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Opferrolle: So helfen Sie Ihrem Teenager, sich nicht immer an allem schuld zu fühlen

Teenager fühlen sich oft schuldig an Konflikten und Problemen innerhalb der Familie, weisen jedoch gleichzeitig alle Schuld von sich. Das bringt Eltern in eine schwierige Situation. Hier erfahren Sie woran es liegen kann, dass manche Jugendliche sich häufig als Opfer fühlen, und wie Sie ihnen am besten helfen können. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Schuldgefühle: So helfen Sie Ihrem Kind, wenn es sich oft schuldig fühlt

Typische Problemsituationen, mögliche Ursachen und hilfreiche Tipps
Beispiel/Situation/VerhaltenMögliche Ursache für das VerhaltenWie Sie am besten damit umgehen
Ihr Kind weist stets jede Schuld von sichDas Kind fühlt sich oft (unbewusst) schuldig und kann das so schlecht ertragen, dass es jegliches Schuldgefühl von sich weist (Abwehrmechanismus). Erklären Sie Ihrem Kind den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Schuld wiegt schwer und ist unangenehm; Verantwortung stärkt und fühlt sich gut an. So ist Ihr Kind nicht „schuld“ daran, wenn Sie sich über es ärgern, aber verantwortlich dafür, welche Note es schreibt – natürlich auch dann, wenn sie gut ist!
Ihr Kind ist verletzt, verärgert und wütend über etwas, was Sie an ihm kritisiert habenIhr Kind fühlt sich fälschlicherweise beschuldigt (er/sie war es wirklich nicht!), oder Sie haben seinen „wunden Punkt“ getroffen.

Kommen Sie mit Ihrem Kind ins Gespräch: „Was genau hat dich denn so geärgert, traurig gemacht …?“

Zeigen Sie Verständnis und bitten Sie gegebenenfalls um Entschuldigung für die Wortwahl, den Tonfall etc. Sie müssen trotzdem vom Inhalt Ihrer Aussage nicht abrücken, sondern könnten z.B. sagen: „Es tut mir leid, wenn ich dich mit meiner Aussage verletzt habe. Ich wollte dir nicht wehtun, sondern dich eigentlich nur bitten, das nächste Mal pünktlich nach Hause zu kommen.“

Ihr Kind fühlt sich seinen Geschwistern gegenüber benachteiligt.

Ihr Kind ist tatsächlich in früheren Lebensphasen emotional zu kurz gekommen und musste das bis jetzt kompensieren (passiert aus Versehen, wenn die Geschwister dicht aufeinander folgen oder wenn die Mutter z.B. lange krank war).

Seine Geschwister gelten als pflegeleichter oder sind die (heimlichen) Lieblingskinder; Ihr Kind spürt das, es tut ihm weh!

Ihr Kind ist gerade sehr sensibel und beobachtet sehr genau, wie es behandelt wird. Es legt alles auf die Goldwaage und ist sehr kritisch.

Meistens ist es eine Mischung aus allem!

Versuchen Sie herauszufinden, ob Sie ein Geschwisterkind tatsächlich bevorzugen. Überlegen Sie, warum das so ist!

Nehmen Sie den Schmerz, Neid, Kummer etc. Ihres Kindes dann ernst.

Sprechen Sie möglichst offen mit ihm darüber, das kann sehr hilfreich und heilsam sein.

Zeigen Sie ihm ganz bewusst und deutlich Ihre Zuneigung.

Lassen Sie sich jedoch nicht erpressen, frei nach dem Motto: „Wenn du schon xy lieber hast als mich, muss du mir wenigstens die teureren Klamotten kaufen!“

Ihr Kind ist provokativ, „auffällig“, aggressiv, ritzt sich; es zieht sich von der Familie zurück, will keinen Kontakt mehr oder hat sogar SuizidfantasienIhr Kind erlebt sich als Sündenbock der Familie. Es denkt, wenn es nicht da wäre, hätte die Familie keine Probleme mehr. Hier liegen meistens tieferliegende Probleme im Familiensystem vor – eine Familientherapie könnte hilfreich sein!
Ihr Kind wird gemobbt (und meint vielleicht sogar, es sei auch noch selbst schuld daran)Ungünstige Konstellationen in der Schule oder im Umfeld; der Gemobbte ist nicht schuld daran, sondern die Täter sind es!

Sofort Hilfe holen, Lehrer einweihen, Tatbestände sichern (beleidigende E-Mails ausdrucken, Screenshots von Chat-Verläufen machen etc.), gegebenenfalls die Polizei einschalten.

Geben Sie Ihrem Kind Rückendeckung. Stärken Sie es, machen Sie ihm Mut. Ziehen die gegebenenfalls einen Klassen- oder Schulwechsel in Erwägung, wenn die erhoffte Unterstützung und Verbesserung ausbleibt, oder nehmen Sie jugendtherapeutische Hilfe zur Stärkung Ihres Kindes in Anspruch

Ihr Kind sagt jedes Mal, wenn er um etwas gebeten wird: „Immer muss ich das machen!“Ihr Kind fühlt sich ungerecht behandelt oder überfordert. Oder es möchte sich vor der Arbeit drücken und appelliert so an Ihr Gewissen …

Prüfen Sie, ob das Kind tatsächlich überfordert oder ungerecht behandelt wird, also „zu viel“ mithelfen muss, etwa deutlich mehr als andere Gleichaltrige oder seine Geschwister. Wenn das der Fall ist, könnten Sie ihn von einigen Pflichten entbinden.

Wenn das nicht der Fall ist: Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein oder unter Druck setzen. Bleiben Sie klar und konsequent.

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