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Freuen Sie sich auch schon sehr auf Ihren Familienurlaub?
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Urlaub mit Teenagern: Die besten Tipps für eine stressfreie Zeit

Entspannter Familienurlaub

Freuen Sie sich auch schon sehr auf Ihren Familienurlaub? Und mischt sich in diese Vorfreude vielleicht auch ein bisschen die Sorge, dass es im Urlaub Stress mit Ihrem Teenager geben könnte? Hier erfahren Sie, was Sie tun können, damit Ihr gemeinsamer Urlaub mit Teenager gelingt. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Der Sommerurlaub ist für viele Familien das Highlight des Jahres

Endlich den Stress hinter sich lassen, sich an den Strand legen, in den Bergen wandern oder neue Städte erkunden. Ein Familienurlaub in der Hochsaison ist nicht nur kostspielig, sondern wird oft lange und akribisch geplant. Kein Wunder, dass die Erwartungen hoch sind. Erholsam sollte der Urlaub sein und natürlich Spaß machen. Und Eltern von Teenagern würden am liebsten das Servicepaket „Familienharmonie“ gleich mitbuchen.

Doch so brillant die Hochglanzfotos der Ferienresorts auch aussehen mögen: Oft ist Familienurlaub gar nicht so idyllisch, wie man das gerne hätte: „Wir hatten uns so auf unseren Urlaub in den Bergen gefreut!“, berichtet etwa Franziska (42). „Doch jeden Morgen mussten wir Leon 5 Mal zum Aufstehen auffordern. Bis wir dann endlich mal loskonnten, war es schon Mittag. Und dann hat Leon ständig nur herumgenölt, weil er Wandern langweilig fand. Das hat uns echt den Spaß verdorben.“ Und Brigitte (44) erzählt: „Nina wollte immer nur am Pool liegen, weil sie da WLAN hatte und mit ihren Freundinnen chatten konnte. Mit ihnen hat sie sicher viel mehr Infos ausgetauscht als mit uns. Das hat mich manchmal traurig gemacht.“

Mein Tipp: Wie war denn Ihr letzter gemeinsamer Urlaub?

Schreiben Sie (ggf. gemeinsam mit Ihrem Partner) auf, was Ihnen als Familie gut gelungen ist und was Sie das nächste Mal verbessern könnten. Fragen Sie auch Ihren Teenager, was ihm im Urlaub gefallen hat, hören Sie sich aber auch genau an, welche Verbesserungsvorschläge er hat. Tauschen Sie sich dann über die unterschiedlichen Vorstellungen aus und bemühen Sie sich darum, diese – soweit möglich – unter einen Hut zu bekommen. Dann merkt Ihr Teenager, dass Sie ihm nichts aufzwingen wollten, sondern ihn mitreden und mitgestalten lassen.

