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Elterngeldantrag
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Elterngeld Plus ab Juli 2015: Wann profitieren Sie wirklich?

Seit 2007 existiert es: das Elterngeld. Es soll zum einen den geringeren Verdienst ausgleichen, den Eltern haben, wenn durch die Geburt des Kindes ein Einkommen wegfällt. Zum anderen soll es auch Väter motivieren, einige Zeit zu Hause beim Kind zu bleiben. Zum 1. Juli gibt es nun das „neue“ Elterngeld Plus – für alle, die ab dem 1. Juli 2015 Nachwuchs bekommen. Doch wann bringt es Ihnen Vorteile? Und wann lohnt es sich, altes und neues Elterngeld zu kombinieren? 

Expertenrat von 
Dr. Martina Hahn-Hübner, Gesundheits-Expertin, Medizinjournalistin

Elterngeld: Mehrlingseltern stehen plötzlich wieder schlechter da

Im Sommer 2013 hatte das Bundessozialgericht entschieden, dass Mehrlingseltern nicht nur einen Elterngeldanspruch, sondern Anspruch für jedes einzelne Kind haben. Das hat sich seit Anfang dieses Jahres geändert. Liegt die Geburt Ihrer Mehrlinge nach dem 1. Januar 2015, haben Sie nur noch den sogenannten geburtsbezogenen Anspruch auf Elterngeld. Das heißt, Sie bekommen nur einmal Elterngeld. Allerdings erhalten Sie für jeden weiteren Mehrling 300 Euro Geschwisterbonus obendrauf.

Verschiedene Möglichkeiten, wie Sie das Elterngeld gestalten können

Wenn Sie das Elterngeld Plus in Anspruch nehmen wollen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, wie genau Sie es beantragen. Und je nachdem, wieviel Sie verdienen, wie Sie Ihre Elterngeld-Monate aufteilen und ob Sie eventuell eine Kombination aus Basis-Elterngeld und Elterngeld Plus wählen, erhalten Sie unterschiedlich viel Geld.

Als Beispiel möchte ich Ihnen Ehepaar Mustermann vorstellen. Sie bekommen im Spätsommer 2015 ihr Kind und können damit auch das Elterngeld Plus wählen. Beide verdienen annähernd gleich – Frau Mustermann 2.100 Euro brutto im Monat, ihr Mann 2.600 Euro brutto. Geeinigt haben sie sich schon, dass Frau Mustermann gerne die ersten sechs Monate zu Hause bleiben würde. Damit sind sechs Monate Elterngeld „verbraucht“. Es bleiben noch acht Monate – oder 16 Monate Elterngeld Plus. Doch wie sieht die Aufteilung danach aus? Da gibt es tatsächlich sechs unterschiedliche Möglichkeiten:

  1. Frau Mustermann bleibt sechs Monate zu Hause, ihr Mann die ersten beiden Monate direkt nach der Geburt, in denen er das Basis-Elterngeld bezieht. Danach arbeitet er voll und Frau Mustermann bezieht Basis-Elterngeld. Nach 7 Monaten dann gehen beide wieder jeweils 20 Stunden pro Woche Teilzeit arbeiten. Dadurch bekommen sie noch sechs Monate lang Elterngeld Plus.
  2. Frau Mustermann bleibt sechs Monate zu Hause, ihr Mann arbeitet in diesem halben Jahr voll weiter. Während dieser Zeit erhält sie das Basis-Elterngeld. Anschließend reduzieren beide auf 20 Stunden und erhalten bis zum 14. Lebensmonat Elterngeld Plus.
  3. Frau Mustermann bleibt die ersten sechs, ihr Mann die folgenden sechs Monate zu Hause. Sie arbeitet währenddessen wieder voll. Danach reduzieren beide noch zwei Monate auf Teilzeit und bekommen zwei Monate Elterngeld Plus.
  4. Frau Mustermann bleibt sechs Monate zu Hause und bekommt Basis-Elterngeld. Ihr Mann macht danach zwei Vätermonate, ebenfalls mit Basis-Elterngeld, während sie Teilzeit arbeitet. Zwölf Monate kann sie dann noch Elterngeld Plus beziehen.
  5. Frau Mustermann bleibt ein ganzes Jahr zu Hause und bezieht Basis-Elterngeld. Im Anschluss daran geht sie wieder voll arbeiten. Ihr Mann reduziert für vier Monate auf Teilzeit und bezieht Elterngeld Plus.
  6. Frau Mustermann bleibt doch nur die ersten zwei Monate zu Hause. Daran schließen sich zwei Vätermonate ihres Mannes mit Basis-Elterngeld an. Frau Mustermann arbeitet dann noch zwanzig Monate und bezieht Elterngeld Plus.

