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Die Kindheit kann sehr schwierig sein, wenn man in der gehänselt oder gemobbt wird.
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Hänseleien wegen Übergewicht: So können Sie Ihrem Kind helfen

Selbstbewusstsein fördern

Kommt Ihr Kind auch manchmal ganz niedergeschlagen von der Schule nach Hause und beschwert sich bitterlich, weil es wegen seines Gewichts mit blöden Sprüchen von Mitschülern und Mitschülerinnen gehänselt wurde? Dann erfahren Sie hier, was Sie dagegen tun können. 

Expertenrat von 
Dr. Astrid Laimighofer, Dipl.-Oecotroph., Dipl. Kindergesundheits-trainerin

Es ist wichtig sich seiner Stärken bewusst zu sein

Laut der KIGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts ist jedes fünfte Mädchen und jeder vierte Junge im Alter zwischen 7 und 14 Jahren übergewichtig. Und nicht selten müssen sich diese Kinder wegen ihres Aussehens dumme Sprüche anhören. Für die betroffenen Kinder ist es daher umso wichtiger, sich ihrer Stärken bewusst zu werden und das passende Handwerkszeug zu haben, um auf Spott richtig zu reagieren. Denn wütend zu werden ist nicht der passende Weg. Das freut diejenigen, die ärgern und die Hänseleien gehen weiter.

So stärken Sie Ihr Kind

Übergewichtige Kinder haben häufig ein niedrigeres Selbstwertgefühl als normalgewichtige Altersgenossen. Sie erleben sich oft hinsichtlich ihres Aussehens und ihrer sportlichen Kompetenz als eingeschränkt. Auch das heutige Schönheitsideal – anscheinend nur schlank gut zu sein und geliebt zu werden – übt besonders auf Mädchen einen hohen Druck aus. Übergewichtige Mädchen zeigen mehr noch als übergewichtige Jungen eine starke Unzufriedenheit mit ihrem Körper sowie ein niedriges Selbstwertgefühl – und das bereits im Grundschulalter.

Daher geht es in erster Linie darum, dass Kinder ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten in sämtlichen Bereichen besser wahrnehmen lernen sowie benennen und annehmen können. Denn dann haben sie eine solche selbstbewusste Stärke, dass Gemeinheiten nicht mehr zum Ziel führen und wie von selbst aufhören.

Die folgende zwei Übungen sollen Ihrem Kind helfen, seine Fähigkeiten besser wahrzunehmen und die eigenen Ressourcen zu kennen.

1. Übung: „Meine Sonnenseiten“ – Stärken bewusst wahrnehmen lernen

Setzen Sie sich mit Ihrem Kind hin, und schreiben Sie gemeinsam auf ein schönes Blatt Papier seine Sonnenseiten auf. Was kann Ihr Kind so richtig gut? Was ist an ihm besonders liebenswert? Daran kann sich die ganze Familie beteiligen. Jeder sollte mindestens zwei Stärken nennen. Diese Sonnenseiten kann sich Ihr Kind dann auch an einem präsenten Platz als kleines Poster an die Wand hängen.

Wirkung: Wichtig ist, dass Ihr Kind lernt, dass es mehr ist als sein Körpergewicht. Seine Persönlichkeit besteht aus vielen Facetten. Das Gewicht gehört überhaupt nicht dazu. Ermutigen Sie Ihr Kind auch, seine Stärken noch weiter auszubauen. Kinder, die wissen, wo ihre Qualitäten liegen, strahlen das auch aus und lassen sich auf die dummen Hänseleien anderer gar nicht erst ein.

2. Übung: „Ressourcenblume“ – die persönlichen Kraftquellen erkennen lernen

Sehr hilfreich ist es auch, wenn Ihr Kind bereits frühzeitig lernt, seine Ressourcen zu kennen und immer wieder anzuzapfen. Das hilft in stressigen Situationen besonders – und eine Hänselei ist eine derartige Situation. Gerade bei Kindern bietet es sich an, das in Form einer Blume zu gestalten. In der Mitte steht der eigene Name und in die Blütenblätter (vier bis fünf) werden die Ressourcen hineingeschrieben. Ressourcen sind zu verstehen als die Quellen, aus der (neue) Energie geschöpft werden kann. Das sind Dinge, die Kinder besonders gerne machen, Aktivitäten, bei denen sie das Rundherum vergessen, Personen, in deren Nähe sie sich besonders wohlfühlen. Das können sein: Mama, Papa, Geschwister oder ein spezieller Freund, Aktivitäten wie selber Musik machen oder Musik hören, Sport, Natur, gemeinsames Spielen und vieles mehr.

