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Jedes Kind muss irgendwann lernen, selber Verantwortung für seinen Umgang mit dem Schulstoff zu übernehmen und den Lernprozess zu organisieren.
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Lernorganisation: So besiegt Ihr Kind das Chaos in 5 Schritten

Selbstorganisation für Teenager

Jedes Kind muss irgendwann lernen, selber Verantwortung für seinen Umgang mit dem Schulstoff zu übernehmen und den Lernprozess zu organisieren. Elterliche Unterstützung ist in der Grundschule noch ganz normal, sollte aber später nur noch die Ausnahme sein. Hier finden Sie fünf Möglichkeiten, wie Ihr Kind sein Lernchaos nach und nach überwinden kann. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Die Pubertät ist eine schwere Phase für die ganze Familie

Mit dem Eintritt in die Pubertät wird es immer schwieriger, einem Jugendlichen Lerntipps zu geben. Gleichzeitig lassen die Leistungen bei vielen Schülerinnen und Schülern nach. Je mehr die Eltern versuchen, ihr Kind wieder „auf Linie“ zu bringen, desto mehr halten die Teenager dagegen. Der Druck der Eltern erzeugt eine Trotzreaktion, die Fronten verhärten sich. Mit den Mitteln aus der Grundschulzeit, kleinen Belohnungen und viel Lob, erreichen Sie jetzt nicht mehr viel.

Geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, sich stärker einbringen zu können

Natürlich liegt vor einem 13-jährigen Jungen oder einem 14- jährigen Mädchen noch ein weiter Weg, bis aus den Jugendlichen endlich verantwortungsbewusste Erwachsene werden. Das ist den Teenagern jedoch nicht bewusst. Sie wollen sich freistrampeln und nicht mehr von Eltern und Lehrern bevormunden lassen. Ich kann allen Eltern nur raten, diesen Wunsch ernst zu nehmen. Natürlich sollen Jugendliche nicht ohne Regeln und mit allen Freiheiten aufwachsen. Schritt für Schritt muss es ihnen aber möglich sein, eigene Erfahrungen zu machen, Dinge auszuprobieren und zu scheitern. Daran können sie wachsen.

Fünf Lernbereiche, die Ihr Kind jetzt selbst entwickeln muss

Von vielen Vereinbarungen, die für die Grundschulkinder gelten, müssen Eltern sich jetzt in der Pubertät verabschieden. Hausaufgaben am Schreibtisch erledigen, feste Arbeitszeiten, Ordnung im Rucksack, ausreichend Schlaf oder Kontrolle der Lernfortschritte. Alles kann sich jetzt ändern. Durch die Umstellung der Hormone ist auch der Biorhythmus betroffen. Konnte Ihr Kind bisher am besten am Nachmittag lernen, so hat sich diese Zeit jetzt vielleicht auf den Abend verschoben.

 

Schritt 1: Arbeitsplatz selber auswählen

Ein eigener Arbeitsplatz ist auch in der weiterführenden Schule wichtig. Doch bei vielen Jugendlichen ist der Schreibtisch uncool und wird nur noch als Ablagefläche genutzt. Stattdessen lümmeln sie lieber auf dem Bett herum oder lernen auf dem Fußboden. Viele Eltern fragen sich, wie ein effektives Lernen so überhaupt möglich ist. Doch nicht der Arbeitsplatz macht den Lernerfolg aus, sondern die Motivation und der Fleiß. Beides kann auch auf dem Bett erreicht werden.

Schritt 2: Lernzeit selber festlegen

Mit dem Eintritt in die Pubertät kann es sein, dass Ihr Kind Altbewährtes reihenweise ablehnt. Dazu kann auch gehören, dass die Hausaufgaben künftig nicht mehr direkt nach dem Mittagessen erledigt werden. Anderes ist jetzt möglicherweise wichtiger. Vergeuden Sie Ihre Kraft und Energie nicht darauf, die alten Lernzeiten beizubehalten. Vereinbaren Sie vielmehr mit Ihrem Kind, dass es regelmäßig lernt, egal zu welcher (vertretbaren) Uhrzeit.

  • Mein Tipp: Internet erst nach den Hausaufgaben
    Es ist vielleicht gemein, wirkt aber sehr gut. Gestatten Sie Ihrem Heranwachsenden das Surfen im Internet erst, wenn er seine Hausaufgaben erledigt hat. Jede Familie regelt das anders. Entweder wird das Smartphone vorher nicht herausgegeben oder das WLAN erst zu einer bestimmten Uhrzeit freigegeben. Natürlich ist auch gegenseitiges Vertrauen eine gute Basis.

Schritt 3: Ordnung in den Lernmaterialien

Wenn es im Schulranzen Ihres Kindes chaotisch zugeht, hat das vermutlich negative Auswirkungen auf seine Schulleistungen. Auf keinen Fall sollten Sie jedoch selber jeden Abend Hand anlegen und die Arbeitsblätter ordentlich in die Mappen einordnen. Das muss Ihr Kind selber lernen. Vereinbaren Sie einen gemeinsamen Kontrolltermin, einmal in der Woche reicht, an dem der „große Ranzencheck“ stattfindet. Sind die Schulmaterialien nicht in Ordnung, muss Ihr Kind mit Ihnen gemeinsam die Unordnung beseitigen. Das finden Jugendliche irgendwann so unangenehm, dass sie lieber selber vor dem Wochencheck aufräumen.