Mit welchem Geld Ehepaar Mustermann jeweils rechnen kann, können Sie der unten stehenden Tabelle entnehmen. Sie werden sehen, je nach Modell kommen unterschiedliche Beträge beim Elterngeld heraus – und natürlich wären auch noch andere Denkweisen möglich. So könnte der besser verdienende Partner seine Arbeitszeit noch weiter reduzieren. Oder beide Partner arbeiten noch mehr auf Teilzeit. Allerdings sollten Sie bei der Berechnung Ihres Elterngeldes immer auch einige Punkte beachten. So sollte Ihr Einkommen natürlich weiterhin reichen – welche Ansprüche stellen Sie, worauf wollen Sie nicht verzichten? Wollen Sie noch weitere Kinder? Wann? Denn eventuell reduziert ein zu langer Elterngeldbezug Ihr Einkommen, wenn das Elterngeld fürs nächste Kind berechnet wird.

Achtung: Das Elterngeld ist immer steuerfrei. Dennoch, schaffen Sie sich eine kleine Reserve. Denn je nachdem, wie hoch Einkommen und Elterngeld zusammen sind, kann sich dies auf den sogenannten Progressionsvorbehalt auswirken. Es kann Ihnen also passieren, dass Ihnen eine Steuernachzahlung droht!

Elterngeld Plus: Berechnung der verschiedenen Modelle

MöglichkeitGeldsumme
1Mutterschutzgeld 3.152 €
Basis-Elterngeld/Elterngeld Plus 10.951 € 
Gehalt 18.162 € 
Summe = 32.265 €
2Mutterschutzgeld 3.152 € 
Basis-Elterngeld/Elterngeld Plus 10.630 € 
Gehalt 25.335 € 
Summe = 39.117 €
3Mutterschutzgeld 3.152 € 
Basis-Elterngeld/Elterngeld Plus 11.592 € 
Gehalt 23.344 € 
Summe = 38.088 €
4Mutterschutzgeld 3.152 €
Basis-Elterngeld/Elterngeld Plus 10.795 € 
Gehalt 37.935 € 
Summe = 51.882 €
5Mutterschutzgeld 3.152 € 
Basis-Elterngeld/Elterngeld Plus 11.252 € 
Gehalt 30.390 € 
Summe = 44.794 €
6Mutterschutzgeld 3.152 € 
Basis-Elterngeld/Elterngeld Plus 10.312 € 
Gehalt 52.032 € 
Summe = 65.496 €

Elterngeldantrag: Das müssen Sie wissen:

  • Sie müssen sowohl Basis-Elterngeld als auch Elterngeld Plus schriftlich nach der Geburt des Kindes bei der Elterngeldstelle beantragen, die für Sie zuständig ist.
  • Stellen Sie den Antrag zügig, denn rückwirkend wird das Geld nur für drei Monate gezahlt. Es gilt der Antrags- Eingang.
  • Sowohl Sie als auch Ihr Partner können jeder für sich einen Antrag stellen, unterschrieben von beiden Partnern.
  • Sie können Ihren Antrag jederzeit ändern – aber nur für die Monate, die noch nicht ausgezahlt wurden. Dabei können aber Elterngeld-Plus-Monate in Basis-Elterngeldmonate rückwirkend geändert werden.
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