Mein Tipp: Diese Übung sollten Sie auch für sich persönlich ausprobieren. Sie ist perfekt geeignet, um die Kraftquellen zu anzuzapfen, die Sie in Stresssituationen brauchen.

Bei Mobbing ist Schluss

Ein intaktes Selbstwertgefühl ist in allen Lebenssituationen Gold wert. Sollten Sie aber das Gefühl haben, dass die Hänseleien zu weit gehen und Ihr Kind bereits gemobbt wird, ist es höchste Zeit, die Schule zu verständigen und gemeinsam Schritte dagegen zu unternehmen.

Üben Sie gemeinsam Schlagfertigkeit

Übergewichtige Kinder sind schnell in einer Opferrolle. Um hier rauszukommen, müssen sie lernen, sich mutig dagegenzustellen und sich zu wehren – aber bitte nicht mit einer Schlägerei. Die Kinder sollen stattdessen ermutigt werden, schlagfertig zu reagieren. Das lässt sich lernen. Trainieren Sie gezielt mit Ihrem Kind Situationen, in denen Schlagfertigkeit gefragt ist.

Möglichkeit 1: Umdrehen und weggehen

Blöde Sprüche braucht sich niemand bis zum Ende anzuhören. Besser ist es, wenn Ihr Kind sich vorher umdreht, langsam weggeht und sich auch nicht durch eventuelles Hinterherrufen wie „Jetzt hast du aber Angst“ irritieren oder provozieren lässt.

Möglichkeit 2: Aushalten lernen, dass man nicht immer geliebt wird

Schwer, aber besonders wichtig: Wenn Ihr Kind auch von einem Freund durch gemeine Äußerungen verletzt wird, sollte es lernen zu sagen: „Das hat mich jetzt traurig gemacht.“ Gefühle auszusprechen sollte gerade unter Freunden möglich sein. Ansonsten ist es wichtig für Ihr Kind zu lernen, dass Freunde zwar wichtig sind, aber nicht um jeden Preis.

Möglichkeit 3: Auf die Körperhaltung achten

Kinder in der Opferrolle nehmen leicht auch eine unterwürfige Körperhaltung mit hängenden Schultern und gesenktem Blick ein, die es den Angreifern leicht macht, abfällig über sie zu reden. Erinnern Sie Ihr Kind daher immer an eine aufrechte Körperhaltung mit gehobenem Kopf und direktem Blick. Allein das kann Wunder wirken.

Möglichkeit 4: Schlagfertig antworten

Wirkt am besten und nimmt den Angreifern von vornherein den Wind aus den Segeln. Hier gibt es verschiedene Techniken. Üben Sie die, die für Ihr Kind am besten geeignet sind.

Ihr Kind kann:

  • maßlos übertreiben
  • konsequent zurückweisen
  • unerwartet zustimmen

Hier ein Beispiel: Laura ist zehn Jahre alt und etwas übergewichtig. Seit einiger Zeit mag sie gar nicht mehr gerne zum Sportunterricht, da sie bemerkt, dass sie dicker ist als der Rest der Mädchen in ihrer Klasse. Sie fühlt sich unwohl. Sie ist also das perfekte Opfer für die Häme mancher Klassenkameradin. Welche Möglichkeiten gibt es für Laura, schlagfertig darauf zu reagieren, wenn sie das nächste Mal wieder geärgert wird.

Ansage: Du solltest langsam aufhören zu essen, sonst platzt du gleich.

  1. Maßlos übertreiben:
    Antwort: „Super, dass du das auch schon bemerkst. Du hast ja einen tollen IQ.
  2. Konsequent zurückweisen:
    Antwort: „Ich wiege 45 Kilo – das wächst sich aus.
  3. Unerwartet zustimmen:
    Antwort: „Gut erkannt – und du bist eine Niete in Mathe.

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