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Machtkämpfe
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Kindererziehung: So vermeiden Sie Machtkämpfe

Oft ist es für Eltern eine Gratwanderung: Einerseits wollen sie ihr Kind nicht autoritär erziehen, andererseits müssen klare Regeln und Grenzen aber sein. Doch was tun, wenn kleine Dickschädel partout nicht so wollen wie Mama oder Papa? 

Expertenrat von 
Dr. Martina Hahn-Hübner, Gesundheits-Expertin, Medizinjournalistin

Kindererziehung: Bringen Sie Ihr Kind dazu, es selbst zu wollen

Wie schaffen Sie es, dass Ihr Kind sich an Regeln hält und nicht jedes Mal wieder austestet, ob es nicht doch auch anders geht? Womöglich sogar, ohne dass Sie es ständig kontrollieren? Was Drohungen und Strafen nicht bewerkstelligen, geht fast wie von selbst, wenn Ihr Kind motiviert ist. Das Ge - heimrezept der Erziehung lautet also: Bringen Sie Ihr Kind dazu, es selbst zu wollen!

Hier ein paar Tricks, wie Sie Ihrem Kind Aufgaben und Regeln schmackhaft machen können:

  • Stellen Sie das Besondere heraus. Zweifeln Sie daran, ob Ihr Kind einen „Auftrag“ überhaupt ausführen kann, und lassen Sie sich dann das Gegenteil beweisen. Manchmal hilft auch ein Wettlauf. Betonen Sie, dass das nur was für „große Kinder“ ist, oder spornen Sie Ihr Kind an, indem Sie ihm sagen: „Niemand macht das so toll wie du!“ – am besten mit einem Erfolgsbeispiel aus der Vergangenheit, als es etwas besonders gut gemacht hat. Nutzen Sie den „Reiz des Verbotenen“. Zögern Sie merklich, bevor Sie Ihrem Kind eine Anordnung erteilen: „Nein, das sollte ich wohl besser selbst erledigen!“ Oft kommt dann ein begeistertes „Das mach ich schon für dich – ich kann das!“
  • Erhöhen Sie den Spaßfaktor. Aufräumen zu flotter Musik oder im Tanzschritt geht gleich viel leichter von der Hand. Singen Sie oder erzählen Sie Ihrem Kind etwas – aber nur solange Ihr Kind mithilft. Machen Sie aus alltäglichen Dingen eine geheimnisvolle Sache. Vielleicht helfen Zauberschuhe, wenn Ihr Kind kurz davor ist, sich hinzuwerfen, weil es nicht mehr weitergehen will? 
  • Machen Sie Ihrem Kind die Vorteile klar. Wenn Ihr Kind beim Aufräumen hilft, sind Sie beide schneller fertig, und Sie können ihm noch etwas vorlesen. Oft hilft auch eine kleine Belohung.
  • Schlüpfen Sie im Rollenspiel in die Haut des anderen. Ihr Kind kann Mutter oder Vater spielen und Sie sind das bockige Kind. Wie würde Ihr Kind als Mutter oder Vater reagieren? So können Sie etwas darüber lernen, wie Ihr Kind „tickt“ und wie es behandelt werden möchte. Ihr Kind kann sich vielleicht ein wenig einfühlen, wie schwierig es ist, mit einem kleinen „Böckchen“, das immer etwas anderes will, umzugehen.
  • Wenn gar nichts hilft: Lassen Sie logische Folgen wirken. Wenn Ihr Kind die Konsequenzen seines Verhaltens selbst zu tragen hat, klappt vieles schon nach kurzer Zeit besser. Beispiel Aufräumen: Statt immer wieder – erfolglos – zu ermahnen, packen Sie jeden Abend am Boden herumliegendes Spielzeug einige Tage oder eine Woche lang weg. Wenn nach ein paar Tagen das Kinderzimmer recht leer aussieht, wird Ihr Kind vermutlich bereit sein aufzuräumen.#

Kindererziehung: Erste Hilfe bei einem drohenden Machtkampf

Prinzipiell sollten Eltern Wort halten. Das bedeutet auch, dass eine angedrohte Konsequenz bei Fehlverhalten wirklich eintritt oder dass ein Nein tatsächlich ein Nein bleibt, auch wenn das Kind deshalb einen Wutanfall bekommt. Oft ist es aber bei akuten Machtkämpfen sinnvoller, sich elegant aus der Konfrontation zurückzuziehen, sodass es auf beiden Seiten keinen Verlierer gibt.

  • Zeigen Sie Verständnis: „Ich wusste gar nicht, dass dir das so wichtig ist.“ Vermutlich wird Ihr Kind überrascht sein, dass Sie das Problem nicht auf die „sture Tour“ durchziehen. Fragen Sie, warum es Ihrem Kind so wichtig ist, seinen Kopf durchzusetzen. Vielleicht können Sie sich dann auf einen der folgenden Punkte einigen.
  • Eine Ausnahme machen: Ihr Kind will partout nicht in den Kindergarten? Sie können ihm einmal (nicht immer wieder!) zugestehen, dass es daheim bleibt. „Jeder braucht mal eine Pause, aber morgen gehst du wieder hin, abgemacht!?“
  • Einen Kompromiss schließen: Ihr Kind weigert sich, beim Heimkommen vom Spielplatz das eine Stockwerk bis zur Wohnungstür hochzugehen? Bieten Sie ihm an: „Ich trag dich zwei Stufen hoch, dann gehst du drei Stufen selber, dann trag ich dich wieder usw.“
  • Machen Sie es wie die Sportler und nehmen Sie eine Auszeit: Wenn Sie und Ihr Kind nicht weiterkommen, unterbrechen Sie doch den Machtkampf, indem Sie zu nächst etwas anderes vorschlagen und das strittige Thema ruhen lassen. Vielleicht entwickelt sich mit der Zeit sogar ein richtiges Ritual daraus: Erst machen wir uns beide eine Tasse „Abregungstee“, vielleicht Rotbuschtee mit Milch und Kandiszucker (der knistert so geheimnisvoll in der Tasse, wenn man ihn mit heißem Tee übergießt), und dann reden wir in Ruhe darüber.
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