7 Tipps: So tragen Sie zu einem entspannten Familienurlaub bei

  1. Erwarten Sie nicht, dass es dauerhaft harmonisch zugeht.
    Das ist unrealistisch. Immerhin können Sie sich im Urlaub weniger aus dem Weg gehen, da kracht es dann auch schnell mal. Es mag paradox klingen, ist aber wahr: Je gelassener Sie damit umgehen, dass es Knatsch und Krach geben kann, desto weniger Streit wird es tatsächlich geben.
  2. Fragen Sie Ihren Teenager schon bei der Planung des Urlaubs nach seinen Vorstellungen und Wünschen und versuchen Sie diese möglichst zu berücksichtigen.
    Ausnahme: Wenn Ihr Teenager unrealistische Forderungen stellt und an diesen festhält. Dann müssen Sie Ihren Jugendlichen mit der Realität konfrontieren und freundlich klarstellen: „Ein Segelkurs ist dieses Jahr leider nicht drin. Das sprengt unseren finanziellen Rahmen. Tut mir leid, aber so sieht es jetzt aus.“
  3. Beziehen Sie Ihren Teenager in Entscheidungen bezüglich der Tagesplanung vor Ort ein.
    Wenn Sie ihn vor vollendete Tatsachen stellen, fühlt er sich möglicherweise übergangen und geht in den Widerstand. Sagen Sie also statt: „Wir haben beschlossen, heute zur Burg XY zu fahren!“ lieber: „Wir hatten die Idee, heute die Burg XY zu besuchen. Bist du damit einverstanden?“ Das sollte allerdings keine rhetorische Phrase bleiben, sondern eine ernst gemeinte Frage sein.
  4. Zwingen Sie Ihren Teenager nicht, alle Unternehmungen mitzumachen, sondern geben Sie ihm auch einen gewissen Freiraum für eigene Entscheidungen und Unternehmungen.
    So sollte er sich auf dem Feriengelände/im Hotel/auf dem Zeltplatz etc. frei bewegen können, alleine schwimmen gehen etc. An verabredete Zeiten und Treffen sollte er sich allerdings halten. Natürlich kann er auch öfter mal „zu Hause“ bleiben, wenn Sie ihn partout nicht dazu bewegen können, eine Besichtigung oder eine Wanderung mitzumachen.
  5. Richten Sie sich umgekehrt aber nicht immer nur nach den Wünschen des Teenagers.
    Besonders fordernde Jugendliche verstehen es oft meisterlich, ihre Eltern von den eigenen Wünschen abzubringen. Achten Sie also unbedingt darauf, dass auch Ihre Bedürfnisse, die Wünsche Ihres Partners und die der jüngeren Geschwister nicht zu kurz kommen! Jeder sollte nach dem Urlaub das Gefühl haben, (einigermaßen) auf seine Kosten gekommen zu sein.
  6. Überlegen Sie im Vorfeld, ob Sie vielleicht einen Freund oder eine Freundin Ihres Kindes mitnehmen können.
    Das entlastet Sie als Eltern und lockert das Familiengefüge ein wenig auf. Oft kann man dadurch starke familieninterne Reibereien sogar vermeiden.
  7. Erlauben Sie Ihrem Kind im Urlaub auch mal Sachen, die Sie ihm sonst nicht gestatten,
    z.B. länger aufzubleiben oder länger TV zu sehen. Im Urlaub darf man manches etwas lockerer handhaben als zu Hause während der Schulzeit. (Achtung: Das gilt natürlich nicht für Höflichkeitsregeln und die Pflicht, Verabredungen einzuhalten.)

 Der kleine Notfallkoffer: Was tun, wenn …?

… der Teenager sich überwiegend passiv verhält

Bleiben Sie geduldig. Passivität und Trägheit von Jugendlichen ist oft eher Ausdruck von Unsicherheit als bewusste Provokation. Manchmal fühlen sich Teenager damit überfordert, Entscheidungen zu treffen oder die Initiative zu ergreifen. Ermuntern Sie Ihr Kind hin und wieder, sich aufzuraffen. Und wenn das zurzeit noch nicht so gut geht: Diese phlegmatische Phase geht bald wieder vorbei!

… der Teenager nicht mithilft, z.B. in der Ferienwohnung

Stellen Sie gemeinsam einen Plan auf, wer wann was zu erledigen hat. Manchmal hilft es, wenn man zu zweit kocht, spült und abtrocknet: Macht mehr Spaß und bedeutet für jeden weniger Arbeit.

… demonstrativ unzufrieden ist

Fragen Sie Ihren Teenager, was er anders machen möchte. Nehmen Sie ernst gemeinte Vorschläge und Kritik ernst und greifen Sie sie für die weitere Planung auf. Lassen Sie sich aber trotzdem nicht den Spaß verderben und versuchen Sie, diese „Trotz- und Motzphase“ mit Humor zu nehmen. Ihr Teenager will sich jetzt abgrenzen, und das geht am leichtesten, indem er Sie und Ihre Aktivitäten „doof“ findet.

… ständig Streit mit den Geschwistern anfängt

Das könnte ein Zeichen von Langeweile oder Unterforderung sein. Dann sollten Sie für mehr Action und Abwechslung sorgen oder die Kinder unterschiedliche Sachen machen lassen.