Schritt 4: Schlafverhalten ritualisieren

Natürlich ändert sich das Schlafverhalten von Jugendlichen, man könnte fast sagen, es kehrt sich um. Die Frühaufsteher aus der Grundschulzeit werden plötzlich zu Langschläfern. Und abends drehen sie erst so richtig auf. Plötzlich gehen die Eltern früher ins Bett als die Kinder: auch das ist Pubertät. Was ein Jugendlicher abends in seinem Zimmer macht, entzieht sich der Kontrolle der Eltern. Schlaf ist nicht erzwingbar. Als einzige Lösung bleibt die Vereinbarung, ab einer bestimmten Uhrzeit (das hängt vom Alter ab) ruhig im eigenen Zimmer zu sein. Wenn WLAN und Mobilfunk abgeschaltet sind, garantiert der Griff zum Buch ziemlich bald bleierne Müdigkeit.

  • Mein Tipp: Ab ca. 21:00 Uhr ist medienfreie Zeit
    Probieren Sie es doch selber einmal und schalten Sie das WLAN, Fernseher und Smartphone abends einfach aus. Setzen Sie sich mit Ihrem Partner auf den Balkon oder in den Garten und lassen Sie den Tag in Ruhe ausklingen. In den ersten Jahren der Pubertät können Sie so sicherstellen, dass Ihr Kind nicht heimlich fernsieht oder im Internet surft und genügend Schlaf bekommt – und ein tolles Vorbild für den Medienkonsum sind Sie so auch.

Schritt 5: Lerntechniken anwenden und Lernrhythmus finden

In der Pubertät findet Ihr Kind alles wichtiger als die Schule. Dementsprechend unmotiviert ist es, wenn es Hausaufgaben machen oder für eine Klassenarbeit lernen soll. Um diese Anforderungen der nächsten Jahre einigermaßen gut zu bestehen, ist ein festes Lernritual hilfreich. Dieses Ritual sieht natürlich bei jedem anders aus.

Übersicht: Lernorganisation verbessern

ProblemKompromiss für eine bessere Lernorganisation
ArbeitsplatzSchreibtisch wird abgelehntJugendlicher wählt Lernplatz selber, hält sich aber an die vereinbarte Lernzeit, z.B. immer nach dem Sport gegen 19 Uhr.
Lernzeitbewährte Vereinbarung (z.B.
nach dem Mittagessen) wird
abgelehnt
Lerngespräche ein- bis zweimal die Woche. Hier werden Informationen über Tests und Klassenarbeiten, Noten ausgetauscht oder aktuelle Projekte besprochen.
Ordnung in den
Schulmaterialien
Chaos in den Lernmaterialien,
Heftern und Büchern
Anstatt sich täglich aufzuregen, ist auch hier der Wochencheck besser. Zum festen Termin (z.B. Sonntagabend) wird der Ranzen kontrolliert und gegebenenfalls gemeinsam aufgeräumt.
SchlafSchlafzeit verschiebt sich
immer weiter nach hinten
Ab einer bestimmten Uhrzeit muss der Jugendliche ruhig im Zimmer sein (möglichst ohne Medien – WLAN abschalten). Lesen ist erlaubt. Müdigkeit in der Schule muss ausgehalten werden.
Lernen lernenKind findet keinen Anfang,
das Lernen hat keine Struktur
Lernstruktur trainieren:
1. Getränk bereitstellen
2. Reihenfolge der Fächer festlegen, mit „leicht“ beginnen
3. Lerntechnik nutzen (z.B. Stichwortsammlung, Vokabelkasten)
4. Kleine Pausenbelohnung (z.B. Song hören, Apfel essen)


Und wenn es überhaupt nicht klappt mit dem Lernen?

In manchen Familien ist die Lernsituation so angespannt, dass Vereinbarungen oder Kompromisse nicht funktionieren. Wenn Ihr Kind nur noch dicht macht, und gleichzeitig in der Schule immer mehr abfällt, sollten Sie sich Unterstützung suchen. Gibt es jemanden, den Ihr Kind sehr mag und zu dem es aufblickt? Ältere Geschwister, coole Kinder von Freunden oder ein lockerer Verwandter haben oft mehr Chancen, die Jugendlichen zu erreichen. Sprechen Sie mit den Lehrern und erfragen Sie die Situation in der Schule. Auch eine außerschulische Lernförderung, beispielsweise eine Nachhilfe, kann die Situation verbessern. In jedem Fall sollte der Jugendliche in die Entscheidung mit einbezogen werden. Gegen seinen Willen und unter Druck wird er sein Verhalten kaum ändern. Versuchen Sie sich in ganz schwierigen Fällen auf einen Minimalkonsens zu einigen.

 

 

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