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Mutter und Teenager-Tochter gemeinsam
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Wie Ihre Tochter ein gutes Gefühl für ihre Weiblichkeit entwickelt

Physische und psychische Entwicklung in der Pubertät

Mädchen haben es heute nicht so leicht. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist groß. Sie sehen sich schon in jungen Jahren mit vielen verschiedenen Ansprüchen konfrontiert: So sollen sie einerseits lieb, andererseits selbstbewusst sein. Sie sollen schlank, hübsch und attraktiv, aber natürlich auch schlau und erfolgreich in der Schule sein und möglichst noch in einem Hobby oder auf einer Bühne brillieren.  

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

All diese Erwartungen zu erfüllen, ist jedoch nahezu unmöglich, oder wenn, dann nur unter großen Anstrengungen. In diesem Text lesen Sie, wie Sie Ihrer Tochter dabei helfen können, ihren ganz persönlichen Weg zu finden, und was Sie tun können, wenn Ihre Tochter unter alterstypischen „Mädchenproblemen“ leidet.

Wenn Sie Ihrer Tochter bei der Entwicklung helfen wollen, sollten Sie mit ihr unbedingt ins Gespräch über das Thema „Weiblichkeit“ kommen. Wichtig sind zum Beispiel die Fragen: Was bedeutet es eigentlich, eine Frau zu sein? Was finde ich weiblich?“ Über folgende Thesen könnten Sie in eine Diskussion miteinander kommen:

Eine Frau

  • sollte möglichst gut aussehen;
  • kann herumlaufen, wie sie will;
  • sollte sich um den Haushalt und die Familie kümmern;
  • kann Karriere machen, wenn sie dazu Lust hat;
  • muss freundlich und liebevoll sein, weil alles andere unweiblich wirkt;
  • kann genauso gut in Führungspositionen arbeiten wie Männer;
  • darf Ihre Sexualität selbstbestimmt leben;
  • kann schlau und sexy sein;
  • soll für Ihren Mann da sein;
  • hat genau das gleiche Recht auf Karriere und Familie wie ein Mann etc.

Fragen Sie Ihre Tochter doch einfach mal, was sie davon für richtig hält und was nicht. Und lassen Sie sie folgende Satzanfänge vervollständigen:

  • Eine „echte“ Frau muss….
  • Eine „echte“ Frau darf auf keinen Fall…
  • Wenn ich erwachen bin, will ich auf jeden Fall…
  • Weiblich zu sein bedeutet für mich, folgende Vorteile zu haben:
  • Weiblich zu sein bedeutet für mich, folgende Nachteile zu haben:
  • Ich habe Angst, dass ich als Frau…

Mit Ihnen darüber reden zu können hilft Ihrer Tochter, sich über ihre eigenen Vorstellungen klarer zu werden, Unsicherheiten zu überwinden und ihren ganz eigenen Weg zu finden. Wenn Sie eine andere Meinung vertreten als Ihre Tochter, sprechen Sie diese ruhig aus, allerdings bitte ohne Ihre Tochter von der Richtigkeit Ihrer Argumente überzeugen zu wollen. Bedenken Sie auch, dass Ihre Tochter noch sehr jung ist und ihr naturgemäß noch viele Erfahrungen fehlen. Nehmen Sie Ihre Argumentation trotzdem ernst.

3 Tipps: Das können Sie tun, um Ihrer Tochter das Erwachsenwerden zu erleichtern

1. Bleiben Sie in gutem Kontakt mit Ihrer Tochter und versuchen Sie, möglichst viel Spaß miteinander zu haben. Das stärkt sie und vermittelt ihr, dass sie ein wichtiger und wertvoller Mensch ist - auch dann, wenn sie manchmal „zickig“ oder schlecht gelaunt sein mag.

2. Nehmen Sie es möglichst gelassen zur Kenntnis, dass Ihre Tochter viel Zeit vor dem Spiegel oder im Badezimmer verbringt. Die Pubertät ist nun mal die Zeit der permanenten Selbstbespiegelung, die dringenden Fragen lauten „Wer bin ich? Wie will ich sein? Wie wirke ich? Wie komme ich an?“ Schminke, Frisur und Kleidung spielen dabei (zumindest vorübergehend) oft eine große Rolle. Seien Sie hier nicht zu streng in Bezug auf die Experimentierfreudigkeit Ihrer Tochter. (Bei Tattoos und Piercings sollten Sie allerdings aus gesundheitlichen Gründen Vorsicht walten lassen!). Nehmen Sie eventuelle Stilwechsel (heute punkig, morgen poppig) einfach hin, ohne das großartig zu kommentieren. Ihre Tochter ist eben auf der Suche nach sich selbst und dem passenden Style.

3. Achten Sie darauf, was Sie selbst als Frau für Signale senden. Reden Sie eher  anerkennend oder eher abwertend über andere Frauen? Kommen Sie gut mit Frauen aus? Was mögen Sie an Ihren Freundinnen und was nicht? All das spielt eine Rolle dabei, was Sie Ihrer Tochter mit auf den Weg geben. Je freier und unbefangener Sie mit anderen Frauen umgehen können, desto weniger Probleme wird auch die Tochter mit  ihrer Entwicklung zur Frau haben. Denn Ihre subtile Botschaft lautet ja: „Frauen sind okay.“

Welche Themen Mädchen in der Pubertät oft beschäftigen

Die möglichen Ursachen und wie Sie damit umgehen sollten

Häufige Themen/Probleme

Woher das kommt

Wie Sie am besten damit umgehen

Das Mädchen fühlt sich zu dick, ohne es zu sein, oder einfach unwohl in seiner Haut

·         In unserer Gesellschaft spielt Schlanksein eine überdimensionale Rolle. Medien und Werbung suggerieren, nur Schlanke seien attraktiv und erfolgreich. Das bringt besonders junge Frauen unter Druck.