… Sie sich nicht einigen können, was unternommen wird

Jeder darf drei realistische Wünsche auflisten. Diese sollten nach Wichtigkeit priorisiert werden. (z.B. „1: Museumsbesuch; 2: Chillen am Strand; 3: Spieleabend“). Je nachdem, wie lange Sie in Urlaub sind, sollten von jeder Person mindestens eine oder zwei Wunschaktivitäten umgesetzt werden. Machen Sie gemeinsam einen Wochenplan und halten Sie die Ergebnisse schriftlich oder bildlich fest.

So vermeiden Sie größere Konflikte im Urlaub

Gravierende Dauerkonflikte kann man nicht zu Hause lassen. Aber auch die ganz normalen kleineren Alltagskonflikte wird es im Urlaub hin und wieder mal geben – das ist normal. Stressen Sie sich also nicht damit, Streit unbedingt vermeiden zu müssen. Mit den folgenden Tricks könnten Sie jedoch Unstimmigkeiten schnell beseitigen und so nervigen Dauerstreitereien im Urlaub vorbeugen:

  • Hören Sie Ihrem Jugendlichen genau zu. Prüfen Sie: Was will Ihnen Ihr Jugendlicher sagen? Womit ist er unzufrieden? Bedenken Sie: Hinter jeden Vorwurf steckt ein unbefriedigtes Bedürfnis. Versuchen Sie herauszufinden, was das sein könnte.
  • Spielen Sie Kritik oder die Unzufriedenheit des Teenagers nicht herunter und machen Sie sich keinesfalls darüber lustig. Sätze wie „Ach ja, das Schwimmbad ist dem feinen Herrn wohl nicht gut genug!“ sind provokativ und kontraproduktiv.
  • Nehmen Sie seine Äußerungen ernst: „Okay, ich habe verstanden, dass dir das Schwimmbad zu langweilig ist.“ Und geben Sie ihm ggf. sogar recht: „Stimmt, da sind fast nur Rutschen für kleine Kinder.“
  • Lassen Sie Ihren Teenager Vorschläge machen, wie die Situation verbessert werden könnte: „Was schlägst du vor? Hast du eine Idee, wo du lieber schwimmen gehen würdest?“
  • Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie auf einen Nenner kommen. Sie können sich z.B. als Familie splitten und in unterschiedlichen Konstellationen losziehen, z.B. Vater und Sohn fahren zum Meer, Mutter und Tochter gehen auf den Markt, oder umgekehrt. Hier sind – je nach Interessenslage – alle Variationen möglich.

„Hauptsache WLAN!“ – 5 Tipps für den Umgang mit Smartphone und Tablet im Urlaub

  1. Verbieten Sie Ihrem Teenager die Nutzung des Smartphones oder Tablets im Urlaub nicht. Eine von Ihnen verordnete „digitale Detox-Kur“ bringt Ihr Kind nur gegen Sie auf, schlechte Laune ist programmiert. Außerdem ist es für Teenager sehr wichtig, mit Freunden in Kontakt bleiben zu können. Zudem fungiert das Smartphone auch als Fotoapparat, und der ist im Urlaub natürlich wichtig!
  2. Seien Sie ein gutes Vorbild und legen Sie Ihr Handy auch öfter mal zur Seite. Wenn die Erwachsenen ständig online sind, können sie von ihren Kindern nicht erwarten, ständig offline zu sein.
  3. Legen Sie handyfreie Familienzeiten fest, etwa während der Mahlzeiten und/oder wenn Sie etwas gemeinsam planen, besprechen oder besichtigen.
  4. Sehen Sie den Handygebrauch des Kindes locker, wenn es ansonsten an Unternehmungen teilnimmt und einen überwiegend fröhlichen Eindruck macht.
  5. Wenn Ihr Kind ausschließlich am Handy oder Tablet hängt, sich total von Ihnen zurückzieht, alles verweigert und keinen Kontakt zu Ihnen aufnimmt, müssen Sie einschreiten. Denn dahinter könnten psychische Probleme oder tiefersitzende Familienkonflikte stecken. Versuchen Sie in diesem Fall herauszufinden, was Ihr Kind belastet oder stört und warum es sich in die digitale Welt flüchtet. Zu Hause sollten Sie dann alle gemeinsam eine Familienberatung aufsuchen.

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