösen. Schildern Sie Ihre Beobachtungen und fragen Sie nach, ob sich Ihr Kind auch in der Schule verändert hat. Häufig bekommen Lehrer von Mobbing nichts mit. Durch solch ein Gespräch können Sie sie jedoch darauf aufmerksam machen, sodass Ihr Teenager künftig besser beobachtet und der Lehrer sensibilisiert wird.

Die Schule muss sich auf die Seite der Mobbing-Opfer stellen

Wenn das Mobbing aufgedeckt ist, kann wirksam etwas dagegen unternommen werden. Auf keinen Fall sollten Sie im Alleingang mit den Eltern der Täter sprechen. Sehr viel sinnvoller ist es, dritte Parteien oder Einrichtungen anzusprechen. Die Lehrer der Schule und die Schulleitung müssen unbedingt informiert werden. Mobbing ist kein schönes Thema, es wird in vielen Schulen heruntergespielt. Das sollten Sie und Ihr Kind sich aber auf keinen Fall gefallen lassen.

  • Fordern Sie ein, dass die Schule etwas gegen das Mobbing unternimmt.
  • Machen Sie klar, dass die Schule eine Aufsichtspflicht hat
    und für das Wohl der Schüler zu sorgen hat.
  • Drohen Sie mit Konsequenzen, wenn die Schule das Mobbing nicht ernst nimmt.

Das können Sie und Ihr Kind bei Mobbing auch noch tun

  • Informieren Sie sich bei einem „Mobbing-Telefon“, wie Sie am besten vorgehen. Achtung: Hier können je nach Anbieter Kosten entstehen. Für Jugendliche vom Handy: 116 111
  • Sprechen Sie mit der Telefonseelsorge, deren Hilfe fast immer kostenlos ist (www.mobbing-kontakt-stelle.de).
  • Inzwischen gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen von Mobbingopfern, die wertvolle Unterstützung leisten können. Lokale Gruppen finden Sie über das Internet.
  • Leidet Ihr Kind sehr, kann auch die Unterstützung durch einen Psychologen sinnvoll sein.

Prävention: So schützt sich Ihr Kind vor Mobbing

Ein gesundes Selbstbewusstsein, der Rückhalt der Familie und gute Freunde sind ein hilfreicher Schutz gegen Mobbing. Trotzdem kann es jeden treffen, besonders durch das Internet verbreiten sich Gerüchte und gefälschte Nachrichten blitzschnell. Je besser ein Teenager in seiner Klasse eingebunden ist, je wohler er sich fühlt und je mehr andere Klassenkameraden zu ihm stehen, desto schwieriger wird es, ihn zu mobben. Gefestigte Jugendliche können über Versuche von Ausgrenzung oder Verleumdung eher lachen. Gemeinsam mit ihren Freunden fühlen sie sich stärker und nehmen das versuchte Mobbing nicht so persönlich. Einen 100-prozentigen Schutz gegen Mobbing gibt es jedoch nicht.

Mobbing: Hier sind die Schulen gefragt

Eine ganz wichtige Rolle in der Vorbeugung und Bekämpfung von Mobbing fällt den Schulen zu. Sie dürfen das Thema nicht tabuisieren, sondern müssen offensiv damit umgehen. Das kostet Zeit und bedarf geschulter Pädagogen. Eltern sind gut beraten, wenn sie im Gespräch mit der Schule immer wieder darauf hinweisen, wie wichtig ihnen der Schutz ihrer Kinder ist.

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