Motivation: So wecken Sie das Interesse Ihres Kindes

Wahrscheinlich wissen Sie, als erprobte Grundschuleltern, dass die Motivation der Schlüssel zum Lernerfolg Ihres Kindes ist. Doch dieses Wissen allein ist nur der erste Schritt auf der Motivationsleiter. Die wahre Kunst besteht darin, die richtigen Motivationsknöpfe bei Ihrem Kind zu finden und anzuschalten. An einigen Beispielen zeigen wir Ihnen, wie das geht. 

Inhaltsverzeichnis

Motivieren und Fördern

„Ich habe keine Lust, mit der Tausend zu rechnen“, murmelte unlängst ein schlechtgelaunter und definitiv unmotivierter Schüler in meiner Förderung. Auf meine Nachfrage konkretisierte er später: „Am liebsten würde ich die dritte Klasse überspringen, denn dann müsste ich nicht mit der bösen Tausend rechnen. Die macht mir Angst.“ Eine logische Schlussfolgerung für den Achtjährigen, der aber leider nicht bedacht hatte, dass die Tausend ihn auch in den höheren Klassen anhänglich und zäh verfolgen wird. Das Überspringen konnte ich ihm als Lösung seines Problems demnach nicht anbieten, aber die Angst vor der unfassbar großen Zahl Tausend hat er inzwischen fast gänzlich besiegt. Wichtig war dabei, diese Angst als Motivationsblockade zu erkennen und sie aufzulösen. Inzwischen hat die Tausend ihre Bedrohlichkeit für Jonas verloren, und er traut sich auch an „große“ Rechenaufgaben heran. Jonas ist wieder richtig motiviert.

Hören Sie Ihrem Kind gut zu!

Sobald ein Kind denkt, es kann ein Ziel sowieso nicht erreichen, verschwindet seine Motivation sofort. Fasst es aber wieder Hoffnung, keimt auch die Motivation wieder auf. Kinder anzuspornen und ihnen das Gefühl zu geben, etwas gut zu machen, ist daher die Basis der Motivationsarbeit. Um motivierendes Denken bei einem Kind anzustoßen, ist es wichtig, genau zu wissen, was es blockiert. Vielleicht steht es unter hohem Erfolgsdruck, fühlt sich überfordert oder ist erschöpft. Möglicherweise fehlt es ihm an Mut, Selbstvertrauen oder Verständnis. Es gibt viele Blockaden bei Kindern, die hinter der Aussage „Das interessiert mich nicht!“ stehen können. Um sie zu lösen, müssen die Hindernisse zunächst aufgedeckt werden. Das gelingt am besten in einem ungezwungenen Gespräch, in das bestimmte Fragen einfließen.

1. Decken Sie das Hemmnis auf

Stellen Sie sich so gut wie möglich auf die emotionale Verfassung Ihres Kindes ein. Fragen Sie vor dem Lernen unbedingt nach, wie es ihm geht. Was es heute alles erlebt hat, ob es Sorgen mit sich herumschleppt, ein tolles Erlebnis hatte oder in welcher Stimmung es ist. Greifen Sie die Äußerungen Ihres Kindes auf, und haken Sie nach. Warum magst du denn nicht rechnen, lesen, schreiben?

  • Brauchst du vor dem Lernen noch etwas, vielleicht hast du Durst?
  • Möchtest du mir noch etwas erzählen, beschäftigt dich etwas?
  • Wie fühlst du dich hier beim Arbeiten, stört dich etwas Bestimmtes?
  • Was hindert dich, dein Heft aufzuschlagen und loszulegen?
  • Was fühlst du, wenn du an die Aufgaben denkst?

2. Formulieren Sie das Ziel

Wenn geklärt ist, was Ihr Kind am Lernen hindert, können Sie nach dem erwünschten Ziel fragen und wie es erreicht werden kann.

  • Was müsste jetzt passieren, damit du zufrieden bist?
  • Was müsste sich ändern, damit du jetzt arbeiten kannst?
  • Wer könnte dir dabei helfen?
  • Wie wird es sich anfühlen, wenn du die Aufgaben erledigt hast?
  • Gibt es einen Freund oder Klassenkameraden, der das schon kann und den du dafür bewunderst?