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Machtkämpfe
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Kindererziehung: So vermeiden Sie Machtkämpfe

Oft ist es für Eltern eine Gratwanderung: Einerseits wollen sie ihr Kind nicht autoritär erziehen, andererseits müssen klare Regeln und Grenzen aber sein. Doch was tun, wenn kleine Dickschädel partout nicht so wollen wie Mama oder Papa? 

Expertenrat von 
Dr. Martina Hahn-Hübner, Gesundheits-Expertin, Medizinjournalistin

Kindererziehung: Zu viele Grenzen machen bockig

Kinder, die sehr vieles nicht dürfen und einen ganzen Berg von Regeln einzuhalten haben, kommen wesentlich häufiger in die Situation, dass sie eine Grenze übertreten, als Kinder, bei denen nur wenige, aber wichtige Dinge auf der Verbotsliste stehen. Das sagt einem nicht nur der gesunde Menschenverstand, das lässt sich sogar durch Studien belegen.

Kinder, deren Wünsche und Bedürfnisse nach Möglichkeit respektiert werden, sind viel eher bereit, sich an Regeln und Grenzen zu halten. Damit Ihr Kind Grenzen bereitwilliger einhält, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Klare und verständliche Regeln sind wichtig, jedoch sollten es immer nur so viele Regeln wie unbedingt nötig sein!
  • Erklären Sie Ihrem Kind, warum es etwas tun oder lassen soll! Wenn Regeln nicht willkürlich erscheinen, sondern offensichtlich sinnvoll sind, kann Ihr Kind sich leichter daran halten. Halten Sie sich selbst auch an diese Regeln!
  • Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich selbst entscheiden oder mitentscheiden. In vielen Dingen müssen Sie als Eltern die Richtung vorgeben, doch können Sie mit Ihrem Kind Bereiche festlegen, über die es selbst bestimmen darf. Das kann z. B. die Kleidung betreffen (so lange es nicht Sandalen im Winter trägt) oder das Privileg, an bestimmten Tagen in der Woche zu entscheiden, was es zum Mittagessen gibt oder wohin der Spaziergang geht.
  • Lassen Sie hin und wieder eine Ausnahme zu! Manchmal sollten Sie ein Auge zudrücken, wenn Ihr Kind sich nicht an bestimmte Regeln hält. Seien Sie nachsichtiger, wenn es beispielsweise krank oder völlig übermüdet ist.
  • Wenn Ihr Kind bestimmte Regeln immer wieder verletzt, sollten Sie sich fragen, ob diese noch angemessen sind oder vielleicht geändert werden können. Ist Ihr Kind vielleicht schon selbstständiger geworden und braucht es in manchen Dingen inzwischen weniger Kontrolle?
  • Fragen Sie Ihr Kind, ob es zu bestimmten „Knackpunkten“ Lösungsvorschläge hat. Sie wollen gerne Ihre Ruhe haben, aber Ihr Kind will unbedingt in voller Lautstärke seine Lieblingsmusik hören? Sammeln Sie alle Ideen Ihres Kindes, ohne sie zunächst zu bewerten, und handeln Sie dann gemeinsam eine Lösung aus, die für beide Seiten annehmbar ist. In unserem Beispiel könnte Ihr Kind vielleicht vorschlagen, den CD-Player mit ins Kinderzimmer zu nehmen, sodass im Wohnzimmer Ruhe herrscht. Sollte Ihr Kind nicht auf eine für Sie akzeptable Idee kommen, können Sie selbst einen Vorschlag machen und fragen: „Was meinst du? Könnte das funktionieren? Sollen wir das mal ausprobieren?“

Kindererziehung: Warum manche Dinge problemlos funktionieren – und was Sie daraus lernen können

Gibt es bei Ihnen einige Regeln, die – trotz sonstiger „Kämpfe“ – recht zuverlässig funktionieren? Welche Regeln sind das? Können Sie diese „Erfolgsrezepte“ auch auf andere Bereiche übertragen?

Die Erfahrung lehrt, dass es vor allem zwei Gruppen von Regeln gibt, die – manchmal zum Erstaunen der Eltern – meist gut funktionieren:

  1. Regeln, die Ihnen wirklich wichtig sind, hält Ihr Kind ein. Beispiel: Die meisten Eltern machen bei der Sicherheit ihres Kindes keine Kompromisse. Über die Regel „Kinder müssen im Auto im Kindersitz gesichert werden“ diskutieren sie nicht. Ist das Kind nicht angeschnallt, fahren sie erst gar nicht los. Hängt sich das Kind während der Fahrt ab, fahren sie sofort rechts ran und schnallen es wieder an. Des wegen gibt es mit dem Angurten im Kindersitz nur in den seltensten Fällen Probleme. Bei anderen, nicht „lebenswichtigen“ Dingen sind dieselben Eltern viel weniger konsequent, und deshalb funktionieren diese oft längst nicht so gut.
  2. Regeln, die zur festen Gewohnheit geworden sind, werden nicht mehr ausgetestet. Beispiel: Bei Familie X ziehen alle Familienmitglieder die Straßenschuhe immer im Flur aus und betreten die Wohnung nur mit Hausschuhen. Die Kinder kennen es nicht anders und stellen diese „eherne Regel“ auch nicht in Frage. Ganz gleich, ob Machtkampf oder nicht, die Straßenschuhe bleiben im Flur. Wenn Sie es mit viel Beharrlichkeit und Konsequenz schaffen, auch andere Dinge wie das Händewaschen vor dem Essen oder das Zähneputzen zur festen Gewohnheit werden lassen, gibt es auch darum keine Kämpfe mehr, weil Ihrem Kind diese Dinge quasi in Fleisch und Blut übergegangen sind.
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