·         Die Veränderungen des Körpers verunsichern das Mädchen zusätzlich, kleine Fettpölsterchen an Hüfte, Bauch und Oberschenkel sind neu und noch befremdlich; es entsteht das Gefühl, nicht mehr „Herrin der Lage“ zu sein, die Einflussmöglichkeiten auf die Figurveränderungen sind gering.

·         Thematisieren Sie den grassierenden Schlankheits- und Magerwahn und reden Sie mir Ihrer Tochter darüber, dass es im Leben Wichtigeres gibt als schlank zu sein;

·         Machen Sie Ihrer Tochter immer wieder klar, dass jedes Model mit Photoshop schlanker gemacht wird und dass der Trend auch immer mehr zu realistischen Figuren und sogar „Curvy Models“ geht.  

·         Weisen Sie Ihre Tochter darauf hin, dass es sich in einer Übergangsphase befindet, und der Körper noch wachsen und sich verändern wird; das ist besonders dann wichtig, wenn der Körper leicht unproportioniert wirkt;

·         Haben Sie einen Blick auf das Essverhalten Ihrer Tochter; Essstörungen wir Magersucht oder Bulimie beginnen oft in der Pubertät.

·         Sorgen Sie für eine gesunde Ernährung, damit das Mädchen sich auch dadurch in seinem Körper wohl fühlt.

Die wachsende Brust schmerzt, stört oder irritiert

·         Die wachsende Brust kann ambivalente Gefühle auslösen: einerseits ist es reizvoll, zur Frau zu werden, aber es ist auch neu und fühlt sich merkwürdig an. Oft löst es auch Schamgefühle aus.

·         Außerdem konfrontiert sie das Mädchen zwangsläufig mit dem Thema „Frau werden“ und der Frage nach der eigenen Attraktivität. Auch das kann als unangenehm, bedrängend oder einfach lästig erlebt werden. Der weibliche Körper ist ihm einfach noch nicht vertraut genug.

·         Bleiben Sie ein liebevolles und stärkendes Gegenüber und zeigen Sie Verständnis für die Irritation Ihrer Tochter: „Ja, das ist jetzt für dich natürlich eine große Veränderung, aber das fühlt sich bald nicht mehr so fremd an.“ Vielleicht kaufen Sie mir Ihrer Tochter auch gemeinsam einen schönen BH, um Ihr ein besseres Gefühl zu geben? Sprechen Sie Ihre Tochter an, wie sie sich in ihrem weiblicher werdenden Körper fühlt, und fragen Sie sie nach etwaigen Beschwerden und sorgen Sie dann für Abhilfe.

Die (erste) Menstruation macht dem Mädchen zu schaffen

·         Die erste Menstruation ist das deutliche Zeichen dafür, dass das Mädchen nun geschlechtsreif wird. Das heißt, es ist nun mit dem Thema „Schwangerschaft“ und Sexualität konfrontiert. Da viele Mädchen aber psychisch noch gar nicht so weit entwickelt sind wie körperlich, erleben sie das oft als unpassend und irritierend.

·         Schmerzen und Blutungen sind gewöhnungsbedürftig, das Mädchen muss erst einen guten Umgang damit finden und lernen, die Menstruation als normalen Teil ihres Lebens zu akzeptieren.

·         Gehen Sie möglichst gelassen mit dem Thema Menstruation um. Es ist ein sehr wichtiges, aber auch ein intimes Erlebnis, das Ihrer Tochter ganz allein gehört.

·         Geben Sie Ihre Tipps und Hinweise in Bezug auf Slipeinlagen, Binden, Tampons und verweisen Sie auf die neuen Menstruationscups bzw. –tassen. (Viele Tipps hierzu finden Sie auf youtube.de)

·         Trösten Sie Ihre Tochter, wenn sie sich unwohl in Ihrem Körper fühlt, kochen Sie Ihr einen Tee und kuscheln Sie mit ihr (wenn sie das mag). Es tut ihr jetzt möglicherweise einfach gut, mal ein bisschen umsorgt zu werden. 

Das Mädchen hadert ganz allgemein mit seinem Aussehen oder sich selbst

·         Eine der wichtigsten Aufgaben der Pubertät ist es, den sich verändernden Körper nach und nach zu akzeptieren und ihn achten und lieben zu lernen. Wie lange das dauert oder ob das Mädchen damit arge Probleme hat, hängt unter anderen auch von seiner psychischen Stabilität und seinem Selbstwertgefühl ab.

·         Stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihrer Tochter, indem Sie Ihre Ideen und Meinungen ernst nehmen, sie in ihren Interessen fördern und positiv unterstützen.

·         Sehen Sie von abwertenden Bemerkungen wie etwa „In dieser Hose wirkt dein Hintern aber ziemlich fett“ unbedingt ab. So etwas ist verletzend und schwächt das Selbstwertgefühl beträchtlich.

 

 

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